16.04.2026

Innovative Lösungen gegen Mikroplastik: HSBI trifft auf Start-up MicroBubbles aus Bad Lippspringe in OWL

Eine Frau sitzt auf einem Hocker und spricht mit einer Gruppe Personen. Sie trägt einen hellen Blazer, ein braunes Oberteil und hat schulterlange blonde Haare.
Professor Dr. Nina Altensell ist Expertin für das Fachgebiet Siedlungswasser- und Kreislaufwirtschaft am Campus Minden der HSBI. Im Wintersemester organisierte sie eine Exkursion zum Start-up MicroBubbles. © K. Starodubskij/HSBI
Kleine Blasen steigen zu einer Wasseroberfläche auf.
Mithilfe Milliarden kleiner Blasen befördert MicroBubbles Mikroplastikpartikel an die Wasseroberfläche. Von dort können die Partikel mit einem Skimmer entfernt werden. © K. Starodubskij/HSBI
Ein Regenklärbecken, in dem sich Regenwasser gesammelt hat
Durch sein innovatives Flotationssystem möchte MicroBubbles Regenklärbecken reinigen. In ihnen sammelt sich nicht nur Regenwasser, sondern auch Mikroplastik, welches häufig aus dem Abrieb von Autoreifen stammt. © K. Starodubskij/HSBI
Tim Robertino Baumann steht vorm Modell des Flotationssystems von Microbubbles. Er trägt einen schwarzen Pullover mit der Aufschrift HSBI, hat braune Haare und eine Brille.
Seit mehr als drei Jahren forscht Tim Robertino Baumann aus dem Projekt InCamS@BI an einem Filtersystem für Mikroplastik. Baumann nutze die Exkursion für einen Austausch mit dem Team von MicroBubbles. © K. Starodubskij/HSBI
Eine Gruppe Studierender steht mit ihrer Dozentin und Mitarbeitenden des Start-zps Microbubbles vor einem Regenklärbecken.
Die Studierenden des Bachelorstudiengangs Bauingenieurwesen schauten sich mit ihren Lehrenden während einer Exkursion im Wintersemester das Start-up MicroBubbles an. © K. Starodubskij/HSBI
Kleine Partikel, große Arbeit: Mikroplastik schwebt in der Luft, treibt in den Ozeanen und befindet sich sogar im Trinkwasser. Die Kunststoffteilchen sind kleiner als fünf Millimeter, kaum abbaubar und gelten als gefährlich für die Umwelt und menschliche Gesundheit. Zu den Hauptquellen von Mikroplastik gehört der Abrieb von Reifen, der auf Straßen zurückbleibt und vom Regen in die Kanalisation und schließlich in die Gewässer gespült wird. Eine Idee, um dieses Problem zu lösen, hat das Start-up MicroBubbles aus Bad Lippspringe. Prof. Dr. Nina Altensell, am Campus Minden der Hochschule Bielefeld für das Lehrgebiet Siedlungswasser- und Kreislaufwirtschaft zuständig, besuchte das Start-up gemeinsam mit Studierenden und Experten aus dem Projekt InCamS@BI.

Bielefeld (hsbi). Allein in NRW gibt es rund 1.500 Regenklärbecken. Diese werden beispielsweise zur Behandlung von verschmutztem Niederschlagswasser von Straßen eingesetzt. Sie speichern und reinigen Niederschlagswasser bei Regen und geben es in angeschlossene Gewässer ab. Das Niederschlagswasser führt jedoch auch jede Menge Feinpartikel wie Mikroplastik mit sich, das in erster Linie durch den Abrieb von Autoreifen entsteht und sich von den Regenklärbecken aus in andere Gewässer weiter verteilen kann: Etwa ein Drittel des Mikroplastiks im Meer stammt heute von Reifen. „Ein wichtiger Schritt wäre es deshalb, das Mikroplastik schon früh im Wasserkreislauf, beispielsweise in den Regenklärbecken, aus dem Wasser zu entfernen, bevor es in die Gewässer gelangt. In klassischen Regenklärbecken, deren Wirkung auf der Sedimentation beruht, funktioniert der Rückhalt dieser feinen und leichten Partikel jedoch nur sehr eingeschränkt “, erklärt Professor Dr. Nina Altensell, Expertin für Siedlungswasser- und Kreislaufwirtschaft an der Hochschule Bielefeld (HSBI). Genau hierfür hat das Start-up MicroBubbles eine neuartige Behandlungsidee entwickelt. Diese hat sich Altensell im Wintersemester gemeinsam mit Studierenden des Bachelorstudiengangs Bauingenieurwesen, ihrem Kollegen Michael Koltermann und dem Physiker Tim Robertino Baumann aus dem Projekt InCamS@BI von HSBI und Universität Bielefeld angeschaut. Auch Baumann arbeitet bereits seit mehreren Jahren an einem Filter für Mikroplastik.

Die MicroBubbles-Technologie

Ein Mann in einem grünen T-Shirt steht an einem Tisch. Er hat kurze braune Haare und spricht zu einer Gruppe vor ihm.
Phillip Traphöner ist Technischer Leiter bei MicroBubbles. Er erklärte den Studierenden beim Unternehmensbesuch das Verfahren, mit dem MicroBubbles Mikroplastik aus Wasser entfernt.

