02.10.2023

HSBI-Projekt „ViRDiPA“ abgeschlossen: VR zieht in die Pflegeausbildung ein

Ein Mitarbeiter des virdipa Projekts bedient mit einem Handy in seiner rechten Hand eine vor ihm auf einem Stativ stehende 360 grad Kamera
Eine App und eine 360° Kamera bildeten die Grundlagen für die Entwicklung der Virtual Reality (VR)-Übungsszenarien durch die Teilnehmenden des Projekts. © P. Pollmeier/HSBI
Gruppenbild der am Virdipa Projekt beteiligten Personen die vor einem hellen Hintergrund stehen und unterschiedliche VR Brillen und Controller in der Hand halten
Blicken auf eine gelungene Zusammenarbeit zwischen Hochschulen und Pflegeschulen zurück: das Team des Projekts "ViRDIPA". © P. Pollmeier/HSBI
Poträtbild von Volker wittenböker vom verein neue Wege des Lernens e.V. Der ältere Mann mit kzurzen grauen Haaren und einer Brille mit dunklem Gestell steht in einem grauen Poloshirt vor einem hellen Hintergrund und lächelt in die Kamera
Volker Wittenbröker unterstützt mit dem Verein Neue Wege des Lernens e.V. Bildungseinrichtungen bei der Auswahl und Entwicklung digitaler Lernangebote. © P. Pollmeier/HSBI
Ein Mitarbeiter des Projekts führt die Bedienung einer VR Brille und eines Controllers vor mit deren Hilfe die im Projekt entwickelten Übunsgsszenarien durchgeführt werden
Im Mittelpunkt des Projekts stand die Entwicklung Virtual Reality (VR)-basierter Übungsszenarien, die mit einem Set aus VR-Brille und Controller bedient werden können. © P. Pollmeier/HSBI
Porträt von Professor Thies Pfeiffer von der Hochschule Emden/Leer der mit seinem Team maßgeblich an der Entwicklung der VR Szenarien mitgewirkt hat Er steht in einem weißen Hemd vor einem hellen Hintergrund und schut direkt in die Kamera
Prof. Dr. Thies Pfeiffer von der Hochschule Emden/Leer unterstützte das Projekt „ViRDiPA“ mit seinem Team bei der Anwendung der App Paneo VR auf die Inhalte des Projekts. © P. Pollmeier/HSBI
Ein Teilnehmer des VirDiPa Projekts hat eine VR Brille auf die den Großteil seines Gesichts bedeckt In seinen Händen hält er ringförmige Controller mit denen die im Projekt entwickelte digitale Übung absolviert werden kann
Lehrende an Pflegeschulen dazu befähigen eigenständig realitätsnahe VR-Übungsszenarien zu entwerfen und sie in ihre Ausbildungspraxis einzubauen war das Ziel von "ViRDiPA". © P. Pollmeier/HSBI

Stürze, Reanimationen oder epileptische Anfälle – Studierende und Auszubildende in Pflegeberufen können den richtigen und eigenverantwortlichen Umgang mit solchen schwierigen Situationen in ihrer Praxis oft nur bedingt üben. Mit diesem Manko beschäftigte sich das Projekt ViRDiPA an der Hochschule Bielefeld. Zusammen mit den Partnern Universität Bielefeld, Hochschule Emden/Leer und dem Verein „Neue Wege des Lernens e.V.“ entwickelte das Team ein VR-gestütztes Fortbildungskonzept, mit dem komplexe Ausbildungsinhalte jetzt realitätsnah geübt werden können.

