24.07.2026

Neue Formen der Gestaltung: Werkschau des Fachbereichs Gestaltung der HSBI im Sommersemester 2026

Foto: Ein Mann sitzt auf dem Boden und trägt einen Rucksack, der aus einem Koffer besteht.
Edgar Nienhüser beschäftigt sich mit der Frage, wie digitale Medien aussehen und funktionieren könnten, wenn ihre Verfügbarkeit an begrenzte Mittel gebunden ist. © Leo Teufel
Foto: Ein Mann steht vor einer Leinwand auf der tausende sich überlagernde Fotos gezeigt werden
Mit seiner Rauminstallation eröffnet Darius Bange einen neuen Zugang zum Verständnis generativer künstlicher Intelligenz. © Darius Bange
Vom 24. bis 26. Juli zeigt die aktuelle Schau 66 Abschlussarbeiten aus den Studienrichtungen „Digital Media and Experiment“, „Fotografie und Bildmedien“, „Kommunikationsdesign“ und „Mode“. Unter dem Leitmotiv „Schmelzen“ setzen sich die Arbeiten unter anderem mit Transformation, Nachhaltigkeit, künstlicher Intelligenz, Care-Arbeit und neuen Formen interdisziplinärer Zusammenarbeit auseinander.

Bielefeld (hsbi). Was geschieht, wenn feste Formen aufweichen, Grenzen verschwinden und Neues entsteht? Unter dem Leitmotiv „Schmelzen“ präsentiert der Fachbereich Gestaltung der Hochschule Bielefeld (HSBI) seine aktuelle Werkschau. Sie öffnet am Freitag, 24. Juli 2026, um 18 Uhr im Gebäude des Fachbereichs an der Lampingstraße und ist auch am Samstag und Sonntag jeweils von 11 bis 18 Uhr zu sehen. Gezeigt werden die Abschlussarbeiten von 66 Absolventinnen und Absolventen, davon 46 Bachelor- und 20 Masterabschlüsse. Vertreten sind Arbeiten sämtlicher Studienrichtungen: „Digital Media and Experiment“, „Fotografie und Bildmedien“„Kommunikationsdesign“ und „Mode“ sowie ästhetische Theorie und künstlerische Praxis. Der Eintritt ist frei.

„Schmelzen“ als Leitmotiv für Transformation und Zusammenarbeit

Das von Studierenden entwickelte Leitmotiv der Werkschau versteht Dekan Prof. Nils Hoff als Bild für einen grundlegenden Transformationsprozess. Schmelzen bedeute nicht nur, dass Vertrautes seine Form verliere, sondern ebenso, dass Neues entstehen könne. „Sobald Dinge miteinander verschmelzen, bilden sich neue Kombinationen und damit neue Möglichkeiten. Als Gestalter arbeiten wir in einem ständigen Transformationsprozess, deshalb können und wollen wir Wandel produktiv nutzen.“

„Die Grenzen zwischen den Studienrichtungen werden zunehmend durchlässig. Gestaltung entsteht heute immer häufiger im Austausch unterschiedlicher Disziplinen.“

Prof. Claudia Rohrmoser, Prodekanin des Fachbereichs Gestaltung

Für Prof. Claudia Rohrmoser, Prodekanin des Fachbereichs, verweist das Motto zugleich auf eine grundlegende Entwicklung: „Die Grenzen zwischen den Studienrichtungen werden zunehmend durchlässig. Gestaltung entsteht heute immer häufiger im Austausch unterschiedlicher Disziplinen.“ Studierende lernten deshalb nicht nur ihre eigene gestalterische Expertise zu vertiefen, sondern auch die Kompetenzen anderer Fachrichtungen einzubeziehen und gemeinsam komplexe Fragestellungen zu bearbeiten. Gerade in Zeiten künstlicher Intelligenz gewinne diese Zusammenarbeit an Bedeutung: „Gute Gestaltung entsteht nicht durch den bloßen Einsatz neuer digitaler Werkzeuge, sondern durch Reflexion, Dialog und unterschiedliche Perspektiven.“

