01.10.2026

„Hochschule für alle“: zahlreiche HSBI-Beiträge auf der „bukof“-Jahrestagung 2026 in Bielefeld-Bethel

Auf der diesjährigen Jahrestagung der Bundeskonferenz der Frauen- und Gleichstellungsbeauftragten an Hochschulen e.V. standen Geschlechtergerechtigkeit, Selbstbestimmung und Partizipation im Zentrum. Akteure der Hochschule Bielefeld arbeiteten in zahlreichen Workshops mit und stellten ihre Projekte vor. Unter anderem ging es dabei um Strategien, wie junge Mädchen und Frauen schon in der Schule für Studien- und Berufsfelder im MINT-Bereich gewonnen werden können, um Forschung MIT statt über Menschen mit Behinderungen, chronischen Erkrankungen oder Suchterkrankungen und um die Frage, ob die großen generativen Sprachmodelle bestehende Vorurteile gegenüber Menschen mit Behinderungen verstärken können. 

Bielefeld (hsbi). Vom 23. bis 25. September 2026 fand im Tagungszentrum Bethel in Bielefeld die Jahrestagung der Bundeskonferenz der Frauen- und Gleichstellungsbeauftragten an Hochschulen e.V. (bukof) statt. Unter dem Titel „Hochschule für alle – geschlechtergerecht, selbstbestimmt, partizipativ“ standen die Intersektionen von Geschlecht und Behinderung im Mittelpunkt. Anlass dafür, neben Geschlechtergerechtigkeit Fragen der gleichberechtigten Teilhabe von Menschen mit Behinderungen in den Blick zu nehmen, bot auch das 20-jährige Jubiläum der UN-Behindertenrechtskonvention und der Tagungsort Bethel, der mit den v. Bodelschwinghschen Stiftungen im Zentrum des Stadtteils nicht nur für Fürsorge, sondern auch für das Streben nach Inklusion steht. Rund 300 Gleichstellungsakteur:innen aus dem gesamten Bundesgebiet tauschten sich über Gleichstellungs- und Behindertenpolitik sowie die damit verbundene Förderung entsprechender Studien- und Forschungsprogramme an Hochschulen aus.

Das Programm umfasste u.a. Workshops, Foren, einen Markt der Möglichkeiten und die „bukof“-Mitgliederversammlung. Die Tagung begann mit einer Videobotschaft von Bundesforschungsministerin Dorothee Bär, und auch Prof. Dr. Ingeborg Schramm-Wölk, Präsidentin der Hochschule Bielefeld (HSBI) steuerte ein Grußwort bei. Hier betonte sie, dass sich Hochschulleitungen am Anspruch messen lassen müssen, ob es ihnen gelingt, ein geschlechtergerechtes, selbstbestimmtes und partizipatives Hochschulleben zu ermöglichen. „Teilhabe ist ein Recht und kein Entgegenkommen!“ unterstrich die Präsidentin.

HSBI-Beiträge aus fast allen Fachbereichen

„Teilhabe ist ein Recht und kein Entgegenkommen!“

HSBI-Präsidentin Prof. Dr. Ingeborg Schramm-Wölk

Diesem Leitsatz fühlen sich an der HSBI zahlreiche Akteure verpflichtet, die sich in ganz unterschiedlichen Feldern für Gleichstellung und Diversität einsetzen. Das wurde einmal mehr auch auf der „bukof“-Tagung deutlich: „Wir haben extrem viele unterschiedliche und für die jeweiligen Zielgruppen wichtige Projekte an der HSBI, die enorm engagiert von den jeweiligen Forschenden vorgestellt wurden“, berichtet Prof. Dr. Katja Makowsky, Zentrale Gleichstellungsbeauftragte der HSBI.

Makowsky selbst präsentierte im Forum „Wissenschaftstalk“ gemeinsam mit Prof. Dr. Havva Mazı, ehemals wissenschaftliche Mitarbeiterin an der HSBI und nun Professorin an der Hochschule Esslingen, zwei Poster über ihre Arbeiten zu Unterstützungsmöglichkeiten für Frauen mit Suchterkrankungen. Im selben Forum stellte sie, in Vertretung für Prof. Dr. Frederik Bäumer vom Fachbereich Wirtschaft und Prof. Dr. Christian Huppert vom Fachbereich Sozialwesen, auch das Projekt „ABLE – Ableism Bias Language Evaluation“ für eine ableismus-sensible KI-Nutzung vor.

Überdies bereicherten zahlreiche Beiträge von Akteuren aus dem Fachbereich Gesundheit den „Wissenschaftstalk“, darunter u.a. die Projekte zu Co-Forschung als Chance zur Weiterentwicklung von Gesundheitsangeboten von Menschen mit Lernschwierigkeiten von Nina Lichtwald, Dr. Dirk Bruland, Prof. Dr. Änne-Dörte Latteck, sowie zum Fallmanagement als Präventionsansatz für erwachsene Menschen mit geistiger Behinderung (FaPP-MgB) von Annika Gröndahl, Prof. Dr. Stephan Nadolny, Marie Grunwald, Tessa Schulenkorf, Nina Borchardt, Sarah Palmdorf, Jessica Grammatico, Karina Ilskens, Christian Grebe und Prof. Dr. Änne-Dörte Latteck.

Eine Collage von drei Fotos: Katja Makowsky, Mazı und Karina Ilskens stehen vor Postern und sprechen
Prof. Dr. Katja Makowsky, Prof. Dr. Havva Mazı und Karina Ilskens bei ihren Postersessions auf der diesjährigen „bukof“, letztere sprach u.a. zu Fallmanagement und Pflegeexpertise als Präventionsansatz für erwachsene Menschen mit geistiger Behinderung.

