Gütersloh (hsbi). Auch wenn man ostwestfälisch-bescheiden bleibt, kann man den Campus Gütersloh der Hochschule Bielefeld (HSBI) wohl als Talentschmiede und Forschungs-Hotspot für Digitale Technologien, Automatisierung und Data Science bezeichnen. Der 2010 gegründete Hochschulstandort hat in den vergangenen 16 Jahren ein deutliches Profil ausgebildet, das sich an Transformationsprozesse wie der Entwicklung von Industrie 4.0 zu Industrie 5.0 anlehnt. Da lag es nahe, dass sich der Bundestagsabgeordnete für den Kreis Gütersloh, Ralph Brinkhaus, in seiner Funktion als Sprecher der Union im Ausschuss für Digitales und Staatsmodernisierung über aktuelle Entwicklungen in Lehre und Forschung am Campus Gütersloh informiert. „Wir befinden uns in Deutschland in einem Prozess der Um-Industrialisierung, wie es der Ökonomieprofessor Markus Brunnermeier nennt. Daher müssen wir schauen, wo wir in Zeiten von KI bleiben und wo unsere Chancen liegen. Wir dürfen nicht in die Mid-Tech-Falle geraten“, so Brinkhaus.
Prof. Dr. Ulrich Schäfermeier, Vizepräsident für Studium und Lehre der HSBI (links), begrüßt den Bundestagsabgeordneten Ralph Brinkhaus.
Der nach der Bundestagswahl vor einem Jahr neugeschaffene Ausschuss für Digitales und Staatsmodernisierung befasst sich mit der strategischen Ausrichtung der digitalen Transformation in Deutschland, dem Ausbau der digitalen Infrastruktur und der Modernisierung der Verwaltung. Er fungiert als zentrales Gremium, um Digitalthemen fachübergreifend zu behandeln und Netzpolitik als Querschnittsaufgabe voranzutreiben. Entsprechend breit aufgestellt sind die Themenfelder, zu denen das Gremium berät: unter anderem von der Modernisierungsagenda und der Einführung eines einheitlichen „Betriebssystems“ für die Verwaltung, über Digitale Souveränität und den Potenzialen Künstlicher Intelligenz, bis hin zur Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit und der Schaffung eines innovationsfreundlichen Umfelds, um nur einige Beispiele zu nennen. Insbesondere zum letztgenannten Thema hat sich Brinkhaus mit den Professorinnen und Professoren in Gütersloh ausgetauscht: Wie kann Deutschland wettbewerbsfähiger werden und wie kann man zu einem innovationsfreundlichen Umfeld beitragen?
HSBI bildet Fachkräfte aus
Prof. Dr. Andrea Kaimann ist die Prodekanin des Fachbereichs Ingenieurwissenschaften und Mathematik für den Campus Gütersloh. Sie stellte u.a. die aktuellen Entwicklungen in den Studiengängen am Campus Gütersloh vor.
Bei der Wettbewerbsfähigkeit und der Innovationsoffenheit spielen auch die Fachkräfte eine wichtige Rolle. Hier geht die HSBI an ihrem Gütersloher Standort unter anderem mit den Studiengängen Digitale Technologien, Data Science, Mechatronik/Automatisierung oder Software Engineering voran. Die Studiengänge Mechatronics and Automation sowie Industrial Engineering werden zudem in englischer Sprache angeboten und richten sich damit bewusst an internationale Talente. Prodekanin Prof. Dr. Andrea Kaimann stellte die aktuellen Studierendenzahlen vor: Im Wintersemester 2025/2026 haben sich insgesamt 194 Erstsemester in 14 Bachelor- und Masterstudiengänge eingeschrieben, die Gesamtzahl der Studierenden in Gütersloh lag im Wintersemester bei über 650. Da die englischsprachigen Studiengänge erst angelaufen sind, wird die Studierendenzahl in den kommenden Jahren weiter ansteigen. Auch die enge Zusammenarbeit mit der Innovationsmanufaktur IMA, dessen Geschäftsführer Jörg Rodehutskors bei dem Treffen ebenfalls dabei war, in verschiedenen Lehr- und Forschungsebenen wurde thematisiert.