Seit 2021 wird das Start-up MicroBubbles von der Bundesagentur für Sprunginnovationen (SPRIND) gefördert. Bis zum kommenden Mai hat MicroBubbles das Ziel, mit seinem Verfahren die Marktreife zu erlangen. Das steckt hinter ihrer Idee: Zur Entfernung des Mikroplastiks aus dem Wasser in Regenwasserbehandlungsanlagen wie Regenklärbecken nutzt MicroBubbles Milliarden winziger Blasen, die im Becken freigesetzt werden. Die Blasen bilden eine wolkenähnliche Struktur mit einer extrem hohen Dichte. Sie steigen im Wasser auf und ziehen dabei feinste Mikroplastikpartikel an. Diese werden gemeinsam mit den Blasen an die Wasseroberfläche transportiert. „Dort können wir dann alle Verunreinigungen mit einer Art Skimmer entfernen, wie er für die Reinigung von Swimmingpools eingesetzt wird. Die einzelnen Partikel untersuchen wir dann im Nachgang im Labor“, erklärt Phillip Traphöner, Technischer Leiter bei MicroBubbles, seinen Gästen.

Die MicroBubbles im Einsatz

Auch in Aktion können sich die Studierenden, Tim Robertino Baumann und Prof. Dr. Altensell das Verfahren anschauen: In einem Labor des Start-ups gibt es ein Modell eines Regenklärbeckens im Maßstab 1:10. Dieses ähnelt einem Aquarium mit Wänden aus Plexiglas. So kann von außen gut beobachtet werden, wie die kleinen Blasen im Wasser aufsteigen und dabei hydrophobe Schwebstoffe nach oben transportieren. Nach der Betrachtung im Labor fährt die Gruppe gemeinsam mit dem MicroBubbles-Team zu einem Regenklärbecken an der Mastbruchstraße in Paderborn. Dort führt Phillip Traphöner die Technologie vor und erklärt die technische Anlage. „Durch unseren Besuch haben sich heute spannende Einblicke ergeben“, resümiert Nina Altensell. „MicroBubbles verfolgt einen Ansatz mit hohem Potential für den Schutz der Gewässer. Zudem könnte das Start-up künftig für unsere Studierenden ein spannender Arbeitgeber sein.“

VomVon Grund eines Beckens steigen viele winziger Blasen an die Oberfläche.
Vom Grund des Beckens steigen Millionen winziger Blasen an die Oberfläche. Diese ziehen die Mikroplastikteilchen an und befördern sie an die Oberfläche des Beckens.

Ein Filtersystem für das Abwasser von Haushalten

Tim Robertino Baumann
Tim Robertino Baumann ist Biophysiker und TechScout im Projekt InCamS@BI. Seit mehr als drei Jahren arbeitet er an einem Filtersystem, mit dem man beispielsweise Mikroplastik aus dem Abwasser von Waschmaschinen entfernen könnte.

Auch an anderer Stelle im Wasserkreislauf, beispielsweise beim Abwasser von Haushalten, gibt es Ideen und Ansätze, um Mikroplastik auszufiltern. Tim Robertino Baumann ist Technologiescout im Transferprojekt InCamS@BI von HSBI und Universität Bielefeld – die Abkürzung steht für Innovation Campus für Sustainable Solutions. Der Biophysiker arbeitet seit mehr als drei Jahren an einem Filtersystem, das sich beispielsweise in Waschmaschinen einsetzen ließe. Denn insbesondere bei den ersten Waschgängen synthetischer Kleidungsstücke lösen sich viele Kunststoffpartikel und gelangen ins Abwasser – neben dem Abrieb von Autoreifen ein zweiter riesiger Verursacher von Mikroplastik. Diese Partikel könnte Baumanns Filtersystem auffangen. Inspiriert wurde der Wissenschaftler zu seiner Idee vom Riesenmanta: Der Fisch ernährt sich von Zooplankton und filtert die Kleinstlebewesen beim Schwimmen direkt aus dem Wasser. „Könnte man das Abwasser von Waschmaschinen filtern, wäre das ein großer Stellhebel für die Verringerung des Mikroplastiks in unseren Gewässern“, erklärt Baumann das Ziel seines Ansatzes.

Zukünftige Zusammenarbeit

Den Besuch bei MicroBubbles nutzen Baumann und das Team des Start-ups zum fachlichen Austausch. Gemeinsam werden Pläne für eine weitere Zusammenarbeit festgelegt: Der Wissenschaftler will das Start-up beispielsweise bei der Suche nach einer Sensorik unterstützen. Mit dieser ließen sich die verschiedenen Bestandteile der ausgefilterten Partikel noch genauer erkennen und so möglicherweise auch gezielt entfernen. Auch weitere längerfristige Kooperationen etwa in Form von Abschlussarbeiten oder gemeinsamen Forschungsanträgen zwischen der HSBI und MicroBubbles sind denkbar. (sas)

Über InCamS@BI
Förderlogo

Mit InCamS@BI, dem Innovation Campus for Sustainable Solutions an der Hochschule Bielefeld (HSBI) und der Universität Bielefeld, entwickelt ein interdisziplinäres Team innovative Ideen, die Antworten auf die Frage liefern sollen, wie Kunststoffe in die Circular Economy integriert werden können.

Expert:innen aus Kunststofftechnik, Ingenieurwesen, Physik, Chemie, Wirtschaftsrecht, Wirtschaftspsychologie und Innovationsmanagement erarbeiten Projektskizzen – gemeinsam mit und für Unternehmen und Gesellschaft. Um mit anderen Akteur:innen, insbesondere aus der Region Ostwestfalen-Lippe, in einen Austausch zu treten, gestaltet InCamS@BI neue Veranstaltungs- und Dialogformate. Mit seiner Arbeit möchte das Team dazu beitragen, den Ideen-, Wissens- und Technologietransfer der HSBI zu professionalisieren und nachhaltige Strukturen an der Hochschule zu etablieren. InCamS@BI ist ein Transferprojekt und wird von der Bund-Länder-Initiative „Innovative Hochschule“ von 2023 bis 2027 gefördert.

 Für weiteres Bildmaterial können Sie sich gerne an presse@hsbi.de wenden.