18.06.2018

Fotografie trifft auf Mode

Meiken Rau und Emanuel Raab berichten über Interdisziplinarität und die Zusammenarbeit ihrer Studienrichtungen.

von Ly Pham und Leah Mottershead

Fotografie und Mode – das sind nicht nur zwei eigenständige Studienrichtungen innerhalb des Studiengangs Gestaltung am Fachbereich Gestaltung der FH Bielefeld. Sie stehen auch in einer besonderen Verbindung zueinander. Im Seminar Modefotografie & Styling betreuen Prof. Meiken Rau (Lehrgebiet Modellgestaltung und Modedesign) und Prof. Emanuel Raab (Lehrgebiet Fotografie und Bildmedien) Studierende gemeinsam, um ihnen bestmögliche Beratung bei der Planung und Umsetzung von konzeptionell ausgearbeiteten Modestrecken zu ermöglichen. Wir haben sie gemeinsam interviewt und gefragt, inwiefern für sie Mode und Fotografie zusammengehören, von welchen Ideen sie sich bei ihrer Arbeit leiten und inspirieren lassen und was sie von ihren Studierenden erwarten.

 

Frage:

In eurem Kurs Modefotografie & Styling verbindet ihr die Studienrichtungen Fotografie und Mode. Wie wichtig ist für euch Zusammenarbeit am Fachbereich Gestaltung?

 

Meiken Rau:

Sehr wichtig. Das ist ein besonderer Aspekt, der unseren Fachbereich auszeichnet im Vergleich zu anderen Hochschulen: hier bestehen Strukturen und Möglichkeiten, wirklich interdisziplinär zu arbeiten. In der Mode entstehen so immer wieder hervorragende Arbeiten; einmal in der Zusammenarbeit mit der Fotografie bei der Entwicklung von Modefotostrecken und dann mit der Grafik bei der Erstellung der Kollektionsbücher der Modestudierenden. Durch die Interdisziplinarität am Fachbereich lernen die Studierenden so schon im Studium, was später im Job Alltag sein wird; dass man sich ständig mit Leuten aus anderen Disziplinen über Ideen austauscht und zusammen arbeitet.

 

Emanuel Raab:

Austausch ist im Grunde immer ein Gewinn – er bringt für die Studierenden neue Impulse und Ideen, neue Konzepte und Erweiterung der eigenen Arbeit. Die Hochschule ist ein Ort, wo wir diesen Austausch aktiv fördern können. Später im Berufsleben ist man meist als Einzelkämpfer unterwegs. Die Möglichkeiten sind häufig begrenzter als hier. Deshalb wollen wir die Studierenden dazu anregen, diese Chance wahrzunehmen und zu schauen: Was machen die anderen? Wie reagieren sie auf meine Arbeiten? Gibt es Impulse, die mich und meine Arbeit weiterbringen? Dabei geht es auch immer im weitesten wie im engeren Sinne um Kommunikation.

 

Frage:

Wie kam euer gemeinsames Seminar zustande? Was ist eurer Meinung nach der größte Vorteil bei der Zusammenarbeit von Mode und Fotografie Studierenden?

 

Emanuel Raab:

Als ich im Jahr 2000 an den Fachbereich kam, gab es diese Kooperation zwischen den Studienrichtungen Mode und Fotografie bereits. Ich konnte den Faden aufnehmen und weiterspinnen. Das hat von Beginn an sehr gut funktioniert und es gab stets reges Interesse seitens der Studierenden. Es ist immer wieder aufs Neue sehr spannend zu sehen, wie unterschiedliche Positionen, Meinungen und Perspektiven zusammenfinden, um ein gemeinsames Ergebnis zu erzielen. Das ist nicht immer einfach, wie man im Seminar häufig feststellen muss. Die Studierenden aus der Mode haben häufig einen anderen Blick und ein anderes Interesse an ihrer Arbeit als die Fotografinnen und Fotografen, die das gemeinsame Projekt zunächst rein vom Bild her betrachten. Das ist sicherlich für alle eine neue und wichtige Erfahrung.

 

Meiken Rau:

Ich denke, es ist eine Win-Win-Situation. Für die Fotostudierenden ist es von Vorteil, dass sie sich hier mit Modefotografie beschäftigen können – an vielen anderen Hochschulen gibt es diesen Schwerpunkt so nicht. Und für die Modestudierenden ist die Fotografie wichtig, weil sie ihre Arbeiten immer auch fotografisch darstellen müssen. Insofern kommen hier zwei Dinge zusammen, die voneinander profitieren können.

 

Frage:

Welche Herausforderungen und welche Schwierigkeiten ergeben sich einerseits in der Zusammenarbeit mit Studierenden unterschiedlicher Studienrichtungen und andererseits mit einem Kollegen beziehungsweise einer Kollegin einer anderen Studienrichtung?

 

02_Mode

 

Meiken Rau:

Oftmals funktioniert es sehr gut. Aber es gibt natürlich auch ab und zu Teams, die nicht so optimal zusammen kommen, weil sie z.B. unterschiedliche Ideen und Auffassungen haben. Das kann dann aber auch eine wertvolle Erfahrung sein, durch die man lernt, ein Gefühl dafür zu entwickeln, wie und mit welchen Menschen man gut im Team zusammenarbeiten kann. Für mich ist in der Zusammenarbeit mit einer Kollegin oder einem Kollegen wichtig, dass man eine Neugier und Wertschätzung hat für den anderen Blickwinkel der Dinge, die die Person aus ihrer ganz eigenen Position bieten kann.

