15.10.2026

Zweite Generation des MONOCAB auf der InnoTrans vorgestellt

Messestand des MONOCAB von oben
Der Messestand mit der zweiten MONOCAB-Generation auf der InnoTrans in Berlin, der internationalen Leitmesse für Verkehrstechnik.
Foto: Prof. Rolf Naumann im Gespräch mit Messebesuchern
Bahnexperte Prof. Dr. Rolf Naumann (2. von links) im Gespräch mit Messebesuchern.
Prof. Naumann sitzt in der Kabine des Monocab
Prof. Dr. Rolf Naumann ist Experte für Bahnverkehr und leitet das MONOCAB-Projekt an der Hochschule Bielefeld (HSBI).
Erprobung im Extertal beginnt nach der Winterpause: Das weiterentwickelte Testfahrzeug wurde auf der Leitmesse für Verkehrstechnik in Berlin präsentiert. Das Institut für Systemdynamik und Mechatronik (ISyM) der HSBI hat das neue Fahrwerk und den Rahmen konstruiert.

Berlin/Bielefeld/Lemgo (hsbi). Auf der Messe InnoTrans in Berlin, der internationalen Leitmesse für Verkehrstechnik, die alle zwei Jahre auf dem Gelände der Messe Berlin stattfindet, hat das MONOCAB-Konsortium vom 22. bis 26. September 2026 die zweite Generation seiner Testfahrzeuge vorgestellt: Erstmals sind Fahrzeugdesign und neue technische Plattform in einem vollständigen Testfahrzeug vereint. Damit rückt nicht mehr die einzelne Komponente, sondern das Gesamtsystem in den Mittelpunkt der Erprobung. Bei der ersten Generation waren Technik und Design getrennt: Die technische Erprobung lief mit Versuchsträgern, das angestrebte Erscheinungsbild zeigte ein eigenes Design-Mock-up. Die zweite Generation führt beides zusammen: Konstruktion, Fahrwerk, Stabilisierung, Energieversorgung, Kabine und Innenraum wurden weiterentwickelt und in ein Fahrzeug integriert. 

MONOCAB auf der InnoTrans 2026 © TH OWL

Gemeinsame Entwicklung im Forschungsverbund

Foto: Prof. Dr. Rolf Naumann im Gespräch mit Stelle Wehrmut auf der Messe
Prof. Dr. Rolf Naumann im Gespräch mit Stella Wehrmut aus dem Projekt Enable ATO / MONOCAB.

MONOCAB wird seit 2020 in einem Forschungsverbund entwickelt. Zentrale Partner sind neben der Hochschule Bielefeld (HSBI) die TH OWL und das Fraunhofer IOSB-INA. Die TH OWL hat die Konsortialführung, die Gesamtprojektleitung liegt bei Professor Dr. Thomas Schulte. Die TH OWL hat unter anderem das Stabilisierungssystem und die dafür eingesetzten Kreisel weiterentwickelt, die HSBI arbeitet vor allem am Fahrwerk. Weitere Arbeiten betreffen Basiskonstruktion, Energieversorgung, Kabine und Technologien für das automatisierte Fahren. 

Mobilität im ländlichen Raum

An der Hochschule Bielefeld (HSBI) leitet Bahnexperte Prof. Dr. Rolf Naumann das Projekt: „Hinter MONOCAB steht eine konkrete Frage: Wie lassen sich stillgelegte oder wenig genutzte Bahnstrecken im ländlichen Raum wieder sinnvoll für Mobilität nutzen?“ Wo Busse selten fahren und Züge nicht mehr halten, fehlt vielen Menschen eine verlässliche Verbindung, etwa zum Arbeitsplatz, zum Arzt oder zu Freunden und Familie. MONOCAB soll dafür vorhandene Schieneninfrastruktur mit kleinen, automatisiert fahrenden Fahrzeugen erschließen. Dabei geht es nicht nur um die Nutzung bestehender Strecken. Gefragt sind auch der Neubau von Strecken und die Ergänzung bestehender Strecken. Die zweite Generation des MONOCAB ist ein wichtiger Schritt dorthin. Sie zeigt, wie ein solches Fahrzeug aussehen kann, und liefert die Grundlage, um Sicherheit, Wirtschaftlichkeit und Alltagstauglichkeit unter realen Bedingungen zu prüfen.