Ganz in diesem Sinn ist es für Nils Hoff ein zentrales Studienziel, Studierenden die Komplexität von Gestaltung und Welt bewusst zu machen. Der Anspruch, unterschiedliche Perspektiven zusammenzuführen, prägt inzwischen auch die Entwicklung des Fachbereichs. Neue Atelierbereiche für das Masterstudium fördern den Austausch zwischen den Studienrichtungen und schaffen Raum für interdisziplinäre Projekte. Das zeigt sich auch in der aktuellen Werkschau: Erstmals bilden drei aufeinander bezogene Abschlussarbeiten aus den Studienrichtungen DMX , Kommunikationsdesign und Fotografie und Bildmedien einen Themenkomplex, der sich den Möglichkeiten einer digitalen Unabhängigkeit widmet.

 Exemplarisch im Folgenden einige Erläuterungen zu ausgewählten Abschlussarbeiten des aktuellen Sommersemesters:

Interdisziplinäres Projekt:
Studienrichtung Digital Media and Experiment: Colin Östermann –  Tokens of Decay (Master-Abschluss)
Studienrichtung Fotografie und Bildmedien: Marvin Krullmann – Agora (Bachelor-Abschluss)
Studienrichtung Kommunikationsdesign: Edgar Nienhüser – Permacomputing als autarkes System (Bachelor-Abschluss)

Collage aus drei Fotos Auf jedem Foto ist ein Mann der in die Kamera schaut und neben seiner Abschlussarbeit steht
v.l.: Colin Östermann, Edgar Nienhüser und Marvin Krullmann haben als interdisziplinäres Projekt gemeinsam ihre Abschlussarbeiten entwickelt.

Digitale Anwendungen verbrauchen große Mengen an Energie, Wasser und seltenen Rohstoffen und schaffen zugleich neue Abhängigkeiten von großen Plattformen und zentralen Infrastrukturen. Wie lassen sich damit verbundene Probleme lösen? Dieser Frage widmen sich Marvin Krullmann, Edgar Nienhüser und Colin Östermann in ihren gemeinsam entwickelten Abschlussarbeiten. Die Installation „Agora“ von Krullmann macht die Ideen lokaler Datenverarbeitung und nachhaltiger digitaler Medien unmittelbar erfahrbar. An einem gemeinsamen Tisch tauschen Besucher:innen Daten über einen lokalen Server aus – ohne Benutzerkonten, Cloud oder Konzerne. Der Name verweist auf den antiken Marktplatz als Ort des Austauschs und der Begegnung. Edgar Nienhüser widmet sich dem Ansatz des Permacomputing, der digitale Technologien bewusst mit begrenzten Ressourcen denkt und auf langlebige, lokal nutzbare Systeme setzt. Durch die gezielte Beschränkung der Mittel und auf autarke Nutzung möchte er alternative Wege zu einer nachhaltigeren Informationsvermittlung aufzeigen. Die Arbeit von Colin Östermann beleuchtet ressourcenschonende kompakte KI-Modelle, die mit einfacher Hardware und ohne Cloud-Infrastruktur betrieben werden können. Am Beispiel eines Planers für die Hosentasche sowie eines Chatbots zeigt er, wie künstliche Intelligenz datensparsamer und unabhängiger von zentralen Rechenzentren eingesetzt werden kann.

Studienrichtung Fotografie und Bildmedien: Ronja Falkenbach – Raver (Bachelor-Abschlussarbeit)

Foto: Ronja Falkenbach steht vor Fotos ihrer Arbeit an der Wand
Fotografie-Absolventin Ronja Falkenbach richtet mit ihrer Arbeit den Blick auf die Berliner Clubszene und den Übergang zwischen dem Ausnahmezustand der Nacht und dem beginnenden Alltag.

