Drei afrikanische Studenten über ihre Erfahrungen im praxisintegrierten englischsprachigen Studium „Mechatronics and Automation“ an der HSBI in Gütersloh
Seit 2024 bietet die Hochschule Bielefeld an ihrem Standort Gütersloh den englischsprachigen Bachelorstudiengang „Industrial Engineering“ an, 2025 ist „Mechatronics and Automation“ dazugekommen. Das Ziel ist klar: Internationale Talente als Fachkräfte für den Standort Deutschland gewinnen. Doch wie sieht das Ganze in der Praxis aus? Woher kommen die Studierenden? Wie sind sie auf das Angebot in Gütersloh gestoßen? Und wie sieht ihr Alltag aus? Drei Studenten aus afrikanischen Ländern berichten über ihr Studium und ihre Tätigkeit bei CAE Software und Systems GmbH aus Rheda-Wiedenbrück. Auch ihr Betreuer im Unternehmen kommt zu Wort. Vorläufiges Fazit: die HSBI unterstützt auf allen Ebenen und der Weg lohnt sich, denn Fachkräfte mit internationalem Background sind gesucht.Von links: Prokurist Tim Dannat, Mulumba Moses Katende, Arafat Idris Hassan, Trevor Kiio und Produktionsleiter Thomas Sattler vor dem CAE-Firmengebäude in Rheda-Wiedenbrück.
Gütersloh (hsbi). Mulumba Moses Katende stammt aus Uganda, Arafat Idris Hassan und Trevor Kiio aus Kenia. Alle drei studieren im englischsprachigen Bachelorstudiengang „Mechatronics and Automation“ praxisintegriert am Campus Gütersloh der Hochschule Bielefeld (HSBI). Dabei wechseln sich dreimonatige Theoriephasen in der Hochschule mit dreimonatigen Praxisphasen in einem Unternehmen ab. So lernen die Studierenden von Beginn an die betrieblichen Abläufe kennen. Die drei sind seit ihrem Studienbeginn beim Unternehmen CAE Software und Systems GmbH in Rheda-Wiedenbrück beschäftigt.
Zusammenarbeit mit der HSBI hat bei CAE eine lange Tradition
CAE produziert akustische Kameras und kooperiert seit vielen Jahren mit der HSBI.
Die CAE Software und Systems GmbH ist ein weltweit führendes Unternehmen für akustische Kameras, die Schallquellen sichtbar machen und präzise Analysen von Geräuschen und Ultraschall ermöglichen. Hard- und Software werden vollständig in-house entwickelt und produziert. Die Produkte werden in zahlreichen Branchen eingesetzt, von Maschinenbau und Automobilindustrie bis hin zu Luft- und Raumfahrt. „Wir helfen Unternehmen, Störgeräusche zu identifizieren, Produkte zu optimieren und Innovationen voranzutreiben“, erklärt Thomas Sattler, Produktionsleiter bei CAE und Betreuer der drei Studenten. Für das Unternehmen ist die Kooperation mit Hochschulen und die Einbindung von Studierenden nicht neu, im Gegenteil: „Die Zusammenarbeit hat bei uns eine lange Tradition. Besonders zur Hochschule Bielefeld bestehen seit vielen Jahren enge Verbindungen.
Trevor Kiio gehört zu den ersten Studierenden im englischsprachigen Bachelor Mechatronics and Automation, die in der praxisintegrierten Variante von Beginn an in Praxisphasen in die betrieblichen Abläufe in einem Unternehmen eingebunden sind.
CAE ist eine Ausgründung der damaligen Fachhochschule Bielefeld und ein großer Teil der Belegschaft einschließlich Geschäftsführung hat an der damaligen Fachhochschule studiert“, so Sattler. Auch mit dem Campus Gütersloh kooperiert CAE seit einigen Jahren im praxisintegrierten Studienmodell. Zudem hat das Unternehmen, das erst kürzlich von Gütersloh in ein neues Gebäude nach Rheda-Wiedenbrück gezogen ist, auch schon in Forschungsprojekten mit der HSBI zusammengearbeitet und zahlreiche Abschlussarbeiten begleitet. Moses, Arafat und Trevor sind allerdings die ersten in einem rein englischsprachigen Studiengang. Die drei kamen unabhängig voneinander über ein Institut zur Vorbereitung auf ein Studium in Deutschland auf das Unternehmen zu und haben sich regulär beworben, wie Thomas Sattler berichtet: „In den Vorstellungsgesprächen haben sie alle einen sehr guten Eindruck hinterlassen. Deshalb haben wir entschieden, allen eine Zusage für einen Praxisplatz zu erteilen.“
Eine Zusage bei 50 Bewerbungen
Arafat Idris Hassan stammt aus Kenia und studiert seit 2025 in der praxisintegrierten Variante des englischsprachigen Bachelors Mechatronics and Automation am Campus Gütersloh der HSBI.