 

Emanuel Raab:

In der Modefotografie braucht die Mode das Bild und das Bild die Mode. Das macht es letztendlich auch sehr reizvoll. Andere Meinungen, andere Haltungen sind auf jeden Fall dienlich, da sie dazu beitragen, das eigene Tun zu hinterfragen, aus der eigenen Ecke heraus zu kommen, das „Bild“ sozusagen größer zu sehen. Wir versuchen am Fachbereich Gestaltung interdisziplinäres Denken und Arbeiten zu fördern und zu stärken und fordern die Studierenden auf, nach rechts und links zu schauen. Jeder hat seinen Schwerpunkt, aber die Offenheit für andere Disziplinen ist und bleibt immens wichtig.

 

Frage:

Gibt es neben Modefotografie & Styling noch andere Seminare, in denen eurer Meinung nach Interdisziplinarität eine große Rolle spielen sollte?

 

Meiken Rau:

Klassisch ist am Fachbereich die Zusammenarbeit zwischen den Theorie- und Gestaltungskursen. Auch gibt es natürlich die Kooperation in der Gestaltung; z.B. im Wintersemester 2017/18 haben Suse Wiegand (Professorin mit dem Lehrgebiet Plastik und Objekt) und ich ein Seminar angeboten, wo im Kurs Mode und Freie Kunst zusammengefunden haben. Dann ist die jährliche Modenschau des Fachbereichs immer wieder ein sehr großes interdisziplinäres Projekt und so auch die Gestaltung der Werkschau jedes Semester. Wichtig finde ich, dass Studierende diese Projekte auch fordern und sich dafür engagieren.

 

Emanuel Raab:

Das ist ein wichtiger Punkt: dort, wo es auch um das konzeptionelle Gestalten geht, wo die Theorie auch gefragt ist. Solche Seminarangebote gibt es immer wieder. In diesem Semester biete ich mit Kirsten Wagner, Professorin für Kultur- und Kommunikationswissenschaft, ein Seminar zum Thema Stadt.Raum.Porträt an, um entsprechende Fragen gemeinsam zu diskutieren. Ebenso gab es in der Vergangenheit Angebote mit Suse Wiegand, die im Bereich Plastik und Objekt lehrt, um gemeinsam zu erforschen, was passiert, wenn das Bild in den Raum tritt.

 

Frage:

Habt ihr schon einmal darüber nachgedacht, die Rollen zu tauschen? Emanuel, worum beneidest du deine Kollegin in ihrem Fachgebiet und warum wärst du gerne mal die Professor für Mode? Und umgekehrt Meiken, wärst du manchmal lieber für die Fotografie zuständig?

 

Meiken Rau:

Natürlich können wir die Rollen nicht einfach tauschen, weil zu jedem Gebiet bestimmte Fachkompetenzen gehören. Aber ich begeistere mich auf jeden Fall für Fotografie.

 

Emanuel Raab:

Deshalb bieten wir das Seminar auch gemeinsam an: Wir beide lieben die Mode und die Fotografie! Wir brauchen einander, tauschen uns aus, müssen aber deshalb nicht gleich den Part des Anderen übernehmen.

 

Frage:

Letzte Frage: Emanuel, sind auch sonst Modestudierende in deinen Seminaren willkommen? Wenn ja, (oder nein) wieso? Und Meiken, sind auch Fotografie Studierende in deinen Seminaren gern gesehen? Wenn ja, (oder nein) wieso?

 

Emanuel Raab:

Studierende aus der Mode und der Studienrichtung Grafik und Kommunikationsdesign sind immer willkommen.

 

Meiken Rau:

Sie sind natürlich willkommen, aber letztlich sind die Arbeitsweisen doch sehr unterschiedlich in der Mode und Fotografie. Ich denke aber, dass es für Fotografie Studierende, die Modefotografie machen wollen, durchaus interessant sein kann, sich für die Entwicklung ihrer Fotostrecken auch mit den Inspirationen auseinanderzusetzen, anhand derer Modedesignerinnen und -deigner ihre Kollektionen entwickeln. Denn die können Ansätze für spannende Geschichten liefern.

 

Geschichte der Zusammenarbeit

Die Geschichte der Zusammenarbeit zwischen Mode und Fotografie erstreckt sich über viele Jahre und ist heute beliebter denn je. Willemina Hoenderken, seit 1988 Professorin für Modedesign und Mode-Grafik und Karl Martin Holzhäuser, der 1975 zum Professor für Fotografie berufen wurde (bis 2007), riefen den Kurs zusammen ins Leben und bewiesen eindrucksvoll, wie gut und vorteilhaft sich die Kooperation von Fotografie und Mode erwies. Beide agierten dabei nicht nur in der Lehre. Sie arbeiten ebenso als AutorInnen-Team, um ihre Zusammenarbeit in Form von Publikationen zu dokumentieren und mit der interessierten Öffentlichkeit zu teilen. So erschien 1999 das Buch mit dem Titel Mode, Fotografie, Körperkult. Auch das FH-eigene Modemagazin Lampingstraße drei, das 2008 von Kai Dünhölter (von 2006 bis 2016 Professor für Modedesign am Fachbereich Gestaltung) initiiert wurde, beinhaltet Arbeiten, Ideen und Konzepte der Studierenden der Mode, die Fotografinnen und Fotografen in Zusammenarbeit umgesetzt wurden. Seit geraumer Zeit führen Meiken Rau und Emanuel Raab die Tradition des Seminars Modefotografie & Styling fort.

 

Über die Autorinnen: Ly Pham und Leah Mottershead studieren seit dem Sommersemester 2016 Mode am Fachbereich Gestaltung. Im Wintersemester 2017/18 haben sie am interdisziplinären Seminar Modefotografie & Styling teilgenommen.