25.09.2018

Fachkongress „Effizienter und innovativer Maschinenbau“ erstmals an der FH Bielefeld

Der mittlerweile 16. Fachkongress des Vereins OWL Maschinenbau fand am 19. September im Konferenzbereich der FH Bielefeld und damit das erste Mal an einer Hochschule statt.

Gut 150 Interessierte, darunter zahlreiche Firmenvertreter aus Ostwestfalen-Lippe und Hochschulangehörige folgten der Einladung zum umfangreichen Kongressprogramm, welches in diesem Jahr unter dem Credo „Effizienter und innovativer Maschinenbau“ stand.
Im Namen der FH Bielefeld begrüßte Prof. Dr. Lothar Budde, Dekan des Fachbereichs Ingenieurwissenschaften und Mathematik (IuM) die Gäste auf dem Campus Bielefeld. „Die FH Bielefeld und OWL Maschinenbau haben eine gemeinsame Historie. Die Zusammenarbeit startete vor zirka 15 Jahren, als die Schließung eines ingenieurwissenschaftlichen Fachbereichs noch Thema war. Damals musste man den Nachwuchs regelrecht suchen. Unter anderem um dies zu verhindern, ging 2003 der Verein OWL Maschinenbau an den Start. Umso mehr freut es mich, Sie heute hier begrüßen zu dürfen“, so Budde.

Darüber hinaus machte er auf die für ihn wichtige Frage nach der Sinnhaftigkeit von technischen Entwicklungen aufmerksam. „Ist alles was technisch machbar ist, auch nötig oder viel-leicht sogar schädlich?“, hinterfragt Budde, bevor er das Wort an den Vorstandssprecher des Vereins und Inhaber der MIT GmbH & Co.KG Hans-Dieter Tenhaef übergibt.

„Wir sind stolz, der Leuchtturm für Maschinenbau zu sein!“, eröffnete Tenhaef seine Begrüßungsrede. Großer Dank gelte den Sponsoren sowie den gut 220 Mitgliedern und Partnern des Vereins. Die Mission des Netzwerkes sei es, Maschinenbau-, Automatisierungs- und Zulieferindustrie sowie Wissenschaft zusammen zu bringen. „Damit können die richtigen Akteure voneinander lernen und miteinander kooperieren“, so Tenhaef weiter. Nach einigen lebhaft vorgetragenen Positivbeispielen aus der rund 15-jährigen Vereinsgeschichte kündigte Tenhaef den KEYNOTE-Sprecher Johann Soder, Geschäftsführer Operatives Geschäft bei SEW-EURODRIVE, an: „Es gibt keinen, der Industrie 4.0 mit mehr Leidenschaft rüberbringen kann“, schließt Tenhaef.

Soder präsentierte, wie das Unternehmen SEW-EURODRIVE die Herausforderungen im Dreiklang der Vernetzung zwischen Datenwelt, durchgängiger Verzahnung des Wertschöpfungsprozesses und dem Wohl der beteiligten Menschen meistert. „In erster Linie erfordert dieser Prozess Mut und die Bereitschaft zur Veränderung. Das tut weh. Liebgewonnenes muss in Frage gestellt und immer wieder neu erfunden werden!“, bekräftigt Soder. Den Kurs gäben dabei die Schlagworte Agilität, Innovation und Kreativität vor. „Eingefahrene Regeln durchbrechen wir immer wieder. Wir streben nach Perfektion mit dem Ziel nach operativer Exzellenz. Meine Definition von Wertschöpfung ist rein das, wofür der Kunde auch bereit ist zu bezahlen, alles andere kann weg“, fährt Soder dynamisch fort. Im weiteren Verlauf zeigte er auf, wie das Unternehmen den Weg zum smarten Unter-nehmen der Zukunft gestaltet. Dabei nahm er das gespannt zuhörende Publikum mit auf eine Zeitreise, deren Beginn in den 70er Jahren unter dem Stichwort „Montage 2.0“ liegt. Über die Lean Production bis hin zur Smart Factory 4.0. „Was mir auf der Hannover Messe 2011 noch wie Science-Fiction vorkam, ist heute gelebte Realität. Mein Traum geht allerdings noch weiter. Ziel ist eine maßgeschneiderte Technik, die sich mit dem Menschen verbindet. Diese Kollaboration mit der Technik wird den Menschen auch in Hinblick auf den demografischen Wandel entlasten. Wir brauchen für die Umsetzung einen neuen Typus von Führungskraft“, so Soder. Im anschließend präsentierten Kurzvideo wurde eindrucksvoll deutlich, wie der Weg zur Lean Smart Factory 2020 aussehen könnte. Anschließend hatten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Fachkongresses die Wahl drei aus neun, teilweise parallel laufenden, Best-Practice-Vorträgen auszuwählen. Neben den bekannten Namen Weidmüller, Siemens oder  Phoenix Contact präsentierten auch erfolgreiche StartUps wie die dmc-smartsystems GmbH mit Sitz in Paderborn ihre Lösungen für die Praxis. Im letztgenannten Beispiel berichtete Teamleiter Dr. Miachel Spijkerman zum sicheren Bewegen autonomer Geräte.

Während des Kongresstages hatten die Gäste die Möglichkeit, im Konferenzbereich der FH einzelne Firmen und Einrichtungen näher kennenzulernen. In der dort aufgebauten Ausstellung präsentierte sich unter anderem die Firma Siemens mit ihrem Live-Modell zur virtuellen Inbetriebnahme einer Maschine. Das Forschungszentrum „Center for Applied Data Science Gütersloh (CfADS)“ der FH Bielefeld präsentierte seine aktuellen Projekte. Das im Fachbereich IuM ansässige Zentrum legt seinen Fokus auf die anwendungs- und umsetzungsorientierte Durchführung innovativer Projekte im Themenbereich Datenerfassung, -aufbereitung und -analyse. Das Institut für Systemdynamik und Mechatronik (ISyM) des Fachbereichs IuM stellte seinen digitalen Zwilling für den Bereich Produktion vor. „Wir erreichen dadurch eine energieeffizientere Anlagenführung“, erklärt Dimitri Harder, wissenschaftlicher Mitarbeiter im Fachbereich IuM. Allen Fachvorträgen folgten interessierte Nachfragen, die bei den eingebauten Networking-Pausen vertieft werden konnten. (th)