Damit nicht genug: Vom Fachbereich Campus Minden kam der Beitrag zum „NRW Technikum" von Andrea Knieps und Bettina Wittbecker. Andrea Knieps stellte in diesem Zusammenhang umfangreiche Strategien sowie ihre Erfahrungen zur Studien- und Berufsorientierung für junge Frauen im MINT-Bereich vor. Dr. Vrinda Dave präsentierte die Arbeit ihres aus Gleichstellungsmitteln geförderten Forschungsaufenthaltes an der HSBI: Begleitet durch Prof. Dr. Vivian Carstensen vom Fachbereich Wirtschaft verglich Vrinda Dave in ihrem Projekt „Women Self-help Groups, Economic Empowerment and Well-being“ die Situation von Frauen in ihrem Heimatland Indien mit der von Frauen in Deutschland. Im Rahmen des Zusatzprogramms bot schließlich die HSBI-Lehrbeauftragte Julia Rheingans vom Fachbereich Gestaltung einen „Walk & Art Workshop“ für die Konferenzteilnehmer:innen an.

Doreen Riedel, HSBI-Mitarbeiterin aus der DVZ und langjährige dezentrale Gleichstellungsbeauftragte, gefiel auf der „bukof“ besonders der Workshop zum Thema „Neurodivergenz & Queersein“: „Hier wurden u.a. Diskriminierungsstrukturen und aktuelle Begrifflichkeiten für beide Gruppen unter die Lupe genommen“, so Riedel. „Gemeinsam haben wir erarbeitet, wie wir dazu beitragen können, sichere Räume für Menschen zu schaffen und Barrieren für marginalisierte Gruppen zu minimieren.“

Disability und Gender Studies unter Druck von Rechtsaußen

Ingeborg Schramm-Wölk sitzt auf einer Bühne vor Publikum
„Gleichstellung und Vielfaltsmanagement sind Bestandteil strategischer Hochschulentwicklung, keine Kür“: HSBI-Präsidentin und HRK-Vizepräsidentin Prof. Dr. Ingeborg Schramm-Wölk auf der „bukof“. Foto: K. Makowsky

An verschiedenen Stellen wurden auf der „bukof“ die aktuellen Anfeindungen gegen Diversitätspolitik von Rechtsaußen thematisiert. Im Forum „Das Neutralitätsgebot als Waffe gegen Hochschulen, Wissenschaftsfreiheit und Demokratie – und was wir dagegen tun können“, berichtete Prof. Dr. Ulrike Lembke, Richterin am Berliner Landesverfassungsgericht, wie das Neutralitätsgebot für den öffentlichen Raum von rechtsextremen Gruppierungen genutzt wird und welche Rechte Hochschulen und Hochschulangehörige haben, dagegen vorzugehen.

Ausgangspunkt des Workshops „,Wir schmeißen alle diese Professoren raus.' Angriffe auf die Disability & Gender Studies: Gemeinsamkeiten, Herausforderungen, Solidarität“ war ein Zitat von Alice Weidel vom AfD-Parteitag im Januar 2025. Die Referentin Dorothee Marx von der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel gab einen Überblick über Gemeinsamkeiten von Disability und Gender Studies. Sie zeigte zudem im historischen Rückblick, dass beide Felder an Universitäten und Hochschulen für angewandte Wissenschaften zunehmend unter Druck geraten. Im Austausch mit Kolleg:innen aus dem gesamten Bundesgebiet empfahlen insbesondere Teilnehmende aus Sachsen-Anhalt, jetzt aktiv zu werden. Intersektionale Gleichstellungsarbeit und Wissenschaftsfreiheit sollten in hochschulinternen Grundordnungen, Gleichstellungsordnungen und Diversity-Richtlinien verankert werden. So könnten sich Hochschulen auf politischen Gegenwind vorbereiten.

Am Abschlusstag der „bukof“ folgte ein Podiumsgespräch zur Frage, wie Teilhabe, Diversität und Exzellenz zusammengedacht werden können. Die HSBI-Präsidentin verwahrte sich hier in ihrer Funktion als Vizepräsidentin der Hochschulrektorenkonferenz (HRK) dagegen, dass Gleichstellung, Vielfalt und Inklusion derzeit in Teilen der Öffentlichkeit zunehmend pauschal infrage gestellt werden. „Gleichstellung und Vielfaltsmanagement sind Bestandteil strategischer Hochschulentwicklung, keine Kür“, so Schramm-Wölk. Auf dem Podium wurde einerseits deutlich, dass Stigmatisierung, fehlendes systemübergreifendes Denken und eine zu geringe Beteiligung der Zielgruppen im Sozial- und Gesundheitssystem den Zugang zu Unterstützungsangeboten vielfach erschweren. Andererseits hoben die Teilnehmenden als positives Beispiel hervor, dass Forschungsprojekte mittlerweile vielfach sehr konsequent die Perspektive von Menschen mit zusätzlichen Herausforderungen einbeziehen.

Die diesjährige bukof wurde mit Mitteln des Ministeriums für Kultur und Wissenschaft des Landes Nordrhein-Westfalen unterstützt und mit dem Ziel einer „Jahrestagung für alle" geplant, unter anderem mit Schriftdolmetschung, barrierefreien Räumen, Reizreduktion und Begleitangeboten. (km/isw)

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