Das Praxisbüro des Fachbereichs IuM hatte am Freitag, den 24. Oktober zum zweiten Mal zu einem interessant gestalteten Workshop für Frauen zum Thema „Netzwerken als Erfolgsstrategie“ eingeladen.
"Wenn du Fisch willst, dann geh dahin, wo Fisch ist und nimm dein Netz mit!" dieses chinesische Sprichwort trifft die Kernaussagen des kurzweiligen Workshops am vergangenen Freitag, den 24. Oktober. Das Praxisbüro des Fachbereichs Ingenieurwissenschaften und Mathematik (IuM) der Fachhochschule Bielefeld hatte aufgrund der guten Resonanz der ersten Veranstaltung zum Thema "Netzwerken als Erfolgsstrategie" erneut zu einem interessant gestalteten Nachmittag eingeladen. Wie bereits im Herbst 2009 folgten viele Studentinnen, Industrievertreterinnen sowie Lehrende und Mitarbeiterinnen der Fachhochschule Bielefeld gerne der Einladung. Mit 55 Teilnehmerinnen war der Workshop komplett ausgebucht. Brigitte Böwingloh, Leiterin des Praxisbüros IuM, Prof. Sonja Schöning, Prodekanin des Fachbereichs IuM und Prof. Ulrike Settnik, Gleichstellungsbeauftragte der Fachhochschule Bielefeld begrüßten die Gäste in der Werner-Bock-Straße.
Nimmt man den Tenor Ihrer einführenden Worte zusammen, so ist das häufig zu beobachtende zurückhaltende und bescheidene Verhalten von Frauen in der Berufswelt dieses, welchem entgegen gewirkt werden sollte. Die Veranstaltung folgte somit dem Ziel der Sensibilisierung für diesen Umstand und im zweiten Schritt sollte zum konkreten Handeln mobilisiert werden.
Nach der Begrüßung und der Vorstellung des Programms übernahm Susanne Volkmer das Wort. Die Dipl.-Pädagogin arbeitet als Trainerin unter anderem zu Karrierestrategien und dazu gehört in diesem Zusammenhang auch das erfolgreiche Netzwerken. "Mein Ehrgeiz ist es, die Menschen zum `tun` zu bewegen. Es geht darum, die eigene Handbremse zu lösen und das kann niemand außer man selbst", so Volkmer. Der Nachmittag war so aufgebaut, dass neben Erfahrungsberichten bereits erprobter Netzwerkerinnen praktische Einheiten eingebaut wurden. Diese waren so gestaltet, dass man 15 andere Teilnehmerinnen in jedem Fall näher kennen lernt. Darüber hinaus gab es natürlich kein Limit. Eine überwiegende Erfahrung von Susanne Volkmer ist, dass die meisten Frauen eher introvertiert sind. Die Ratgeber zum Netzwerken seien aber beinahe ausschließlich auf eine extrovertierte Leserschaft abgezielt. Deshalb sei es wichtig, dass individuell dem Typus entsprechende Netzwerken für sich herauszufinden. Gelegenheit dieser Frage auf den Grund zu gehen gab es bei der ersten einführenden Übung, dem MINI-Speed Dating. Dabei hatten jeweils zwei Frauen acht Minuten Zeit, sich einander vorzustellen. Neben dem Namen und der beruflichen Tätigkeit ging es auch darum, drei prägnante Dinge über sich zu erzählen und eine Situation aus der Vergangenheit zu beschreiben, in der einem die Arbeit richtig Freude gemacht hat. Es folgte ein lebendiger Austausch bei beinahe ausgelassener Stimmung.
An die Aufwärmübung schloss der Vortrag von Susanne Volkmer zu einem zentralen Moment der Karrierestrategien, dem "Netzwerkmarketing" an. Das Gegenteil sei bei den meisten Ihrer Klientinnen der Fall. Erste typische Strategie: Das "Abwarten" oder auch die "fleißiges Bienchen Strategie" genannt. Frau wartet also darauf, dass ihre Leistung entdeckt wird. Eine weitere häufig zu beobachtende Strategie ist das "sich klein machen". Ob aus Perfektionismus oder Understatement, auch das sei keine empfehlenswerte Methode, um im Berufsleben erfolgreicher zu werden. Und zu guter Letzt führte sie die sogenannte "Niedlichkeitsmasche" an, die häufig verhindern soll, dass andere sich bedroht fühlen. "Doch auch mit dieser Strategie wird man Ihnen keine verantwortungsvollen Projekte übertragen", schließt Volkmer aus der dritten Fehlstrategie. Da viele Frauen Netzwerken in Ihrem Wertesystem als etwas Negatives oder Penetrantes bewerten, schlägt die erfahrene Beraterin vor, dem Netzwerken einen neuen Rahmen zu geben. Beispielsweise den, dass Netzwerken die Möglichkeit beinhaltet sinnstiftende Kontakte zu knüpfen.
Um diesen neuen Rahmen zu beherzigen, zählt vor allem die richtige Vorbereitung. Die Frage, was ist mein Ziel, ist der erste Schritt. "Fertigen Sie einen mentalen Einkaufszettel an, denn ohne Ziel ist auch der Weg egal", so Volkmer. Netzwerken ist nicht beliebig sondern zielorientiert. Es geht darum auf Augenhöhe zu agieren. Die Devise lautet, erst geben, dann nehmen. Der beste Einstieg sind berufliche Gemeinsamkeiten und der Austausch von Wissen. Und zwar ohne eine Gegenleistung zu erwarten. Netzwerken sei Beziehungspflege und fußt auf Vertrauen.
