Smart Recycling Factory: Forschungsinfrastruktur für die Circular Economy von morgen

Mit der SMART RECYCLING FACTORY (SRF) entsteht in Ostwestfalen-Lippe ein deutschlandweit einzigartiges Forschungs- und Transferzentrum für die Kreislaufwirtschaft der Zukunft. In enger Kooperation von Hochschulen, kommunalen Akteuren und der Wirtschaft wird am Standort der Deponie Pohlsche Heide eine baulich-digitale Forschungsinfrastruktur aufgebaut, die Unternehmen konkrete Antworten auf zentrale Herausforderungen der Circular Economy liefert – von der sortenreinen Rückgewinnung von Wertstoffen bis zur Entwicklung marktfähiger, zirkulärer Produkte.

Die Expert:innen aus dem Fachbereich Wirtschaft der Hochschule Bielefeld (HSBI) bringen dabei insbesondere ihre Kompetenzen zur umfassenden EU-Regulierung im Bereich der Digitalisierung und Kreislaufwirtschaft ein. Damit fungieren sie als Brücke zwischen technischer Entwicklung und Umsetzung in der Wirtschaft.

Zahlreiche EU-Verordnungen stellen bereits regulatorische Anforderungen an das Produktdesign. Zu nennen sind hier insbesondere die Ökodesign-Verordnung (Verordnung (EU) 2024/1781), die Batterieverordnung (Verordnung (EU) 2023/1542) sowie die Bauprodukteverordnung (Verordnung (EU) 2024/3110). Die in diesen Verordnungen festgelegten Produktinformationen – wie Rezyklatanteil, Herstellerangaben oder CO₂-Fußabdruck – sind zukünftig über einen Digitalen Produktpass (DPP) den Stakeholdern der Kreislaufwirtschaft bereit zu stellen. Flankiert werden diese Regelungen von weiteren Rechtsakten, wie der DSGVO oder dem Data Act, die zusätzliche Anforderungen an Datenmanagement und Datenschutz stellen. Ab Februar 2027 wird erstmalig die Verwendung eines DPP für Hersteller von Batterien verpflichtend.

Im Rahmen des Teilprojekts „Digitaler Produktpass“ des EFRE-Projekts„Forschungsinfrastruktur für die Smart Recycling Factory“ entwickelt das Team Wirtschaftsrecht, bestehend aus Prof. Dr. Christiane Nitschke und Mag. iur. Julian Hassl, gemeinsam mit dem Fachbereich Ingenieurwesen und Mathematik der HSBI und Informatikern der TH OWL einen Prototyp des DPP. Dieser Prototyp basiert auf der Blockchain-Technologie, was insbesondere im Bereich Datensicherheit und -integrität klare Vorteile bietet, aber auch technische Herausforderungen mit sich bringt. 

Darüber hinaus wird der DPP-Prototyp sensorische Erweiterungen enthalten. Dadurch können zusätzliche, nicht verpflichtende Angaben erfasst werden, die sowohl die Attraktivität des DPP für Unternehmen als auch die Datenqualität für Endnutzer erhöhen. Besonders relevant sind hier Informationen über den Zustand von Produkten sowie deren Alterungsprozesse. Die Nutzung solcher sensorgestützten Daten ermöglicht zukünftig eine genauere Vorhersage von Produktlebensdauer, Wartungsintervallen und Recyclingpotenzial – ein entscheidender Schritt für die effiziente Ressourcennutzung.

Neben regulatorischen Vorgaben sind auch technische Normen von großer Bedeutung. Die EU hat die Relevanz erkannt und die zuständigen Normungsorganisationen CEN, CENELEC und ETSI mit entsprechenden Normungsaufträgen beauftragt. Es ist zu erwarten, dass diese Normen künftig durch Verweise in delegierten Rechtsakten oder Durchführungsrechtsakten für Unternehmen verbindlich werden.

Das Jahr 2026 steht unter dem Stern des DPP: Bereits bis Ende Februar 2026 wurden zahlreiche delegierte Rechtsakte sowie mehrere Normungsaufträge im Entwurf veröffentlicht, die den DPP flankieren.

Auch für das Bausegment erkennt die EU die Chancen des DPP. Neben der geplanten Verpflichtung für einzelne Bauprodukte, wie Fenster oder Türen, soll bis Ende 2028 ein Digital Building Logbook (DBL) eingeführt werden, das alle gebäudebezogenen Daten bündelt und DPP für Bauprodukte integriert. Damit entsteht erstmals eine umfassende digitale Datenbasis für nachhaltiges Bauen, die Transparenz über Materialflüsse und Produktlebenszyklen ermöglicht. Diese zukünftige Planung wird im Teilprojekt „Begleitforschung am Bau“ verfolgt. Hier fließen die Arbeiten aus beiden Teilprojekten zusammen, um eine modulare Implementierung des DPP in den Gebäuderessourcenpass und perspektivisch in das DBL rechtlich abzusichern.

Mit dem DPP will die EU flächendeckend die Kreislauffähigkeit aller in der EU vertriebenen Produkte beurteilen und der bestmöglichen Verwertungsmöglichkeit zuführen können. Zur Realisierung dieses Ziels bedient sie sich des DPP und führt ihn schrittweise flächendeckend für alle Branchen ein. Unternehmen haben die Chance, mit der Implementierung des DDP in ihren Produkten nicht nur die gesetzlichen Anforderungen zu erfüllen, sondern auch neue Geschäftsmodelle mit datenbasierten Services für ihre Kunden zu realisieren. Darüber hinaus bietet sich derzeit noch die Chance, die Detailregelungen der EU, die überwiegend durch delegierte Rechtsakte und Durchführungsrechtsakte realisiert werden, zu beeinflussen. Wir, die Mitwirkenden des Teilprojekts Digitaler Produktpass, freuen uns auf den Austausch mit Ihnen. 

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Prof. Dr. jur. Christiane Nitschke, LL.M.
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Julian Hassl, Magister Juris
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