Für den 21-jährigen Arafat war es die einzige Zusage von rund 50 Bewerbungen, entsprechend groß war seine Freude darüber. Der Start der ersten Praxisphase war für ihn von Neugier, eigenständigem Lernen und dem Aufbau von Kontakten geprägt. In der ersten Theoriephase war er froh über die Unterstützung der Lehrenden, die dafür sorgten, dass das in der Theorie und Praxis Erlernte ineinandergriff. Für Moses war der Start „eine Achterbahnfahrt: viel Neues, viel Lesen und Lernen“, erinnert er sich, doch mit der Zeit fühlte er sich immer sicherer. Die Theoriephasen erinnern ihn noch ein wenig an die Schule, „verlangen aber wesentlich mehr Selbstständigkeit.“ Ähnlich beschreibt der 19 Jahre alte Trevor seine Erfahrungen: „Der Beginn im Unternehmen war von Unsicherheit, aber auch von der freundlichen Unterstützung der Kolleginnen und Kollegen geprägt.“ Neben der sozialen und fachlichen Orientierung arbeiten die drei Studenten kontinuierlich an ihrem Deutsch. Hierbei helfen eigens angebotene Sprachkurse der HSBI und der regelmäßige Kontakt zu den anderen Mitarbeiter:innen im Unternehmen.
Produktionsleiter Thomas Sattler führt die Studierenden schrittweise und praxisnah an komplexere Tätigkeiten im Unternehmen heran.
Die Zusammenarbeit verlaufe insgesamt sehr positiv, führt Thomas Sattler aus: „Die Studierenden sind hochmotiviert, zuverlässig und lernbereit. Sie erhalten unterschiedliche Aufgaben und werden bewusst früh in eigenständiges Denken gebracht. Wir fördern, dass sie zunächst selbst versuchen, Lösungen zu erarbeiten. Wenn das nicht direkt gelingt, unterstütze ich sie meist mit gezielten Hinweisen, damit sie eigenständig zur Lösung finden. Dadurch bleibt deutlich mehr hängen als durch reine Anleitung.“ Im Vordergrund steht somit weniger das Abarbeiten von Aufgaben, sondern ein ingenieurwissenschaftliches Mindset: Probleme strukturiert angehen, Lösungen entwickeln und auch akzeptieren, dass es oft mehrere mögliche Wege gibt. „Genau dieses Denken versuchen wir bei CAE aktiv zu fördern“.
Zu den Aufgaben der Studierenden erklärt der Betreuer: „Sie werden schrittweise an technische und komplexere Tätigkeiten herangeführt. Der Einstieg ist sehr praxisnah, um Produkte, Prozesse und Abläufe im Detail kennenzulernen. Die Aufgaben entwickeln sich dabei kontinuierlich weiter: Neben Montage- und Fertigungstätigkeiten übernehmen sie Prüf- und Kalibrieraufgaben sowie Endkontrollen. Parallel werden sie in technische Aufgaben eingebunden, beispielsweise in der Elektronikentwicklung, CAD-Konstruktion oder der Umsetzung interner Hilfsmittel zur Prozessoptimierung.“ Da im Unternehmen laufend Entwicklungs- und Optimierungsthemen entstehen, ergeben sich regelmäßig konkrete Ansatzpunkte für praxisnahe Projekte und eigenständige studentische Arbeiten. Von Semester zu Semester wird der Grad an Verantwortung und Selbstständigkeit zunehmen bis hin zu eigenen Projektaufgaben, die gemeinsam vom Unternehmen und den Professor:innen der HSBI betreut werden. Doch so weit sind die drei Studenten noch nicht: Momentan sind sie erst in ihrer zweiten Praxisphase bei CAE und im Oktober startet die dritte Theoriephase an der HSBI.
Die Studierenden übernehmen beispielsweise Prüf- und Kalibrieraufgaben sowie Endkontrollen der akustischen Kameras.