Bielefeld (hsbi). Mit dem Ende seiner Projektlaufzeit hat das interdisziplinäre Verbundprojekt ViRDiPA („Virtual Reality basierte Digital Reusable Learning Objects in der Pflegeausbildung“) seine Ergebnisse der Öffentlichkeit vorgestellt. In dem über eine Gesamtlaufzeit von dreieinhalb Jahren durch die BMBF Förderlinie „DigiMed“ geförderten Projekt entwickelten die wissenschaftlichen Partner Hochschule Bielefeld (HSBI), Universität Bielefeld, Hochschule Emden/Leer und der Verein „Neue Wege des Lernens e.V.“ zusammen mit Praxispartnern ein Fortbildungskonzept für den Einsatz von Virtual Reality (VR) basierten Lernmethoden in der Pflegeausbildung. Die Praxispartner des Projekts waren die Gesundheitsschulen im Evangelischen Klinikum Bethel (EvKB), die Akademie für Gesundheitsberufe der Mühlenkreiskliniken (MKK) und der Bildungscampus St. Johannisstift Paderborn.

Verbundprojekt schafft den Transfer von Pflegewissenschaft und Praxis

Porträtbild von Claus Werner der das Projekt als Pflegepädagoge begleitet hat Er steht in einem hellblaueb Hemd vor einer dunkelgrauen Wand und schaut direkt in die Kamera Er hat dunkelbraune Haare und eine dunklen Vollbart
Claus Werner von den Mühlenkreiskliniken Minden-Lübbecke unterstützte das Projekt wie andere Akteure der Pflegeausbildung in der Entwicklung realitätsnaher Übungsszenarien.

Das Konzept, das sich maßgeblich an Lehrkräfte und Praxisanleitende der drei Praxispartner richtet, wurde nun in der frei zugänglichen „Working Paper“-Reihe des Projekts publiziert. Nach der Entwicklung des Fortbildungskonzeptes zu Beginn des Projektzeitraumes wurde dies erfolgreich implementiert und anschließend evaluiert. 14 Lehrende und Praxisanleitende aus den Bildungseinrichtungen der Praxispartner schlossen die Fortbildung innerhalb des Projekts erfolgreich ab und erwarben ein Zertifikat. Claus Werner, der das Projekt als Pflegepädagoge für den Praxispartner Mühlenkreiskliniken begleitete, lobt die stimmige Verknüpfung von Wissenschaft und Pflegepraxis im Projekt: „Beide Seiten konnten sich hervorragend mit ihren Kompetenzen und Bedarfen in das Projekt einbringen. Durch die gemeinsame Arbeit an den VR-Lernszenarien wurden die Herausforderungen der jeweils anderen Seite erfahrbar und sind in unsere Ergebnisse eingeflossen.“

Unterschiedliche Kompetenzen und Bedürfnisse bringen die gemeinsame App-Entwicklung voran

Kern des Fortbildungskonzepts sind digitale Lernmaterialien und die Entwicklung von 360°-VR-Szenarien, mit denen bestimmte Ausbildungsinhalte in einem geschützten virtuellen Raum realitätsnah erprobt werden können. Durch die Offenheit des von einem Team der Hochschule Emden/Leer entwickelten Tools PaneoVR können die entwickelten Szenarien künftig außerdem individuell erweitert und auf wechselnde Bedarfe angepasst werden. Das paneoVR-Tool unterstützt die Nutzerinnen und Nutzer von der Konzeption ihrer Lernszenarien bis zur Ausspielung über eine mobile VR-Brille. Auf Basis der Rückmeldungen der Fortbildungsteilnehmenden wurde die PaneoVR-App während des Projekts beständig weiterentwickelt. Auch ihr aktueller Entwicklungsstand steht zum kostenlosen Download bereit. Auch die auf Basis der App durch die Teilnehmenden entwickelten 360°-Lernszenarien sind als Open Educational Ressources (OER) frei abrufbar. Prof. Dr. Annette Nauerth, die das Projekt als Leiterin im Fachbereich Gesundheit der HSBI verantwortete, sieht in der realistischen Simulation das wichtigste Projektergebnis: „Typische Situationen des Stationsalltags wie Stürze, Reanimationen oder epileptische Anfälle können durch VR-Anwendungen in einem abgesicherten Rahmen erfahren werden. Die Nutzerinnen und Nutzer können hier selbst Entscheidungen treffen, ohne dass dies im Falle eines Irrtums negative Konsequenzen für echte Menschen hat.“