Im Anschluss interviewte die stellvertretende Gleichstellungsbeauftragte des Fachbereichs IuM, Dr. Elke Koppenrade, zwei Frauen, die durch Netzwerkarbeit innerhalb kürzester Zeit beruflich stark profitieren konnten. Erste Gesprächspartnerin war die Mathematikstudentin Darja Schmidt. Sie bewarb sich trotz Zweifel für ein Stipendium beim Studienfond OWL. Mit ihrem Motivationsschreiben konnte sie sich gegen zahlreiche Mitbewerberinnen durchsetzen. Seither konnte die vom VDI OWL geförderte Studentin bei zahlreichen Veranstaltungen teilnehmen und bekam auf diesem Wege nicht nur ihre ersten Visitenkarten. "Ich gehe heute viel offener auf meine Mitmenschen zu, denn ich hatte viele Gelegenheiten, das Netzwerken sprichwörtlich zu üben. Bei einer der zahlreichen Veranstaltungen, die ich im Rahmen des Stipendiums besucht habe, durfte ich auch meine jetzige Chefin kennenlernen", berichtet Schmidt begeistert.
Ganz ähnlich erging es der zweiten Interviewpartnerin Mirjana Strahinovic, der heutigen Leiterin des Arbeitskreises Frauen im Ingenieurberuf (fib) im VDI OWL und der ehemaligen Maschinenbaustudentin der Fachhochschule Bielefeld. Ihr Tipp für die Teilnehmerinnen "Sichtbar werden". "Seien Sie möglichst entspannt und versuchen Sie das Ganze als Spaß zu betrachten. Nehmen Sie die positive Einstellung aus privaten Netzwerken mit. Sichtbar werden heißt ganz praktisch, nicht nur deutlich seinen Namen zu nennen, sondern im Gespräch eine Visitenkarte zu überreichen", so Strahinovic. Auch Sie hat die Netzwerkarbeit zu ihrem jetzigen Job geführt. Nach der Pause ging es zum rein praktischen Teil des Workshops, dem sogenannten Worldcafe. Dabei sollten in Gesprächsrunden bei wechselnden Tischgruppen jeweils drei Aspekte ausgearbeitet werden, die für erfolgreiches Netzwerken besonders hilfreich sind. Vorab hatte jede Teilnehmerin die Aufgabe, sich in einer kurzen Selbstpräsentation vorzustellen. Diese Übung brachte so anregende Gespräche mit sich, dass die Teilnehmerinnen den Schlussgong gerne überhört hätten. Im Plenum wurden die Arbeitsergebnisse präsentiert. Für eine gelungene Selbstpräsentation wurden folgende Faktoren genannt: Authentizität, Mut, Offenheit, sicheres Auftreten und Vorbereitung. In puncto Netzwerken wurde überwiegend aufgeführt, dass man mit Leidenschaft erzählen sollte, die Begeisterung für die eigene Sache muss rüber kommen, Ergebnisoffenheit, rationales Netzwerken und der Besuch möglichst vieler passender Veranstaltungen sollte angestrebt werden.
Im Abschlussgespräch zeigte sich noch einmal ganz deutlich, dass es nicht um Schauspieltraining geht. Es geht vielmehr um die Fragen "Wer bin ich?", "Wofür stehe ich?" und "Wofür bin ich geeignet?". Die meisten Personalerinnen oder Personaler sind enttäuscht, dass die Bewerberin, der Bewerber ihm die Arbeit überlässt, dies zu entscheiden. "Es geht also nicht darum, jemand anders zu werden, sondern darum herauszufinden, wer man selber ist und das dann auf die persönliche Art zu transportieren", resümiert Volkmer. Bevor alle beteiligten in das Wochenende starteten, stellte Dr. Angelika Kipp (OWL Maschinenbau) Projekte aus der Kompetenzwerkstatt MINT Frauen vor. Brigitte Böwingloh und Andrea Knieps, ebenfalls vom Praxisbüro IuM, machten die Besucherinnen auf weitere Veranstaltungen mit Vernetzungsmöglichkeiten aufmerksam. Bei der abschließenden sogenannten "Highlightsonne" zog jede Workshopteilnehmerin ihr persönliches Fazit. Man war sich einig: Der Nachmittag hat dazu beigetragen sich der Chance hinter dem Netzwerken bewusst zu werden und man stellte fest, dass der erste Schritt getan war, denn jede hat neue Menschen kennengelernt und teilweise auch Kontakte ausgetauscht. Jetzt heißt es nur noch am Ball bleiben, denn auch das ist A und O des erfolgreichen Netzwerkens. Professorin Settnik zieht ein positives Resümee "Als Frau Böwingloh mich im Frühjahr fragte, ob das Gleichstellungsbüro einen Workshop zur Karriereplanung für Frauen finanziell unterstützen würde, habe ich gleich zugesagt, denn ihr Konzept hat mich überzeugt. Und meine Erwartungen sind sogar noch übertroffen worden, es war eine rundum gelungene Veranstaltung, die nach meinem Eindruck allen Beteiligten sehr viel Spaß gemacht hat und dazu noch einen hohen Informationscharakter besaß. Ich denke, dass wir etwas Vergleichbares in Zukunft auf jeden Fall wiederholen werden." (th)