Komplett neues Fahrwerk

Im MONOCAB Gesamtprojekt, das bereits seit 2020 läuft, hat das Institut für Systemdynamik und Mechatronik (ISyM) der HSBI ein eigenes Fahrwerk mit besonderem Radprofil entwickelt, das in der nun vorliegenden zweiten Version weiterentwickelt wurde. Darüber hinaus ist die HSBI an weiteren Komponenten beteiligt, wie Projektleiter Rolf Naumann erläutert: „Neben dem Fahrwerk haben wir den Fahrzeugrahmen und die Kabine neu aufgebaut. Außerdem sind wir für den Spurwechsel verantwortlich, also wie das MONOCAB von der einen auf die andere Schiene umgesetzt werden kann. Hier sind die Kompetenzen zur Schienenfahrzeugtechnik und insbesondere zum modellbasierten Entwurf und Simulation von Bedeutung und werden durch das ISyM abgedeckt.“ Darüber hinaus unterstützt die HSBI bei der späteren Fahrzeugintegration, also dem „Zusammenbau“ aller Komponenten und der Erprobung und Testung der Fahrzeuge. Naumann ergänzt: „Bei dem zweiten Prototyp ist uns wirklich ein tolles ‚Ingenieurkunstwerk‘ gelungen, auf das wir sehr stolz sind!“

Die Arbeiten laufen derzeit in zwei Vorhaben:

MONOCAB ready (gefördert vom Bundesministerium für Verkehr): Es entstehen neue Versuchsfahrzeuge der zweiten Generation. Basiskonstruktion, Energieversorgung und Kabine werden mit Blick auf Sicherheit und Wirtschaftlichkeit neugestaltet und mit einem verbesserten Stabilisierungssystem, einem weiterentwickelten Fahrwerk und Technologien für das automatisierte Fahren kombiniert. Hinzu kommt eine Spurwechselvorrichtung, mit der zusätzliche Betriebsoptionen auf vorhandener Schieneninfrastruktur untersucht werden.

MONOCAB Schlüsseltechnologien (gefördert vom Ministerium für Umwelt, Naturschutz und Verkehr des Landes Nordrhein-Westfalen, kofinanziert von der Europäischen Union): Im Mittelpunkt stehen weitere Technologien, die für das Gesamtsystem erforderlich sind, sowie deren Erprobung. 

Die Fahrzeuge der ersten Generation bleiben Teil der Forschung. Mit ihnen laufen weiterhin Versuche, unter anderem zum automatisierten Fahren, zu einzelnen Komponenten und zum Betrieb mehrerer Fahrzeuge. Die zweite Generation dient zunehmend der Erprobung des weiterentwickelten Gesamtsystems. 

Nächster Schritt: Testflotte und Start-up

Nach der Winterpause sollen die neuen Testfahrzeuge ab Frühjahr 2027 im Extertal fahren. Dort wird untersucht, wie die neuen Komponenten zusammenwirken und welche Entwicklungsschritte für einen späteren Betrieb noch nötig sind. Parallel arbeitet das Konsortium an weiteren Systemkomponenten, darunter Vorrichtungen zum Umsetzen der Fahrzeuge sowie Lösungen für Weichen und Bahnübergänge. Sie sollen im kommenden Jahr weiterentwickelt und auf geeigneten Teststrecken erprobt werden. Mit wachsendem technischem Reifegrad rückt der Transfer in eine unternehmerische Struktur in den Fokus. Ziel ist ein Start-up, das die Ergebnisse weiterführt und den Weg zu ersten Anwendungen ebnet. Dafür werden Partner und Investoren gesucht. Gesamtprojektleiter Professor Schulte: „Technisch steht zunächst der Aufbau einer Testflotte an. Nur mit mehreren Fahrzeugen lassen sich das Zusammenspiel im Betrieb, automatisierte Fahrfunktionen und unterschiedliche Betriebssituationen unter realen Bedingungen erproben und die nächsten Reifegrade erreichen.“ Der Themenkomplex Mobilität und „Eisenbahn“ bekommt viel Aufmerksamkeit, das Interesse an Erprobungs- und Einsatzorten reicht inzwischen weit über Ostwestfalen-Lippe hinaus. Das Konsortium erhält Angebote und Anfragen für Teststrecken aus verschiedenen Regionen Deutschlands sowie aus Europa und dem weiteren Ausland. Auch Kommunen und Gebietskörperschaften zeigen Interesse an möglichen Anwendungen. (Text: Försterling / vku)

