08.05.2012

10.000 Abonnenten für Bielefelder Mathe- und Informatik-Videos

Vor mehr als drei Jahren hat Prof. Dr. Jörn Loviscach vom Fachbereich IuM der Fachhochschule Bielefeld begonnen, Mitschnitte seiner Vorlesungen auf die Internet-Videoplattform YouTube zu stellen. Nun hat sein ungewöhnliches Angebot einen neuen Meilenstein erreicht.
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Vor mehr als drei Jahren hat Prof. Dr. Jörn Loviscach vom Fachbereich Ingenieurwissenschaften und Mathematik der Fachhochschule Bielefeld begonnen, Mitschnitte seiner Vorlesungen auf die Internet-Videoplattform YouTube zu stellen. Nun hat sein Angebot einen neuen Meilenstein erreicht: Mehr als 10.000 Abonnenten des YouTube-Kanals lassen sich regelmäßig über alle neuen Videos informieren. Die etwa 1800 Videos wurden inzwischen mehr als fünf Millionen Mal angeklickt.

Von der Bruchrechnung bis hin zu komplexen Differentialgleichungen und von der Bedienung eines Taschenrechners bis hin zum Programmieren von Spracherkennung reicht das Angebot. Getreu dem Motto "Zeigen statt Erzählen" handelt es sich dabei nicht um PowerPoint-Vorträge, sondern um in Echtzeit in Handschrift entstehende elektronische Tafelbilder vom stiftbedienten Windows-Tablet-PC, verbunden mit Demonstrationen von Anwendungssoftware und live vorgeführter Softwareentwicklung. Die Videos wie die begleitenden Skripte, Aufgaben, Lösungen und Beispielprogramme sind frei verfügbar.

Dem aktuellen Medienrummel um kostensparenden Unterricht per Video steht der Professor allerdings skeptisch gegenüber: "Wir laufen Gefahr, mit Videos den Frontalunterricht zum Maß aller Dinge zu erklären. Aus meinen Lehrveranstaltungen weiß ich dagegen, dass man in Videos die grundlegenden Begriffe und Methoden vorstellen kann, aber dass es dann noch ein sehr weiter Weg für die Studentinnen und Studenten ist, damit kreativ umzugehen, statt nur unverstandene Rezepte zu reproduzieren. Das gilt selbst, obwohl ich versuche, in den Videos mehr das 'Warum' als das 'Wie' zu zeigen."

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In seinen Vorlesungen setzt Loviscach deshalb auf das Konzept des "Inverted Classroom", auch "Flipped Classroom" genannt: Die Studentinnen und Studenten verschaffen sich vorher mit den Videos und als Lückentexten gestalteten Skripten einen Überblick. In der Vorlesung bearbeiten sie dagegen in Partnerarbeit mehr oder minder komplizierte Aufgaben, während Loviscach individuelle Anregungen und Hilfestellungen gibt: "Es ist immer wieder überraschend, welche Irrwege, aber auch welche ungewöhnlichen Lösungsansätze man dabei sieht. Wenn man dagegen, wie aktuell im Internet zu beobachten, nur einen automatisierten Multiple-Choice-Test anbietet, der nach dem richtigen Ergebnis fragt, kann man der Leistung der Studentinnen und Studenten kaum gerecht werden."

Inzwischen gibt es das erste Video eines "Gastdozenten" auf dem YouTube-Kanal. Loviscach plant, dies noch weiter auszubauen und für fortgeschrittene Themen auch selbst noch mehr englischsprachige Videos anzubieten. Vor allem liegt ihm aber die "Halbwertszeit des Wissens" am Herzen - in einer anderen als der üblichen Bedeutung: "An deutschen Hochschulen ist es üblich, in den ersten zwei oder drei Semestern Mathematik 'auf Vorrat' zu lernen. Dann darf man sich nicht wunden, wenn im vierten Semester nicht einmal mehr eine Geradengleichung klappt. Dieses Problem scheint mir die nächste große Herausforderung."