Vier Studierende und zwei Lehrende des College of Science and Technology der Royal University of Bhutan waren im Dezember zu Gast an der HSBI, um mehr über angewandte Lehre und Forschung, nachhaltige Technologien, aber auch deutsche (Weihnachts-)Kultur zu erfahren. Die Gruppe war an den HSBI-Standorten Minden und Bielefeld unterwegs.
Bielefeld / Minden (hsbi). Die Royal University of Bhutan ist die nationale, älteste und die einzige fachlich breit gefächerte Universität des Himalaya-Staates. Sie besteht aus elf Colleges, die über das Königreich Bhutan verteilt sind. Das College of Science and Technology kooperiert mit der HSBI seit Dr. Hari Suberi, Wissenschaftler am College, 2023 einen Gastaufenthalt am Campus Minden verbrachte. Die vier Studierenden, die nun mit zwei Lehrenden zu Gast an der HSBI waren, studieren Electrical Engineering am College of Science and Technology.
Nachhaltigkeitsprogramm des DAAD fördert Austausch „Bhutan meets Germany“
Prof. Dr. Frank Hamelmann (links) vom Campus Minden hat das DAAD-Projekt auf HSBI-Seite eingeworben. Bereits 2023 betreute er Gastwissenschaftler Dr. Hari Kumar Suberi am Campus Minden.
Die Reise wurde finanziell unterstützt vom Deutschen Akademischen Austauschdienst (DAAD) im Rahmen des SDG Partnership Programme „Bhutan meets Germany: Sustainability in Teaching and Research“. Gastgeber war Prof. Dr. Frank Hamelmann, der schon Dr. Suberi betreut hat und das DAAD-Projekt auf Seiten der HSBI eingeworben hat. Die Programmlinie fördert den Austausch zu den Sustainable Development Goals (SDGs) zwischen Hochschulen in Deutschland und Hochschulen in Schwellen- und Entwicklungsländern. Im Frühjahr 2025 haben bereits zwei HSBI-Studenten aus dem praxisintegrierten Bachelorstudiengang Wirtschaftsingenieurwesen am Campus Minden im Rahmen desselben Programms Bhutan besucht.
Für einige Bhutaner ist es die erste Reise ins Ausland
Die Besucher:innen aus Bhutan waren beeindruckt von den modern ausgestatteten Gebäuden der HSBI am Campus Minden und im Hauptgebäude in Bielefeld.
Die Anreise der Gruppe vom bhutanischen Phuentsholing ins ostwestfälische Minden dauerte zwei Tage und schloss eine Übernachtung in Neu Delhi und einen weiteren Umstieg in Istanbul ein. Insbesondere für die Studierenden war das sehr spannend, denn sie waren zum ersten Mal überhaupt im Ausland. Begleitet wurden die vier Studierenden von Prof. Dr. Sangey Pasang, Dean of Research and Industrial Linkages, und Kelzang Dorji, Dean of Student Affairs am College of Science and Technology.
Am ersten Tag nach der Ankunft besuchte die Gruppe das Hauptgebäude am Campus Bielefeld und war von den großen Hörsälen und der modernen Technologie für die hybride Lehre beeindruckt. Organisatorisch unterstützten den Besuch Dr. Li Feng vom Campus Minden sowie Maximilian Köster vom Welcome Center des International Office. Außerdem lernten die Gäste das Konzept der Hochschulen für Angewandte Wissenschaften in Deutschland kennen, das es so in Bhutan nicht gibt. Bei einer Führung durch die Bielefelder Altstadt besuchten die die Gäste erstmals einen Weihnachtsmarkt in Deutschland. Bei Kartoffelpuffern, Punsch und Spekulatius berichteten Dr. Li Feng und Maximilian Köster von deutschen Weihnachtstraditionen wie Adventskalendern und Räucherfiguren, die im weitgehend buddhistischen Bhutan unbekannt sind, und erfuhren im Gegenzug mehr über das Leben im Himalaya-Gebirge und die Heimatuniversität der Gäste.
Einblick in happiness-orientierte Politik Bhutans
Eine Doktorandin der HSBI forscht zurzeit daran, wie kristalline PV-Module aufgebaut werden können, sodass sie im Sinne einer Circular Economy wiederverwendet, repariert und recycelt werden können.
An den folgenden Tagen tauchten die Gäste stärker in die anwendungsbezogene Lehre und Forschung an der HSBI ein. Sie nahmen unter anderem an einer Vorlesung von Prof. Dr. Frank Hamelmann zu Praxisprojekten am Campus Minden teil. Auch Prof. Dr. Sangey Pasang hielt am Campus Minden einen Vortrag mit dem Titel: Bhutans Approach to Development: Integrating Gross National Happiness with Sustainable Development”. Er zeigte darin, wie Bhutan eine Brücke zwischen Lebensqualität und der globalen Idee einer nachhaltigen Entwicklung schlägt. Das Königreich erhebt seit 2008 regelmäßig das Bruttonationalglück und macht es zum Leitprinzip politischer Entscheidungen. Nachhaltige Entwicklung wird als praktischer Weg gesehen, dieses Wohlbefinden langfristig zu sichern. Dr. Pasang zeigte in seinem Vortrag, wie eine happiness-orientierte Politik mit globalen Nachhaltigkeitszielen in Einklang gebracht wird und welche Lehren daraus gezogen werden können. Außerdem besuchte die Gruppe die Photovoltaik-Labore der HSBI am Campus Minden und in Bielefeld. In Minden wurde das Solar Computing Lab ausgiebig besichtigt, die PV-Anlage mit Einzelmodulüberwachung auf dem Dach des Gebäudes D auf dem Campus Minden, die Messgeräte zur Ermittlung von Fehlern in Modulen, sowie die Teststände für Langzeitmessungen unter realen Bedingungen. Dr. Li Feng hat die Inhalte ihrer mit diesen Geräten absolvierten Dissertation erklärt. Für die verwendeten Methoden der Informatik gab es zudem einen fachlichen Austausch mit den Informatik-Professorinnen Dr. Grit Behrens und Dr. Kerstin Müller vom Campus Minden.
In Bielefeld gab Prof. Dr. Eva Schwenzfeier-Hellkamp vom Institut für Technische Energie-Systeme (ITES) Einblicke in das Photovoltaik-Labor im HSBI-Hauptgebäude. Dazu gehören neben dem Labor selbst auch eine große PV-Anlage auf dem Dach des Gebäudes und verschiedene Geräte in der Experimentierhalle. Hier wird unter anderem dazu geforscht, wie kristalline PV-Module aufgebaut werden können, sodass sie – ganz im Sinne einer Circular Economy – wiederverwendet, repariert und recycelt werden können. Dafür misst das Forschungsteam neben der Leistungsfähigkeit auch die Degradation der Zellen und kooperiert mit der Industrie, um häufige Problemstellen von PV-Modulen in Erfahrung zu bringen und nachhaltige Lösungen dafür zu entwickeln.
Das durchweg positive Fazit des Besuchs: Auf beiden Seiten besteht großes Interesse an einem weiteren Austausch. HSBI-Forschende möchten Bhutan besuchen und auch die bhutanische Hochschule würde zukünftig gerne Studierende für ein komplettes Semester an die HSBI schicken und die Kooperation mit dem Campus Minden auch auf den Fachbereich Ingenieurwissenschaften und Mathematik ausweiten. Vielleicht stehen also schon 2026 die nächsten Reisen an. (mk / vku)