Weitere Informationen

Viele grundsätzliche Fragen beantwortet das Konsortium im MONOCAB-VideoCast (Weiterleitung zu YouTube) mit Kommentaren und häufig gestellten Fragen.

Über Testfahrten, Veranstaltungen und Möglichkeiten, die Entwicklung zu begleiten, informiert der MONOCAB-Newsletter: https://www.monocab-system.com/newsletter

Das Forschungsprojekt MONOCAB ist ein Verbund der Technischen Hochschule OWL, der HSBI und des Fraunhofer IOSB-INA. Unter der Gesamtprojektleitung von Prof. Dr.-Ing. Thomas Schulte von der TH OWL besteht die aktuelle Herausforderung darin, den Nachweis zu erbringen, dass solche Schienenfahrzeuge sicher, zuverlässig und wirtschaftlich realisierbar sind.

Das Institut für Energieforschung (iFE) der TH OWL ist Konsortialführer des Projektes und arbeitet interdisziplinär in Konstruktion, Aerodynamik, Regelungstechnik, Simulation, Antriebstechnik, Leistungselektronik und Steuerungssoftware. Die aktive Einbindung von Studierenden in zahlreichen Teilbereichen ermöglicht praxisnahe Erfahrungen und fördert deren wissenschaftliche Entwicklung.

An der HSBI leitet Prof. Dr. Rolf Naumann das Vorhaben. Das Forschungsprojekt MONOCAB ist im Institut für Systemdynamik und Mechatronik (ISyM) der HSBI angesiedelt. Hier arbeiten aktuell sechs wissenschaftliche Mitarbeiter an der Weiterentwicklung des Fahrwerks, am Fahrzeugrahmen, an der Umsetzvorrichtung sowie an der Kabinenkonstruktion.

Die Forschungsthemen des ISyM orientieren sich grundsätzlich an der Entwicklung von Systemen, die aufgrund ihrer Interaktions-, Adaptations- und Kooperationsfähigkeit in der Lage sind, komplexe Aufgaben effizient und ggf. autonom auszuführen. Interdisziplinäre Ansätze liefern den zentralen Mehrwert bei der Gestaltung nachhaltiger mechatronischer Systeme. Mit den Institutsschwerpunkten Intelligent Systems, Human Mechatronics & Medical Technology sowie Connected Mobility beteiligt sich das ISyM an der Gestaltung zukunftsorientierter Lösungen für Anwendungen im Industrie-, Gesundheits-, und Mobilitätssektor.

MONOCAB ready: Laufzeit November 2024 bis Dezember 2026, finanziert durch das Bundesministerium für Digitales und Verkehr mit 1.513.086€ (Fördersumme HSBI). 

MONOCAB Schlüsseltechnologien: Laufzeit Juni 2024 bis November 2026, finanziert durch Zuwendungen des Landes Nordrhein-Westfalen aus Mitteln des EFRE/JTF-Programms NRW, kofinanziert von der Europäischen Union, mit 714.718€ (Fördersumme HSBI).

Zur Pressemitteilung: Auf einer Schiene zum individuellen Personennahverkehr 
www.monocab-system.com