17.11.2025

50 Jahre Studienstart - Ingenieurabsolventen zu Gast am Fachbereich IuM

Fünfzig Jahre nach ihrem Studienbeginn kehrten ehemalige Studierende des damaligen Fachbereichs Elektrotechnik – heute Ingenieurwissenschaften und Mathematik (IuM) – an die Hochschule Bielefeld zurück. Am vergangenen Freitag trafen sich die Jubilare in der Eingangshalle der HSBI, wo sie von Prof. Dr. Joachim Waßmuth herzlich empfangen wurden.

Initiator des Treffens war Hubert Meissner, der gemeinsam mit Mitorganisator Michael Schnatwinkel die Gruppe zusammengeführt hatte. „Wir sind neun von 21, die gemeinsam das Studium 1975 begonnen und 1979 beendet haben. Das letzte Treffen liegt 20 Jahre zurück. Aufgrund unseres Alters jubilieren wir unseren Studienbeginn und nicht den Abschluss“, schmunzelt Meissner. Ihre gemeinsame Studienrichtung damals: Elektrische Energietechnik.

Wandel des Fachbereichs: Elektrotechnik-Studium zu IuM

Sieben Männer sitzen in einer Reihe im Hörsaal und füllen ein Dokument aus.
Auch wenn es bei den Jubilaren fast 50 Jahre her ist. Das Gefühl wenn man im Hörsaal sitzt und die Prüfung losgeht kennen sie noch alle.

Im Anschluss begrüßte Dekan Prof. Dr. Rolf Naumann die Gäste und gab einen umfassenden Überblick über die Entwicklung des Fachbereichs in den vergangenen fünf Jahrzehnten. Heute vereint der Fachbereich IuM die früher getrennten ingenieurwissenschaftlichen Bereiche, bietet neue Studienmodelle wie das praxisintegrierte Studium am Campus Gütersloh und berufsbegleitende Formate an und legt großen Wert auf Internationalisierung sowie ein attraktives, vielfältiges Studienangebot. Naumann betonte die enge Verbindung zwischen Lehre und Praxis, die bis heute das Profil des Fachbereichs prägt. Zugleich sei sichtbar, dass sich die ingenieurwissenschaftlichen Grundlagen über die Jahrzehnte hinweg kaum verändert haben – während technische Möglichkeiten, Anforderungen und Berufsfelder erheblich gewachsen seien. „Unsere Aufgabe ist es, angehende Ingenieurinnen und Ingenieure so auszubilden, dass sie moderne technische Systeme verstehen, weiterentwickeln und in komplexen digitalen Umgebungen sicher steuern können“, so Naumann. Auch die räumliche Entwicklung sprach er an: „Es macht viel aus, wo man studiert. In diesem Gebäude haben wir aufgrund der Architektur besonders engen Kontakt zu den Studierenden.“ Ein deutlicher Unterschied zum damaligen Standort des Fachbereichs Elektrotechnik an der Wilhelm-Bertelsmann-Straße, der den Jubilierenden noch gut in Erinnerung ist.

Neun Männer sitzen in einer Reihe im Hörsaal. Ansonsten ist der Hörsaal leer.
Die Tafel ist jetzt digital, aber die wichtigste Erkenntnis ist nach all den Jahren noch dieselbe: Dass man die besten Lektionen nicht von einer Tafel, sondern voneinander lernt. Zusammenhalt war damals wie heute das wichtigste unter den angehenden Ingenieur:innen am Fachbereich IuM.

