„Ich würde auch zu KI forschen, wenn
mich niemand dafür bezahlen würde“

Mein Weg zur HAW-Professur: Prof. Dr. Christoph Weisser 
im Interview

Prof. Dr. Christoph Weisser
Foto: Patrick Pollmeier

Prof. Dr. Christoph Weisser ist Professor für Mathematik, insbesondere Business Data Science am Fachbereich Wirtschaft der HSBI. In seiner Forschung beschäftigt er sich mit künstlicher Intelligenz – ein Thema, das ihn schon seit vielen Jahren umtreibt. Was internationale KI-Projekte mit seiner jetzigen Arbeit zu tun haben und was er angehenden Professor:innen rät, erzählt er im Interview.

Sie sind seit März 2026 Professor für Mathematik, insbesondere Business Data Science. Wie war Ihr Einstieg?

Sehr angenehm. Mein Vorgänger, Prof. Dr. Wolfgang Kohn, hat den Übergang sehr gut vorbereitet. Die Kolleginnen und Kollegen haben mich auch nett empfangen. Und ich glaube, ich bin durch meine Berufslaufbahn gut vorbereitet gewesen, vor allem auf die Lehre.

Wie meinen Sie das? 

Ich habe immer viel unterrichtet. Schon während meines Bachelorstudiums habe ich als Tutor gearbeitet, während meiner Promotion in Göttingen habe ich im Masterprogramm Angewandte Statistik unterrichtet. Ich glaube, das und meine spätere Tätigkeit bei einem Großkonzern haben mich ganz gut auf die Arbeit als HAW-Professor vorbereitet.

Wenn Sie schon während Ihres Bachelorstudiums unterrichtet haben: War es schon damals Ihr Ziel, Professor zu werden?

Ich konnte es mir auf jeden Fall früh vorstellen (lacht). Forschung und Lehre waren schon immer genau die Themen, die mich interessiert haben.

Prof. Dr. Christoph Weisser am Whiteboard
Foto: Patrick Pollmeier

Ihr akademischer Weg hat Sie von Göttingen über Schottland und England bis nach London und schließlich wieder zurück nach Göttingen geführt. Wie kam es dazu?

Ich habe zunächst in Göttingen studiert und anschließend jeweils einen Master an der University of St Andrews und der University of Oxford absolviert. Diese Zeit hat mich fachlich und persönlich sehr geprägt. Nach meinem Studium bin ich zunächst nach London gegangen und habe dort im Finanzsektor gearbeitet. Schließlich bin ich nach Göttingen zurückgekehrt und habe dort das Promotionsprogramm Angewandte Statistik und Empirische Methoden absolviert.

Während Ihres Studiums wurden Sie von mehreren Begabtenförderungswerken gefördert. Welche Bedeutung hatte diese Förderung für Ihren Werdegang? 

Ich hatte das große Glück, während meines Studiums durch die Studienstiftung des deutschen Volkes, das Evangelische Studienwerk Villigst und die Konrad-Adenauer-Stiftung gefördert zu werden. Dafür bin ich bis heute sehr dankbar. Die Förderung hat mir viele Möglichkeiten eröffnet, mich fachlich weiterzuentwickeln, internationale Erfahrungen zu sammeln und inspirierende Menschen kennenzulernen. Viele dieser Erfahrungen und Begegnungen begleiten mich bis heute.

Nach Ihrer Promotion haben Sie in einem internationalen Konzern, BASF, gearbeitet. Was waren dort Ihre Aufgaben?

Ich habe internationale Projekte im KI-Bereich geleitet. Besonders faszinierend fand ich dabei, mich immer wieder in neue technologische Entwicklungen einzuarbeiten und innovative KI-Anwendungen gemeinsam mit internationalen Teams voranzubringen. Gleichzeitig habe ich gelernt, große Projekte nicht nur technisch zu gestalten, sondern auch strategisch zu steuern und unterschiedliche Interessen und Perspektiven zusammenzubringen. 