Behutsames Vorgehen und Reflektionsphasen prägen die Projektarbeit

Ein Mitarbeiter des Virdipa Projekts stellt eine 360 Grad Kamera ein die auf einem Stativ aufgesetzt ist Im Bildhintergrund ist unscharf ein Fenster im Gebäude der Hochschule Bielefeld zu sehen das den Blick nach draußen freigibt

Um den Weiterbildungsbedarf der Praxispartner möglichst passend mit dem Fortbildungskonzept in Einklang zu bringen, wurde zu Projektbeginn eine Bedarfsanalyse durch die Pflegeschulen durchgeführt. Auf Basis ihrer Ergebnisse wurde anschließend die Fortbildung für die Lehrkräfte und Praxisanleitenden geplant, die Lernmaterialien entwickelt und erprobt. Außerdem bildeten die eingebundenen Lehrkräfte und Praxisanleitenden Tandems und konnten den Umgang mit der für die meisten neuen VR-Technologie im Team erlernen und reflektieren. In der Praxis bedeutete dieses behutsame Vorgehen: ständiger Austausch, Feedback und Evaluation des Erlernten, die zu wichtigen Bausteinen des Projekts wurden. Zum Abschluss dieser Konzept- und Praxisphase wurden die erarbeiteten VR-Szenarien und Aufgaben im April dieses Jahres auf einer hybriden Abschlusstagung der Fachöffentlichkeit vorgestellt. Als Keynotesprecher konnte dafür Prof. Dr. Klaus Müller von der Frankfurt University of Applied Sciences gewonnen werden, der mit seinem Lernaufgabenkonzept eine der wichtigsten pflegedidaktischen Referenzen des Projekts vorstellte.

Evaluiertes Fortbildungskonzept findet Eingang in die Wissenschaftliche Weiterbildung

Ein Mann und eine Frau aus dem Virdipa Projekt stehen nebeneinander Die Frau hält eine VR Brille der Mann einen Controller
Eine VR-Brille und zwei Controller: um den zusätzlichen Lernaufwand für die Teilnehmden gering zu halten, musste auch das für die Szenarien nötige Equipment intuitiv erlernbar sein.

Einen weiteren Baustein von ViRDiPA stellte die fortlaufende Evaluation der entwickelten Fortbildungsinhalte und der darin erlernten Kompetenzen durch die Lehrenden, Praxisanleitenden,  aber auch Auszubildenden als Nutzende der Lernmaterialien dar. Die teilnehmenden Lehrenden und Praxisanleitenden erkennen den Zuwachs an eigener Mediennutzungskompetenz als unmittelbare positive Auswirkung der Fortbildung. Darüber hinaus verbessert die Nutzung von VR-Technik für die meisten Teilnehmenden den Theorie-Praxis-Transfer und sollte deshalb künftig fest in die Pflegeausbildung implementiert werden. Auf Seiten der Auszubildenden stand der immersive und spielerische Charakter der VR-Szenarien im Vordergrund der Projekterfahrung. Sie fühlten sich besser auf bestimmte Praxissituationen vorbereitet, insbesondere, wenn diese mit Übungssequenzen im Skills Lab verknüpft werden. Gelobt wurde außerdem die multimodale und strukturierte Lernumgebung der VR-Szenarien, die kollaboratives und eigenverantwortliches Lernen ermöglichen. Ein großer Teil der Evaluationsergebnisse des Projekts wurde bereits in der frei zugänglichen „Working Paper“-Reihe des Projekts veröffentlicht.

In angepasster Form findet das erfolgreiche ViRDiPA-Konzept außerdem ab dem kommenden Semester Eingang in das Studienangebot der HSBI: Unter dem Titel „Virtuelle Realität in der gesundheitsberuflichen Bildung“ wird das Fortbildungskonzept als Zertifikatsstudiengang dann im Bereich wissenschaftliche Weiterbildung buchbar sein. (mkl)

Für weiteres Bildmaterial können Sie sich gerne an presse@hsbi.de wenden.