Pflege und Gesundheit im Dialog mit der Berufsbildungspraxis
Erfolgreicher Auftakt der Mentoren- und Mentorinnenqualifizierung zum "Forschenden Lernen in Praxisphasen"
Bielefeld (fhb). Als erster von insgesamt vier Bausteinen fand Mitte Oktober der Auftakt zu einer Qualifizierung von Mentorinnen und Mentoren statt, die sich mit dem Thema 'Forschendes Lernen' in der Lehreinheit Pflege und Gesundheit beschäftigen. 35 Teilnehmende hatten sich angemeldet, größtenteils Lehrkräfte, die in den Schulen des Gesundheitswesens Studierende im Rahmen ihrer Praktika betreuen. Unter dem Begriff 'Forschendes Lernen'im Studium der Lehrerbildung verstehen Fachleute insbesondere die theoriegeleitete Erforschung der beruflichen Praxis von Lehrkräften. Dabei erfolgt eine Verknüpfung von Praxis- und Forschungsorientierung mit Blick auf das spätere berufliche Handlungsfeld. Die Studierenden werden zugleich zu aktiven Forschern und Mitgestaltern im Studium.
Prof. Dr. Ulrike Weyland, in der Lehreinheit zuständig für das Lehrgebiet Pädagogik, insbesondere Berufspädagogik für Gesundheitsberufe und Pädagogische Psychologie, hatte eingeladen und eingangs referiert: "Hintergrund für diesen Baustein war ein zum laufenden Wintersemester verändertes Studiengangskonzept der neu entwickelten Bachelor-Studiengänge 'Berufliche Bildung Pflege' und 'Berufliche Bildung Therapie' und des hierauf aufbauenden Master-Studiengangs Pflege und Therapie." Während die Bachelor-Studiengänge stärker auf die Befähigung zu einer Tätigkeit als betriebliches Bildungspersonal abzielen, bereitet der Masterstudiengang primär auf eine Lehr- oder Leitungstätigkeit an Schulen des Gesundheitswesens vor. Weyland: "In die Studiengangsreform eingebunden waren auch die im Studium vorgesehenen drei Praxisphasen. Diese wurden in Bezug auf den hochschuldidaktischen Ansatz des 'Forschenden Lernens' weiterentwickelt."
Alle vorgesehenen Praxisphasen werden durch entsprechende Lehrveranstaltungen vor- und nachbereitet sowie durch Hochschullehrende begleitet. Zugleich kann in der Zusammenarbeit mit den Schulen auf ein langjähriges, kooperativ angelegtes Netzwerk zu den Gesundheits- und Bildungseinrichtungen zurückgegriffen werden. Weyland hob dabei besonders hervor, dass den Mentoren und Mentorinnen als betreuende Lehrkräfte in den Schulen eine bedeutsame Aufgabe zukomme, gerade was das Gelingen der insbesondere schulisch akzentuierten Praxisphasen betrifft.
Seit dem Wintersemester nimmt nun das Forschende Lernen als hochschuldidaktischer Zugang eine ganz besondere Rolle in den Praxisphasen ein. Dabei werden Forschen und Lernen miteinander verbunden und die Studierenden erhalten somit die Möglichkeit, ausgehend von spezifischen Problem- und Fragestellungen, "die betriebliche und schulische Praxis theorie- und forschungsgeleitet zu erkunden", so Weyland. Durch das systematische Beobachten unterrichtlicher Praxis sollen dabei nicht nur Rückfragen an die Theorien zu Unterricht und Lehrerhandeln, sondern auch eigene subjektive Annahmen, zum Beispiel über guten Unterricht, zum Gegenstand der Auseinandersetzung werden. Weyland weiter: "'Forschendes Lernen' erfordert allerdings auch eine gute Vorbereitung und langsame Heranführung der Studierenden, damit es nicht zu einer Überforderung kommt." So seien im Studienverlauf entsprechende Schwerpunkte zu setzen, und die Studierenden müssten beispielsweise langsam an eine systematische Unterrichtsbeobachtung herangeführt werden.
Die Weiterentwicklung der Praxisphasen um den Ansatz des 'Forschenden Lernens' könne aber nur gelingen, so Weyland in Anlehnung an empirische Erkenntnisse, "wenn auch die Mentoren und Mentorinnen in den entsprechenden Einrichtungen auf diese neue Aufgabe vorbereitet werden". Daher wurde ein über die Dauer von einem Jahr sich erstreckendes und aus vier einzelnen, aufeinander aufbauenden Bausteinen bestehendes Qualifizierungskonzept erarbeitet. Dieses Konzept wurde von Professorin Dr. Weyland und den Kolleginnen Dipl.-Päd. Karin Böhmker und Dipl.-Päd. Martha Jopt über einen mehrmonatigen Zeitraum hinweg entwickelt. Neben der Zielsetzung, dass die Mentoren und Mentorinnen die Studierenden in ihren Forschungsvorhaben entsprechend unterstützen können, besteht ein weiteres Anliegen in der Qualifizierung der Mentoren und Mentorinnen zur eigenen Praxisforschung. Weyland: " Sie sollen dazu befähigt werden, auf Dauer auch eigene Forschungen in der Schule durchführen zu können. Damit wird ein spezifischer Beitrag zur eigenen Schul- und Unterrichtsentwicklung in den jeweils kooperierenden Schulen geleistet."
Der nächste Baustein wird Ende Januar angeboten. Dann soll die Thematik "Unterrichtsbeobachtung" vertiefend erarbeitet werden. "Analysen zu weiteren videogestützten Unterrichtsausschnitten werden ebenso eingebunden wie die Präsentation erster studentischer Forschungsarbeiten, auch in Zusammenarbeit mit Vertretern der Universität Bielefeld", blickt Prof. Dr. Ulrike Weyland voraus.