Bielefeld (hsbi).Das Vorhaben mit dem vollständigen Titel „Feasibility of digital and technology-based pain assessment in non-verbal people with dementia and technology acceptance among nursing staff in inpatient long-term care“ wird vom Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR) im Rahmen des Programms DATIpilot mit knapp 90.000 Euro gefördert. Die Hochschule Bielefeld (HSBI) kooperiert während der 18-monatigen Laufzeit eng mit den von Bodelschwinghschen Stiftungen Bethel. Technologischer Partner ist das australische Unternehmen PainChek Ltd. Projektleiterin am Fachbereich Gesundheit der HSBI ist Prof. Dr. med. Rena Amelung, die Stellvertretung übernimmt Dr. Olga Grintsova, MPH.
Von der Validierung in den echten Pflegealltag
Prof. Dr. med. Rena Amelung leitet das Projekt DIGITPAIN an der HSBI.
Das Projekt DIGITPAIN baut auf einer Validierungsstudie auf, die Ende 2025 abgeschlossen wurde. Darin konnte die HSBI die wissenschaftliche Zuverlässigkeit der deutschen Version der PainChek®-App bei Menschen mit Demenz bestätigen. Die App kombiniert den Einsatz künstlicher Intelligenz zur Erkennung schmerzanzeigender mimischer Muskelaktivität mit einem Beobachtungsprotokoll der Pflegefachkräfte und ermittelt daraus einen Schmerzscore und eine Schmerzstufe. Bei DIGITPAIN geht es nun um den entscheidenden Schritt von der Theorie in die Praxis: Es wird untersucht, ob und wie die digitale Lösung im tatsächlichen Alltag der Langzeitpflege in Deutschland angenommen wird. Der Fokus liegt ganz bewusst auf der Technikakzeptanz und Implementierungsbarrieren aus der Sicht der Pflegekräfte.
Kernstück des Projekts, das am 17. November 2026 offiziell startet, ist eine sechsmonatige Erprobungsphase in drei stationären Langzeitpflegeeinrichtungen in Bielefeld. Die Implementierungsphase soll im März 2027 beginnen. Die Pflegefachpersonen sollen die Schmerzen mithilfe der PainChek®-App dabei eigenständig und ohne Eingriff des Forschungsteams bei Bewohnerinnen und Bewohnern mit mittelschwerer bis schwerer Demenz erfassen.
Begleitet wird die Erprobungsphase durch ein wissenschaftliches „Mixed-Methods-Design“: Vor und nach der Erprobungsphase werden detaillierte Fragebögen ausgefüllt und Interviews mit Pflegefachpersonen sowie Ärztinnen und Ärzten geführt. Für die Qualitätssicherung der digitalen Schmerzerfassung werden zusätzlich pseudonymisierte Versorgungsdaten ausgewertet – darunter Veränderungen bei der Schmerzmedikation, die Häufigkeit von Stürzen sowie Krankenhauseinweisungen.
Modell für ganz Deutschland?
Das übergeordnete Ziel von DIGITPAIN ist die Entwicklung eines praxistauglichen Implementierungskonzepts, das zeigt, wie digitale Schmerzerfassung reibungslos in bestehende Arbeitsabläufe integriert werden kann. Die beteiligten Langzeitpflegeeinrichtungen der von Bodelschwinghschen Stiftungen dienen dabei als Modellregion. Das dort entwickelte Konzept soll so aufbereitet werden, dass es das Potenzial hat, sich auf die rund 11.000 Langzeitpflegeeinrichtungen in ganz Deutschland übertragen zu lassen. Damit könnte das Projekt einen zentralen Beitrag zur Verbesserung der gesundheitlichen Versorgung von Menschen mit Demenz leisten. (vku)
Die PainChek®-App live erleben in der Wissenswerkstadt
Am Donnerstag, 5. November 2026 wird das Projekt von 18-19 Uhr im Rahmen der GENIALE in der Wissenswerkstadt vorgestellt in der Reihe „Altern“ unter dem Titel Technik für die Medizin der Zukunft. Anmeldung unterhttps://wissenswerkstadt.de/altern
Weitere Informationen
Das Projekt DIGITPAIN wird vom Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR) im Rahmen des Programms DATIpilot vom 01.09.2026 bis 01.03.2028 mit knapp 90.000 Euro gefördert im DATIpilot Modul 2 Communitysprint in der Community ISyCARE (Integrierte soziotechnische Systeme für nutzerzentrierte Versorgung).
Die Innovationscommunity ISyCARE gehört zu den 20 geförderten Innovationscommunities in Deutschland, die in der Förderrichtlinie DATIpilot des BMFTR mit 5 Millionen Euro über vier Jahre gefördert werden. Ziel von DATIpilot ist es, den Transfer technologischer und sozialer Innovationen zu beschleunigen und die Innovationskraft in Deutschland gezielt zu stärken. Im Zentrum stehen Innovationscommunities, in denen Akteur:innen aus Wissenschaft, Wirtschaft, Zivilgesellschaft und Verwaltung gemeinsam an zukunftsweisenden Lösungen für drängende gesellschaftliche und wirtschaftliche Herausforderungen arbeiten.