Klares Ziel: Internationalisierung der HSBI ausbauen
Judith Peltz, Vizepräsidentin Internationales an der HSBI.
Der Aufbau englischsprachiger Studiengänge folgt den Zielen der Strategie Internationales der Hochschule Bielefeld. Judith Peltz, Vizepräsidentin Internationales an der HSBI, betont: „Die Zukunftsfähigkeit der HSBI hängt maßgeblich davon ab, ihre Studierendenbasis nachhaltig zu sichern. International gefragte Studienangebote sind dabei ein Schlüssel für die erfolgreiche Entwicklung der Hochschule.“ Außerdem erweitere der Campus Gütersloh damit sein Profil mit den seit Jahren etablierten praxisintegrierten Ingenieursstudiengängen sowie berufsbegleitenden und forschungsorientierten Masterstudiengängen um eine internationale Komponente.
Dr. Maria Kobert ist Ansprechperson für Internationales am Fachbereich Ingenieurwissenschaften und Mathematik und betreut die internationalen Studierenden am Campus Gütersloh.
Dabei besteht beim Standort Gütersloh unter anderem noch Entwicklungspotenzial als Wohnort für internationale Studierende: Die drei Studenten wohnen – wie viele ihrer internationalen Kommiliton:innen – in Bielefeld: teils in Studierendenwohnheimen, teils in privaten Wohngemeinschaften. Beim Studienbeginn war die Wohnungssuche eines der wichtigsten Themen. Denn für Studierende mit geringen Deutschkenntnissen und ohne lokales Netzwerk stellt der angespannte Wohnungsmarkt ein großes Problem dar. Unterstützt wurden und werden sie dabei von einem betreuenden Team aus Mitarbeitenden des International Office der HSBI und internationalen studentischen Hilfskräften am Campus Gütersloh, die dort von Dr. Maria Kobert als Ansprechperson für Internationales am Fachbereich Ingenieurwissenschaften und Mathematik koordiniert werden. Sie hätten die Studierenden gern in Gütersloh untergebracht, aber das war nicht so leicht: „In Bielefeld ist es etwas einfacher, eine Unterkunft zu finden. Zum einen gibt es die Wohnheime des Studierendenwerks, zum anderen viele WGs. Außerdem existiert in Bielefeld eine große internationale Studierenden-Community“, so Kobert. Neben der Wohnungssuche werden die Studierenden vor allem in den ersten Tagen während der Welcome Weeks mit Freizeitangeboten und bei Behördengängen unterstützt, aber auch langfristig während des gesamten Studiums. Zusätzlich zur intensiven Betreuung vor Ort gibt es zahlreiche Beratungsangebote an der HSBI, die das International Office vermittelt.
Gute Betreuung ist das A und O
Mulumba Moses Katende ist wie seine Kommilitonen mit der Betreuung im Unternehmen und in der HSBI zufrieden.
Die drei Studenten loben die gute Betreuung am Campus Gütersloh, wie Moses beschreibt: „Ich wachse hier fachlich, professionell und persönlich. Ich kann andere internationale Studierende nur ermutigen, diesen Weg einzuschlagen, insbesondere wenn man eine Balance zwischen Studium und Erfahrung im realen Berufsleben sucht.“ Einige Anregungen zur Verbesserung haben sie natürlich auch: „Ich mag die Projektarbeit sehr. Wenn wir Elektronikprojekte bearbeiten, kann das allerdings ganz schön ins Geld gehen“, berichtet Arafat. „Da wäre es toll, wenn wir bei der Finanzierung etwas Support bekämen.“ Trevor wünscht sich zudem noch mehr fachlichen Support bei komplexen technischen Fächern.
Maria Kobert kann das nachvollziehen: „Die Studierenden bringen ganz unterschiedliche Vorkenntnisse mit. Weder Englisch noch Deutsch ist ihre Muttersprache. Sie müssen ihren Alltag in einem neuen Umfeld auf die Reihe bekommen. Uns ist absolut klar, dass wir sie gerade in den ersten Semestern bestmöglich unterstützen müssen. Da stecken wir viel Energie rein. Und bei den Materialien für die Elektronikprojekte an der Hochschule finden wir sicher auch noch eine pragmatische Lösung.“ Vielleicht findet sich ja das eine oder andere Unternehmen, das den Studierenden hier unter die Arme greift. (vku)