Studienfahrt nach München eröffnet Einblicke in moderne Logistik und Produktion
Wie werden komplexe Lieferketten gesteuert? Welche Anforderungen stellt die Pharmalogistik an Lager- und Transportprozesse? Und wie greifen Produktion und Logistik bei der Fertigung moderner Nutzfahrzeuge ineinander? Antworten auf diese und viele weitere Fragen erhielten zehn Studierende der Studiengänge Digitale Logistik und Wirtschaftsingenieurwesen vom Campus Gütersloh während einer dreitägigen Studienfahrt nach München. Gemeinsam mit Prof. Jörg Nottmeyer, Studiengangsleiter Digitale Logistik besuchten sie die Unternehmen LOXXESS AG, Linther Spedition GmbH und MAN Truck & Bus SE. Ziel der Exkursion war es, theoretische Studieninhalte mit praktischen Erfahrungen zu verknüpfen und den Studierenden Einblicke in unterschiedliche Berufsfelder der Logistik sowie des Wirtschaftsingenieurwesens zu ermöglichen.
Die erste Station führte die Gruppe zur LOXXESS AG nach Geretsried. Das Unternehmen ist auf maßgeschneiderte Lösungen in der Kontraktlogistik spezialisiert und betreut Kunden aus unterschiedlichen Branchen. Am besuchten Standort liegt der Schwerpunkt auf Pharma- und Healthcare-Produkten, einem Bereich, in dem höchste Anforderungen an Qualität, Sicherheit und Nachverfolgbarkeit gestellt werden.
Während der Besichtigung erhielten die Studierenden einen umfassenden Einblick in die Organisation moderner Lager- und Materialflüsse sowie in die Planung und Steuerung logistischer Prozesse. Deutlich wurde, wie viele einzelne Prozessschritte notwendig sind, damit sensible Arzneimittel zuverlässig ihren Bestimmungsort erreichen. Gleichzeitig zeigte das Unternehmen, welche Rolle Digitalisierung, Automatisierung und nachhaltige Logistikstrategien bei der Weiterentwicklung der Branche spielen. „Es ist schon erstaunlich, welcher Aufwand notwendig ist, damit Pharmaprodukte sicher in den Apotheken ankommen“, fasste Studentin Jorelia Hübner ihre Eindrücke zusammen.
Mittelständische Logistik aus erster Hand
Ein weiterer Programmpunkt war der Besuch der Linther Spedition GmbH in München. Das inhabergeführte Unternehmen bietet nationale und internationale Transportdienstleistungen sowie Lager- und Kontraktlogistik an. Das Team dort vermittelte den Studierenden einen authentischen Einblick in den Arbeitsalltag eines mittelständischen Logistikdienstleisters. Im Mittelpunkt standen dabei die Organisation komplexer Transportketten, die Kommunikation mit Kunden und Frachtführern sowie die Koordination unterschiedlichster Anforderungen im Tagesgeschäft. Die Teilnehmenden erfuhren, wie wichtig flexible Entscheidungen, kurze Kommunikationswege und eine enge Abstimmung aller Beteiligten sind, um auch kurzfristige Änderungen zuverlässig bewältigen zu können.
Gerade der Vergleich zwischen einem mittelständischen Unternehmen und einem großen Logistikdienstleister machte deutlich, dass unterschiedliche Unternehmensstrukturen jeweils eigene Stärken mit sich bringen. Während große Unternehmen häufig von standardisierten Prozessen profitieren, ermöglichen mittelständische Betriebe oftmals besonders individuelle und schnelle Lösungen.
Produktion und Logistik im perfekten Zusammenspiel
Ein besonderes Highlight der Studienfahrt war die Werksbesichtigung bei MAN Truck & Bus in München. Das Stammwerk des Nutzfahrzeugherstellers bot den Studierenden die Möglichkeit, moderne industrielle Fertigungsprozesse unmittelbar zu erleben. Besonders eindrucksvoll war das Zusammenspiel von Produktion und Logistik. Die Studierenden konnten nachvollziehen, wie tausende Bauteile exakt zum richtigen Zeitpunkt, in der richtigen Reihenfolge und in der benötigten Qualität an die jeweiligen Montageplätze geliefert werden. Bereits kleinste Verzögerungen in der Materialversorgung können Auswirkungen auf nachgelagerte Produktionsschritte haben und verdeutlichen die zentrale Bedeutung einer leistungsfähigen Logistik.
Themen wie Just-in-Time-Belieferung, innerbetrieblicher Materialfluss, Reihenfolgeplanung und Qualitätskontrolle wurden während der Werksführung anschaulich vermittelt und konnten direkt mit den im Studium behandelten Inhalten verknüpft werden. Dadurch wurde deutlich, dass Produktion und Logistik heute untrennbar miteinander verbunden sind und nur durch ein reibungsloses Zusammenspiel effizient funktionieren. „Die Besichtigungen bei LOXXESS, Linther und MAN haben uns gezeigt, wie die im Studium behandelten Inhalte in der Praxis umgesetzt werden. Dadurch konnten wir viele Zusammenhänge noch besser verstehen“, resümiert Student Marvin Rauch.
Praxisnahe Lehre mit nachhaltigem Mehrwert
Vor dem Standort der LOXXESS AG in Geretsried: Die Exkursionsgruppe informierte sich über moderne Logistikprozesse und die besonderen Anforderungen der Pharmalogistik.
Neben den fachlichen Einblicken bot die Exkursion den Studierenden die Möglichkeit, mit Vertreterinnen und Vertretern der Unternehmen ins Gespräch zu kommen und mehr über unterschiedliche Berufsbilder und Karrierewege in der Logistik zu erfahren. Der direkte Austausch mit Praktikerinnen und Praktikern ergänzte die theoretischen Inhalte des Studiums und eröffnete neue Perspektiven für den späteren Berufseinstieg.
Auch der gemeinsame Aufenthalt in München trug zum Erfolg der Studienfahrt bei. Bei sommerlichem Wetter blieb Zeit, die Stadt zu erkunden und den Austausch innerhalb der Studiengruppe zu vertiefen. Programmpunkte wie der Besuch des Englischen Gartens und des Hofbrauhauses rundeten die Exkursion ab.
Die Rückreise wurde zwar durch eine bundesweite Störung des digitalen Zugfunks erschwert und erforderte eine kurzfristige Neuorganisation. Diese ungeplante Herausforderung konnte den positiven Gesamteindruck der Exkursion jedoch nicht schmälern.
Die Studienfahrt verdeutlichte einmal mehr den hohen Stellenwert praxisnaher Lehrformate. Unternehmensbesuche ermöglichen es den Studierenden, theoretisches Wissen mit realen betrieblichen Abläufen zu verknüpfen, aktuelle Entwicklungen der Branche kennenzulernen und wertvolle Kontakte zur Praxis zu knüpfen. Gleichzeitig fördern sie den Blick für unterschiedliche Berufsfelder und zeigen, wie eng Logistik, Produktion und Wirtschaftsingenieurwesen in modernen Unternehmen miteinander verzahnt sind. Exkursionen wie diese leisten damit einen wichtigen Beitrag zu einer anwendungsorientierten Hochschullehre und bereiten die Studierenden gezielt auf die Anforderungen ihres späteren Berufslebens vor. (jn/th)