Physical Industrial AI am Campus Gütersloh
Die Studierenden lernen, den EFA-Demonstrator zu programmieren und die KI darin zu trainieren. EFA steht für Extreme Fast Automation.
Auf der Hannover Messe habe Ralph Brinkhaus das Thema Physical Industrial AI beeindruckt, also die Verschmelzung von künstlicher Intelligenz mit physischen Systemen in industriellen Umgebungen. Dazu passend präsentierten Prof. Dr. Christian Stöcker und Laboringenieurin Larissa Quaschning den EFA-Demonstrator und dessen Einbindung in die Lehre: EFA steht für Extreme Fast Automation, also extrem schnelle Automatisierung. Die Anlage besteht aus sechs Roboterarmen, die ein Produkt – in diesem Fall kleine Metallplättchen mit eingravierten Buchstaben – entlang verschiedener Stationen transportieren und jeweils per Kamera einem Check unterziehen. Eine Aufgabe der Maschine ist unter anderem, die Buchstaben zu erkennen und zu sortieren. So wird ein automatisierter Logistikablauf trainiert. Stöcker: „Die Studierenden lernen, die Anlage zu programmieren bzw. die KI darin zu trainieren.“ So ein hoher Anwendungsbezug ist typisch für eine Hochschule für Angewandte Wissenschaften, wie Stöcker ergänzt: „Bei uns gibt es keine Frontalveranstaltungen, sondern ganz anwendungsorientierte Übungen und Kleingruppenarbeiten.“
Prof. Dr. Christian Schwede stellte anschließend den Forschungsmaster Data Science sowie das Projekt "OpenFactoryTwin" vor, bei dem es um die automatische Generierung Digitaler Zwillinge für Fabriken geht. Zum Thema KI und humanoide Roboter als Lehr- oder Lernpartner und das „Smart Transform Projekt – Industrie 5.0“, das den Aufbau eines Industrie 5.0 Demonstrators auf Basis der IoT Factory in Gütersloh als Lern- und Best Practice Case für die regionale Wirtschaft enthält, sprach Prof. Dr. Thomas Süße. Wie Wissen aus strukturierten und unstrukturierten Daten gewonnen und verarbeitet werden kann, war Thema des abschließenden Beitrags von Prof. Dr. Stefan Berlik.
Beeindruckt von den Aktivitäten der Hochschule und des Teams am Campus Gütersloh verabschiedete sich Brinkhaus: „Ich nehme für meine Arbeit in Berlin viel mit und danke Ihnen für den umfangreichen Einblick in Ihre wertvolle Arbeit.“ Ein weiteres Arbeitstreffen ist schon in Planung, wahrscheinlich bei der Innovationsmanufaktur IMA. (vku)
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Der Ausschuss für Digitales und Staatsmodernisierung bündelt Themen des digitalen Wandels, Konzepte für einen zukunftsfähigen Staat sowie Aufgaben der Verwaltungsdigitalisierung und des Bürokratierückbaus. In dem 30-köpfigen Gremium werden die verschiedenen Aspekte der Digitalisierung und Modernisierung von Staat, Wirtschaft und Gesellschaft fachübergreifend diskutiert. Dabei reicht die thematische Bandbreite von der regulierten Anwendung künstlicher Intelligenz über die Vereinfachung von Verwaltungsprozessen bis hin zur Gestaltung wirkungsorientierter Gesetzgebung. Der Ausschuss versteht sich dabei als parlamentarischer Taktgeber für die Zukunftsfähigkeit Deutschlands. Der Ausschuss hat eine starke Schnittstelle zur Arbeit des vor einem Jahr gegründeten Bundesministeriums für Digitales und Staatsmodernisierung (BMDS) und spiegelt dessen Zuständigkeiten wider.
Ralph Brinkhaus ist seit 2009 direkt gewählter Bundestagsabgeordneter aus dem Kreis Gütersloh und Sprecher im Ausschuss für Digitales und Staatsmodernisierung. Er ist zudem CDU-Bezirksvorsitzender für Ostwestfalen-Lippe.