17.06.2015

Fachbereichs- und Hochschulübergreifende Zusammenarbeit

Ein Interview mit dem Dekan Prof. Lothar Budde, sowie den Professoren Axel Schneider und Thomas Kordisch über Kooperationen für die Zukunft des Fachbereichs IuM.

Der Fachbereich Ingenieurwissenschaften und Mathematik (IuM) schafft Kooperationen für die Zukunft. Das Interview mit dem Dekan des Fachbereichs, Prof. Dr. Lothar Budde, sowie den Professoren Dr. Axel Schneider und Dr. Thomas Kordisch, steht mit seinen Beispielen stellvertretend für die zahlreichen Kooperationsformen des Fachbereichs. Es werden mögliche Perspektiven des interdisziplinären Arbeitens aufgezeigt.

"Agieren statt reagieren!", so lautet das Credo des Fachbereichs IuM und mit diesem Statement startete Dekan Budde das Gespräch. Flexibilität und Innovationsbereitschaft seien die Garanten für eine Sicherung des Spitzenplatzes einer Hochschule. So kann die Konkurrenzsituation auf dem Bildungssektor auch äußerst positive Konsequenzen mit sich bringen. Um für künftige Generationen von Studierenden attraktiv zu sein, kann es daher für die am Gespräch teilnehmenden Professoren nur eine logische Konsequenz geben: die Bündelung und Verknüpfung von Ressourcen, das heißt Kooperationen auf unterschiedlichsten Ebenen sind dafür von grundlegender Bedeutung. Das Bewusstsein um die Notwendigkeit des interdisziplinären Lehrens und Lernens nimmt dabei für alle drei eine zentrale Position ein.

Interdisziplinäres Projekt Human Tec
Ein Beispiel für die faktische Umsetzung solcher Kooperationen ist "Human Tec". In diesem ambitionierten Projekt arbeiten der Fachbereich IuM und der Fachbereich Wirtschaft und Gesundheit Seite an Seite in einem vom BMBF geförderten Projekt, welches sich mit der Entwicklung berufsbegleitender Studienangebote zur Professionalisierung des betrieblichen Bildungspersonals im Humandienstleistungs- und Technikbereich beschäftigt. Neben der internen Kooperation sind an dem Projekt auch verschiedene externe Kooperationspartner beteiligt, da gerade bei berufsbegleitenden Studiengängen die Bedarfe und die Randbedingungen in der Wirtschaft mit berücksichtigt werden müssen. Durch die Möglichkeit, einzelne Module als Zertifikate zu belegen, ist für dieses Projekt das Thema wissenschaftliche Weiterbildung im Kontext des Lebenslangen Lernens ein wichtiger Baustein.

"Die Interaktion von verschiedenen Fachbereichen einer Hochschule bringt positive Synergieeffekte für alle Beteiligten, da insbesondere die Studierenden bestens voneinander profitieren können. Doch auch da gibt es Grenzen, die nur durch weiterreichende Kooperationen optimiert werden können", so Budde. Aus diesem Grund ist die Beteiligung anderer Einrichtungen gefragt.

Aufgrund ständig steigender fachlicher und pädagogischer Anforderungen besteht in der Wirtschaft ein Qualifizierungs- und Professionalisierungsbedarf für betriebliches Bildungspersonal, welches im Aus- und Weiterbildungsbereich Bildungsprozesse initiiert und gestaltet. Im Zuge der Fachkräftesicherung erlangt dieser Bereich eine immer größer werdende Bedeutung.

"Viele Unternehmen haben erkannt, dass sie qualifizierte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter brauchen. Dieses Engagement für berufliche Bildung wollen wir durch entsprechende Studienangebote unterstützen", weiß Professorin Dr. Ulrike Weyland von der Universität Münster. "Neben dem rein fachlichen Austausch, bekommt man im Rahmen eines solchen interdisziplinären Projektes auch Einblicke in andere Fachkulturen und Forschungsmethoden. Dieses erweitert den eigenen Forschungshorizont und macht unheimlich Spaß" ergänzt Prof. Dr. Thomas Kordisch.

Gemeinsamer Masterstudiengang BioMechatronik
Eine weitere wichtige Kooperation der Zukunft wird die paritätische Zusammenarbeit des Fachbereichs IuM mit der Universität Bielefeld sein. Wie essentiell diese Form der Kooperation mit gemeinsamen Lehrangeboten vor allem im Bereich der Forschung und Technik ist, erklärt Prof. Dr.-Ing. Ulrich Rückert von der Universität Bielefeld: "Der geplante Masterstudiengang Bio Mechatronik ist ein sehr guter Ausgangspunkt für eine engere Forschungskooperation beider Hochschulen, die sich in diesem Bereich ausgezeichnet ergänzen."

Kooperation kann auch die Grundlage für Ressourceneffizienz sein. So wird der gemeinsame Stundenplan des geplanten Masterstudiengangs von Fachhochschule und Universität kollektiv gestaltet. Bei dieser Form des interdisziplinären Arbeitens zeigt sich, dass alle Kooperationspartner gleichwertig sind "Beide Hochschulen begegnen sich auf Augenhöhe. Es hat nicht nur einer den Hut auf, hier werden Mauern eingerissen", erklärt Prof. Schneider den gleichberechtigten Charakter der Zusammenarbeit. 

Interdisziplinäres Arbeiten für eine zukunftssichere Hochschule
Die praktische Bedeutung des interdisziplinären Arbeitens auf allen Ebenen wird von Prof. Budde noch einmal nachdrücklich unterstrichen: "Die Fachkräftesicherung ist ein wichtiges Thema im Bereich Technik. Es geht darum, Vorbehalte gegen Technik abzubauen und Schnittstellen durchlässiger zu gestalten." Und auch hier haben die geplanten Masterstudiengänge Beispielcharakter. Um die geforderte Durchlässigkeit universell gestalten zu können, wird eine Hochschulzugangsberechtigung für die Belegung einzelner Seminare nicht zwingend erforderlich sein. Mit der Umsetzung eines so komplexen, interdisziplinären Arbeitens wird also gewährleistet werden, dass der Fachbereich Ingenieurwissenschaften und Mathematik im akademischen Wettbewerb bestehen kann. Denn eines ist allen Beteiligten bewusst: Die klassische Hochschule ist ein Auslaufmodell und die Chance für die Zukunft besteht darin, schon heute das starre Korsett der staatlichen Hochschulen aufzubrechen und sie damit nicht nur zukunftssicher, sondern effektiver und attraktiver zu machen. Damit rückt Prof. Buddes Prognose, dass die Fachhochschule Bielefeld gemeinsam mit ihren Partnern aktiv in die Zukunft gehen wird ein Stück näher. (th)