Wenn die Musik verstummt und der Morgen anbricht, beginnt Ronja Falkenbachs fotografische Arbeit. Ein einfacher Stuhl vor weißem Hintergrund dient als Studio, in dem sie Menschen unmittelbar nach dem Verlassen Berliner Clubs porträtiert. Vor neutralem Hintergrund entstanden analoge Aufnahmen, die Erschöpfung, Euphorie und Melancholie gleichermaßen sichtbar machen. Losgelöst vom Trubel der Nacht richtet die Serie den Blick auf einen selten gezeigten Übergang zwischen dem Ausnahmezustand der Nacht und dem beginnenden Alltag. So entstanden intime Porträts einer Subkultur, ohne ihre Protagonistinnen und Protagonisten entblößen.

Studienrichtung Kommunikationsdesign: Annell Kaufmann – silber, nicht grau (Bachelor-Abschlussarbeit)

Die Stadt mit neuen Augen sehen. Annell Kaufmann verwandelt scheinbar unscheinbare Elemente des Bielefelder Stadtraums durch künstlerische Interventionen in persönliche Bedeutungsträger. Sie versieht unscheinbare Objekte mit silberner Farbe, um ihnen eine romantisierte Wertigkeit zuzuschreiben. Inspiriert von romantischen Bildwelten und idealisierten Social-Media-Trends lädt sie dazu ein, Gewohntes neu wahrzunehmen. Installationen und ein begleitendes Künstlerbuch dokumentieren diesen Perspektivwechsel. Die Arbeit zeigt, wie sich urbane Räume durch Aufmerksamkeit, Erinnerung und Gestaltung neu entdecken lassen.

Studienrichtung Mode: Cara Determeyer – WHO CARES?! (Master-Abschlussarbeit)

Zecihnungen: Modezeichnungen für eine Kollektion
Traditionelle Techniken wie textile Handarbeit werden in der Kollektion von Cara Determeyer bewusst neu interpretiert.

Care-Arbeit hält den gesellschaftlichen Alltag aufrecht. Dennoch bleibt sie häufig unsichtbar. Mit ihrer Kollektion „WHO CARES?!“ setzt sich Cara Determeyer mit der ungleichen Verteilung von Sorgearbeit und dem sogenannten Mental Load, also den Belastungen durch das Organisieren des Alltags, auseinander. Ausgangspunkt ist das historische Rollenmodell der Hausfrau, dessen Auswirkungen bis heute nachwirken. Textile Handarbeit wird dabei zum Ausdruck von Gemeinschaft und Solidarität. Traditionelle Techniken werden bewusst neu interpretiert und stehen für den Austausch von Wissen sowie die gegenseitige Unterstützung der Menschen.

Fachgruppe Theorie und künstlerische Praxis: Darius Bange – Latent Topologies (Master-Abschlussarbeit)

Generative KI kann in kurzer Zeit Bilder erzeugen. Die Motive verbreiten sich in Kunst und Medien und erscheinen zunehmend selbstverständlich. Kaum sichtbar ist dagegen, wie diese Bilder entstehen. Darius Bange richtet den Blick auf diesen sogenannten Latent Space, eine Art Landkarte, mit der das System Ähnlichkeiten zwischen Bildern abbildet. Grundlage ist eine KI, die mit rund 220.000 Landschaftsbildern trainiert wurde. In einer Rauminstallation werden die verborgenen Strukturen des Modells, das mit Ähnlichkeiten und statistischen Beziehungen arbeitet, erfahrbar. So eröffnet die Arbeit einen neuen Zugang zum Verständnis generativer künstlicher Intelligenz. (rm/abo)

Werkschau Sommersemester 2026

Die Eröffnung der Werkschau und die Verabschiedung der Absolvent:innen des Fachbereichs Gestaltung der Hochschule Bielefeld findet am Freitag, 24. Juli um 18:00 Uhr bis 23 Uhr, statt. Am Samstag, 25. Juli, sowie am Sonntag, 26. Juli, ist die Werkschau von 11 bis 18 Uhr geöffnet.

Außerdem werden die Arbeiten in die Werkschau-Website integriert, die jedes Semester ergänzt wird.

Weitere Informationen

Fachbereich Gestaltung
Studienrichtungen „Digital Media and Experiment“
Studienrichtung „Mode“
Studienrichtung „Kommunikationsdesign“
Studienrichtung „Fotografie und Bildmedien“