23.01.2014

Professor Dr. Günter Pomaska hält Abschiedsvorlesung

Der Professor für Vermessung und Datenverarbeitung am Fachbereich Architektur und Bauingenieurwesen geht in den Ruhestand

Minden (fhb). Dr.-Ing. Günter Pomaska (65) geht nach 23 Jahren als Professor für Vermessung und Datenverarbeitung in den Ruhestand. Seit 1991 lehrt und forscht er am Fachbereich Architektur und Bauingenieurwesen auf dem Campus Minden der Fachhochschule Bielefeld. Heute hat er seine Abschiedsvorlesung gehalten zum Thema "Photogrammetrie - vom Komparator zu Computer Vision".

Nach einer Ausbildung zum Vermessungstechniker, die er 1967 abschloss, studierte Pomaska an der Technischen Universität Berlin Geodäsie, also Vermessungswesen. Nach dem Studienabschluss war er wissenschaftlicher Assistent an der Technischen Universität Braunschweig am Institut für Vermessungskunde, wo er 1982 zum Thema 3D-Computergrafik promovierte. Danach arbeitete er für fünf Jahre in der Software-Entwicklung und als Applikationsingenieur sowie als Dozent am Bildungszentrum für informationsverarbeitende Berufe (b.i.b.) in Hannover. Seine nächste berufliche Station führte ihn 1987 zu Rollei Fototechnik in Braunschweig, wo er die Abteilung Photogrammetrie leitete, bevor er 1991 seine Lehrtätigkeit in Minden antrat.

In die Weserstadt hat ihn der Dom geführt: "Damals arbeiteten meine späteren Kollegen an der Vermessung der Kirche und ich habe sie dabei als Experte unterstützt. So kam ich zu einem Lehrauftrag und als dann die Professur zu besetzen war, habe ich nicht lange überlegt und mich beworben", erinnert sich Pomaska.

Die Technologie hat sich seitdem immens weiterentwickelt: "Früher musste man jeden Bildpunkt manuell vermessen, heute geht das mit der digitalen Fotografie automatisiert", sagt Pomaska. Vermessen hat er nicht nur Bauwerke und Landschaften - es ging auch schon mal um Mord und Totschlag oder um Paparazzi. So hat er für das Landeskriminalamt NRW zahlreiche Gutachten erstellt. Sogar in Kanada waren seine Kenntnisse bei der Auswertung von Verkehrsunfällen gefragt und auch bei der Fußball WM in Deutschland unterstützte er die Beweissicherung beim Vorgehen gegen Hooligans.

Auf dem Campus Minden gefällt ihm besonders das gute Miteinander unter den Studierenden: "Ich beobachte hier, dass diejenigen, die in Fächern stark sind, ihre Kommilitonen unterstützten. Es gibt kaum Ellenbogenmentalität unter den Studierenden." Auch die gute Ausstattung des Campus lobt der Ingenieur: "Ich bin ja schon viel rumgekommen, auch an anderen Hochschulen. Wir brauchen uns hier wirklich nicht zu verstecken." Die gestiegenen Studierendenzahlen der letzten Jahre findet er erfreulich, aber sie sind auch eine organisatorische Herausforderung: "Wir machen die Vermessungsübung normalerweise mit fünf Studierenden. Bei 120 Personen kann man leicht ausrechnen, wie oft wir sie wiederholen müssen, und das passend zum Stundenplan." Zudem mussten die Lehrveranstaltungen seines im Mai 2013 verstorbenen Kollegen Professor Joachim Bahndorf aufgefangen werden. "Ich nehme da im Sommermester 2014 noch die Prüfungen ab. Aber das ist ja selbstverständlich und auch meine Pflicht, da einzuspringen", sagt Pomaska.
Auch in der Hochschulleitung wirkte Pomaska von 1996 bis 2001 als Prorektor für Forschung und Entwicklung mit.

In Minden ist Pomaska auch für seine Zusammenarbeit mit dem Mindener Museum bekannt. 2012 hat er zum Beispiel für die Ausstellung "Roter Hahn, Schwarzer Tod und Jahrhundertflut" Hochwasserkatastrophen in der Stadt dreidimensional visualisiert, 2013 hat er ein Replikat eines Spielzeugpferdchens aus dem 12. Jahrhundert für die Ausstellung "Pferdestärken im Kinderzimmer" im 3D-Druck produziert.

Pomaska ist als Mitglied einschlägiger wissenschaftlicher Vereinigungen und Verbände rund um Photogrammetrie und Fernerkundung international vernetzt und hat an zahlreichen Tagungen und Kongressen auf der ganzen Welt referiert. Unter anderem leitet er die Arbeitsgruppe Photographie der internationalen wissenschaftlichen Organisation zur Dokumentation von Kulturdenkmälern (CIPA) und ist Mitglied der Kommission V der Internationalen  Gesellschaft für Photogrammetrie und Fernerkundung (ISPRS). Die Reisen und den Austausch mit Menschen aus der ganzen Welt möchte er auch in seinem Ruhestand noch fortführen: "2015 ist ein Kongress in Taipei fest eingeplant".

Neben seinen zahlreichen Internet-Publikationen, die während der Mindener Zeit entstanden, sind auch Buchpublikationen zum Thema Webtechnologie und Open-Source-Visualisierung erschienen. Aktuell ist der im Springer-Verlag aufgelegte Titel zur Webseiten-Programmierung mit den derzeitigen Software-Standards ein Leitfaden für die Studierenden.