„Eine der wichtigsten Fähigkeiten in der Softwareentwicklung? Kommunikation!“

Mein Weg zur HAW-Professur: Prof. Dr.-Ing. Christian Peters im Interview

Prof. Dr. Christian Peters
Foto: Patrick Pollmeier

Prof. Dr.-Ing. Christian Peters ist Professor für Software Engineering am Fachbereich Ingenieurwissenschaften und Mathematik. Warum Kommunikation sehr wichtig in seinem Beruf ist und wie er ihn einem Grundschulkind erklären würde, erzählt er im Interview.

Wenn Sie nur eines von beidem Ihr Leben lang machen dürften, wofür würden Sie sich entscheiden: Grundlagenforschung oder praxisorientierte Forschung?

Das ist einfach: praxisorientierte Forschung! Ich habe schon im Rahmen meiner Doktorarbeit praxisbezogen geforscht, das ist einfach mein Ding. Und das darf auch genau so weitergehen (lacht).

Was war das Thema Ihrer Doktorarbeit?

Ich habe Naturwissenschaftliche Informatik mit der Fachrichtung Robotik an der Uni Bielefeld studiert. Das war erst einmal nicht sehr praxisorientiert. Promoviert habe ich dann aber im Promotionsstudiengang „Intelligente Systeme“ am Exzellenzcluster CITEC . In Kooperation mit den von Bodelschwinghschen Stiftungen Bethel habe ich mich mit intelligenten Assistenzsystemen für Menschen mit kognitiven Beeinträchtigungen beschäftigt. Wir haben in meiner Arbeitsgruppe zum Beispiel einen Waschtisch mit Sensoren ausgestattet, um Menschen mit kognitiven Beeinträchtigungen, zum Beispiel Demenz, in ihrem Alltag zu unterstützen. Dieses System haben wir dann in einer Wohneinrichtung getestet und überprüft, wie es die Bewohner:innen im Alltag unterstützt.

Sind Sie dann in der Wissenschaft geblieben?

Nein, ich habe nach meiner Dissertation erst einmal in der freien Wirtschaft gearbeitet. Mein zweites Kind ist drei Tage, nachdem ich meine Doktorarbeit abgegeben hatte, geboren worden. Meiner Frau und mir war es nach der Promotionszeit erst einmal wichtig, dass ich einen sicheren Job mit einigermaßen geregelten Arbeitszeiten habe. Ich habe dann über 12 Jahre bei der Firma Weidmüller in Detmold als Softwareentwickler gearbeitet, was mir sehr viel Spaß gemacht hat.

Offenbar wollten Sie sich dann doch noch einmal beruflich verändern?

Ja, das stimmt. Ich habe bei dem Unternehmen neben meinem eigentlichen Job auch Bachelor- und Masterarbeiten betreut. Das hat mir schon viel Spaß gemacht. Deshalb habe ich mich informiert, welche Wege es gibt, die Wissenschaft wieder etwas mehr in meinen Arbeitsalltag zu integrieren.

Wie haben Sie das gemacht?

Ich habe einen Lehrauftrag an einer privaten Hochschule angenommen, weil ich wissen wollte, wie es ist, zu unterrichten. Das hat mir Spaß gemacht. Kurze Zeit später habe ich über LinkedIn mitbekommen, dass es an der HSBI eine Info-Veranstaltung zum Beruf HAW-Professur gibt.

Sie sind dann 2024 Teil des Qualifizierungsprogramms Career@BI geworden. Wie haben Sie diese Zeit erlebt?

Sehr bereichernd und gleichzeitig auch sehr anstrengend (lacht). Ich habe 75 Prozent meiner Zeit im Unternehmen gearbeitet, 25 Prozent an der HSBI. Die doppelte Teilzeit war organisatorisch oft herausfordernd. Ich habe von dieser Zeit aber stark profitiert, weil ich gelernt habe, wie Lehre an HAW heute funktioniert. Ich habe selbst unterrichtet, mich weitergebildet und mich mit den anderen Programmteilnehmenden ausgetauscht. Das war sehr gut, um herauszufinden, ob mich der Beruf HAW-Professor reizt.

Offenbar war dem so – Sie sind seit dem 1. Februar 2026 HAW-Professor.

Ja. Ich hätte vor zwei Jahren, 2024, als ich in das Programm gekommen bin, gar nicht damit gerechnet, dass es so schnell gehen kann. Damals hatte ich wenig Lehrerfahrung und war ja auch viele Jahre raus gewesen aus der akademischen Welt. Aber ich hatte den Vorteil, dass ich sehr viel Praxiserfahrung hatte und durch Career@BI zusätzlich Lehrerfahrung gesammelt habe und ein Netzwerk aufbauen konnte.

Sie sind Professor für Software Engineering. Wenn Sie Ihr Forschungsgebiet einem Grundschulkind erklären müssten, was würden Sie sagen?

Ganz grob könnte man sagen: Ich helfe Leuten und Firmen, Probleme mit Computerprogrammen zu lösen und so die Dinge ein bisschen einfacher zu machen. Beim Software Engineering schreibst du Anweisungen in einer speziellen Sprache, die der Computer versteht – einer sogenannten Programmiersprache. Der Computer baut nach deinen Anweisungen zum Beispiel ein Spiel, eine App oder eine Website. Als Software Engineer schaue ich immer, wie wir Computerprogramme, Apps und Websites so erstellen können, dass sie von den Anwender:innen gerne genutzt werden.

Was ist für Sie das Faszinierende an der Arbeit im Bereich Software Engineering?

Mir macht es Spaß, mir anzuschauen, wo es Probleme gibt und wie wir die lösen können. Softwareentwicklung ist oft ein langer Prozess mit viel Abstimmung. Ich vermittle meinen Studierenden also auch, dass es immens wichtig ist, gut zu kommunizieren. Denn sonst bauen sie Anwendungen oder nutzen Technologien, die sie selbst gut finden – aber nicht das, was ihre Kund:innen wollen.

Wie unterscheidet sich Ihre Arbeit als Professor von der als Softwareentwickler in einem Unternehmen?

Ich glaube, der größte Unterschied ist die Freiheit im Arbeiten. Ich habe als Professor sehr viel Gestaltungsspielraum, ich arbeite mit jungen Menschen, die ich an meine Profession heranführen kann. Ich kann nicht nur fachlich etwas bewegen, sondern auch ein bestimmtes Mindset weitertragen: Kommunikation ist entscheidend. Gerade im Hinblick auf generative KI, die die reine Programmierarbeit oft schon besser erledigen kann als wir Menschen. Für alle anderen Aufgaben im Rahmen des Software Engineerings ist Kommunikation sehr wichtig. Das gilt aber vermutlich nicht nur für diesen Bereich, sondern allgemein im Leben (lacht).

Wenn Sie zurückschauen: Haben Sie einen Tipp für diejenigen, die auch eine HAW-Professur anstreben?

Es ist schwierig, Tipps zu geben, denn alle Lebenswege sind verschieden. Ich kann für mich sagen, dass es hilfreich war, flexibel zu bleiben und offen für neue Richtungen zu sein. Es wird Phasen geben, die sehr anstrengend sind. Wichtig ist, immer wieder zu schauen, wohin einen der eigene Weg führt und wofür die einzelnen Stationen hilfreich sind.

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