An welchen KI-Projekten mit Unternehmen arbeiten Sie derzeit an der HSBI?

Die HSBI arbeitet mit vielen innovativen Unternehmen in der Region Ostwestfalen-Lippe zusammen. Gemeinsam mit meinen Studierenden führe ich KI-Projekte in Kooperation mit diesen Unternehmen durch. Das ist für beide Seiten spannend und bereichernd, weil wissenschaftliche Methoden direkt auf reale Fragestellungen angewendet werden können. Aktuell beschäftige ich mich unter anderem mit agentischen KI-Systemen, die komplexe Aufgaben eigenständig bearbeiten können. Darüber hinaus interessieren mich Fragestellungen aus den Bereichen Business Data Science, Predictive Analytics und Industrial AI – also die Frage, wie Unternehmen Daten und moderne KI-Verfahren nutzen können, um bessere Entscheidungen zu treffen und Prozesse effizienter zu gestalten.

Sie haben anfangs gesagt, dass Sie immer gern unterrichtet und geforscht haben. Haben Sie das auch während Ihrer Zeit bei BASF weiterverfolgt?

Ja. Ich habe Masterstudierende und Promovierende betreut, die in Kooperation mit dem Konzern ihre Arbeiten geschrieben haben. Teile meiner damaligen Arbeit waren gar nicht so weit weg von dem, was ich heute mache – denn BASF hat sehr viele Kooperationen mit Hochschulen. Das ist auch ein Grund, warum ich mir den Wechsel an eine HAW so gut vorstellen konnte. Ich mag den Austausch mit Unternehmen und die anwendungsorientierte Forschung.

Wie verlief Ihr Weg an die HSBI?

Ich habe immer mal wieder nach passenden Stellenanzeigen geschaut. An der HSBI hat mir der Fokus Business Data Science gut gefallen. Das Auswahlverfahren war professionell und angenehm – und ich bin froh, dass es letztendlich geklappt hat und ich heute hier sitze.

Gab es etwas, was Sie an Ihrem neuen Job als Professor überrascht hat?

Ja, die Vernetzung mit den Unternehmen hier vor Ort in Ostwestfalen-Lippe. Da gibt es sehr viele Mittelständler, aber auch große Player. Mit vielen hat die HSBI Kooperationen, das ist für meine Transferprojekte natürlich toll. Auch die internationalen Kooperationen schätze ich sehr. Ich habe selbst langjährige Beziehungen zur Zhejiang University in Hangzhou, China. Der Austausch ist sehr wertvoll für meine Arbeit. 

Und was tun Sie, wenn Sie gerade nicht forschen oder unterrichten?

Ich verbringe Zeit mit meiner Frau und unserem Sohn, fahre Rennrad, spiele Tennis – und oft auch Klavier. Allerdings verbringe ich auch privat viel Zeit mit meinem Forschungsthemen. Vermutlich würde ich mich auch mit KI beschäftigen, wenn mich niemand dafür bezahlen würde (lacht).

Zum Schluss: Was würden Sie denjenigen mitgeben, die ebenfalls eine HAW-Professur anstreben?

Ich würde allen, die sich für eine HAW-Professur interessieren, raten, frühzeitig den Kontakt zu Hochschulen zu suchen und sich über mögliche Kooperationen des eigenen Arbeitgebers mit Hochschulen zu informieren. In diesem Rahmen kann man zum Beispiel dual Studierende in ihren Praxisphasen oder bei Abschlussarbeiten betreuen und wertvolle Lehrerfahrung sammeln. Außerdem würde ich empfehlen, zu überlegen, welche Fragestellungen sich aus der beruflichen Praxis wissenschaftlich weiterentwickeln lassen. Gerade die Verbindung von Forschung und Anwendung ist aus meiner Sicht eine große Stärke einer HAW-Professur.

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