Forschung heute: Anwendungsorientierte Schwerpunkte und Projekte

Einen spannenden Einblick in die Forschung bot Prodekan Prof. Dr. Axel Schneider. Er betonte die gewachsene Bedeutung der Forschung an Hochschulen für Angewandte Wissenschaften: „Im Mittelpunkt steht die Anwendungsforschung – nicht die Grundlagenforschung wie an Universitäten.“ Der Fachbereich decke ein breites Spektrum ab – von nachhaltigen Energielösungen über datengetriebene Produktionstechnik bis hin zu innovativer Leichtbauentwicklung. Darüber hinaus wurde ein Blick auf die beiden zentralen Forschungsschwerpunkte des Fachbereichs geworfen. Im Schwerpunkt Technologie für den Menschen stehen Entwicklungen im Bereich der Medizintechnik – etwa Unterstützungs- und Assistenzsysteme –, der Mechatronik und Bio-Mechatronik mit Fokus auf Mobilität, Ergonomie und nutzerfreundliche Interfaces sowie die Entwicklung intelligenter Materialien im Mittelpunkt. Der zweite Schwerpunkt Technologie für Energie und Stoffe umfasst Themen wie intelligentes Ressourcenmanagement, moderne Formen der Energiegewinnung und -nutzung, Stoffumwandlungstechnik, Kreislaufwirtschaft und innovative Leichtbaukonzepte.

Im Anschluss führte Prof. Dr. Waßmuth die Gruppe durch ausgewählte Laborbereiche. Wie anwendungsorientierte Forschung aussehen kann wurde dort direkt deutlich: Am Institut für Systemdynamik und Mechatronik wird ein Messsystem entwickelt, das durch die präzise Erfassung der Druckverteilung die ideale Liegeposition für Patienten in Pflegebetten ermittelt, um ihren Liegekomfort durch minimales Verstellen maximal zu verbessern. Natürlich  durfte auch ein Besuch der früheren Wirkungsstätte von Diplom-Ingenieur Hubert Meissner nicht fehlen, der nach seinem Studium fast 40 Jahre lang – oder 80 Semester – als wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Hochschule tätig war. „Im Laborbereich Sensorik-Aktorik-Qualität hat sich zwar einiges getan, aber seine Sortierung der Materialschränke ist nach wie vor im Einsatz“, betonte Waßmuth. Meissner habe maßgeblich den Grundstock für die heutige Ausstattung und Weiterentwicklung des Labors gelegt.

Gemeinsame Wege, starke Erinnerungen und Gemeinschaft die bleibt

Schülerlabor
Mitmachaktionen und Geschanke für die Enkel im Schüler:innenlabor der HSBI.

Besonderen Spaß bereitete den Gästen auch die Besichtigung des Schüler:innenlabors, wo Mitmachaktionen und Geschenke für die Enkelkinder auf sie warteten. „Dieses Labor darf jeder nur mit einem Lächeln verlassen“, so Silja Stark, Mitarbeiterin im Schüler:innenlabor. Zwei Jubilare erzählten zudem stolz, dass auch ihre Söhne am Fachbereich IuM studiert haben.

Rückblickend berichtete Hubert Meissner über den einzigartigen Zusammenhalt in ihrer damaligen Studiengruppe: „Nach den Lehrveranstaltungen haben wir uns fast täglich zusammengesetzt und die Lehrinhalte besprochen. Alleine konnte man das nicht bewältigen. Jeder von uns hat eine Aufgabe gerechnet und am nächsten Tag vorgestellt. Der Zusammenhalt war einmalig.“. Als Studenten haben sie sogar drei größere Exkursionen mit Übernachtungen unternommen. Besonders in Erinnerung geblieben ist Meissner die Übernachtung in einer Jugendherberge unter dem Berliner Olympiastadion. Regelmäßige Treffen prägen die Gruppe bis heute.

Zum Abschluss des Nachmittags bestand die Möglichkeit, sich im Rahmen eines Zoom-Meetings auch digital mit weiteren ehemaligen Kommilitoninnen und Kommilitonen auszutauschen, die nicht vor Ort sein konnten. So wurde das Jubiläum nicht nur zu einem Wiedersehen mit alten Weggefährten, sondern auch zu einem lebendigen Austausch über die Entwicklung des Ingenieurberufs im Wandel der Zeit. (th/jrf)