28.09.2017

Kommunikationskultur in digitalen Zeiten

Personalforum des Branchennetzwerkes OWL MASCHINENBAU tagt an der FH Bielefeld.

Zum Thema Digitalisierung und dessen Auswirkungen auf die Arbeitswelt lud das Branchennetzwerk Maschinenbau OWL e.V. am 21. September zum mittlerweile 11. Personalforum ein. „Die Traditionsveranstaltung findet erstmals in den Räumlichkeiten einer Hochschule statt. In den vergangenen Jahren kamen wir in der Handwerksammer, bei der IHK und verschiedenen Unternehmen zusammen“, so Imke Rademacher, stellvertretende Geschäftsführerin bei OWL Maschinenbau und Moderatorin der Veranstaltung. 

Der Vizepräsident für Planung und Infrastruktur der FH, Prof. Dr. Friedrich Biegler-König, hieß die 110 Teilnehmerinnen und Teilnehmer an der FH Bielefeld herzlich willkommen und machte in seiner Begrüßungsrede darauf aufmerksam, dass das Thema Digitalisierung auch für die FH eine große Herausforderung darstelle und in nahezu 50 Teilprojekten eine Rolle spiele. Prof. Dr. Lothar Budde, Dekan des Fachbereichs Ingenieurwissenschaften und Mathematik, machte in seinem anschließenden Grußwort deutlich: „Es ist uns ein großes Anliegen derartige Netzwerke zu unterstützen und wir sind stolz, Mitveranstalter des heutigen Tages mit diesem wichtigen Thema zu sein.“ 

Bevor Tagungsmoderatorin Rademacher das Wort an den ersten Impulsredner übergab, stellte sie kurz die Ziele des Branchennetzwerkes vor und machte auf einige aktuelle Trends, die an den Verein herangetragen wurden, aufmerksam. Das Branchennetzwerk OWL Maschinenbau habe sich zur Aufgabe gemacht, die wirtschaftliche und technologische Vorreiterstellung der Spitzenclusterregion Ostwestfalen-Lippe im internationalen Wettbewerb zu stärken. Mit knapp 300 Unternehmen und über 42.000 Beschäftigten sei Maschinenbau und Automatisierungstechnik eine historisch gewachsene Kernkompetenz der Region OWL, für die die konsequente Nutzung von vorhandenen Kooperationspotentialen entscheidend sei. 

Das Thema des 11. Personalforums wurde ausgewählt, da die immer stärker automatisierten Arbeitsabläufe, die regelmäßig neuen Software-Funktionen und die Erreichbarkeit zu jeder Tageszeit über unterschiedliche Kanäle die Beschäftigten vor ständig neue Herausforderungen stelle. Unternehmen beobachten eine signifikante Häufung psychischer Erkrankungen insbesondere junger Menschen, die der Fülle an Kommunikation, dem Zeitdruck und der Arbeitsverdichtung nicht mehr gewachsen sind. Gefragt sind neue Instrumente für den Umgang mit der rasanten Entstehung neuer Arbeitswelten. Die Herausforderung besteht darin, dass ein großer Prozentsatz der Aufgaben einer Führungskraft durch Kommunikationsprozesse bestimmt wird. Die Kenntnis geeigneter Modelle wertschätzender Informations- und Kommunikationsprozesse ist unumgänglich für zukunftsfähige Unternehmensführung. „Alle wissen, dass gute Kommunikation eine Grundvoraussetzung für eine positive Unternehmenskultur ist, gestalten können und müssen wir sie selbst“, schließt Rademacher ihre Einführungsrede. 

Der gelernte Diplom Psychologe Prof. Dr. Alexander Cisik, Arbeits- und Organisationspsychologe der Hochschule Niederrhein, wies in seinem Impulsvortrag darauf hin, dass es nicht mehr um die Frage gehen könne, Digitalisierung ja oder nein, sondern vielmehr um den richtigen Umgang mit den neuen Technologien. Er stellte sogenannte Leitplanken der Kommunikation 4.0 vor, verwies auf den gesellschaftlichen Wandel und zeigte versteckte Gefahren auf. „Auch wenn Sie zu den Digitalbegeisterten gehören, vergessen Sie nicht, dreidimensional mit allen fünf Sinnen zu kommunizieren. Nutzen Sie die Digitalisierung, aber fragen Sie sich stets, was halte ich für mich persönlich oder für mein Unternehmen für sinnvoll und welchen Zug lasse ich an mir vorbeifahren. Nicht alles was möglich ist, ist auch sinnvoll“. Die Quintessenz und abschließende Botschaft seines Vortrags „Maximieren Sie bei allem was Sie tun Ihre Erlebnistiefe. Multitasking funktioniert nicht. Konzentrieren Sie sich auf das, was Sie gerade tun, sonst nimmt die Lebensqualität in jedem Bereich ab!“ 

Einen anderen Tenor traf Hans-Dieter Tenhaef, Geschäftsführender Gesellschafter von MIT Moderne Industrie Technik mit Sitz in Vlotho. „Ich bin ein absoluter Digitalfanatiker, auch wenn ich nicht zur Generation der Digital Natives gehöre. Bei uns wird überwiegend mit ESTOS über Videokonferenzen und nur noch selten per E-Mail kommuniziert“, berichtete Tenhaef. Die Digitalisierung sei der beste Weg, um schnell und effizient auf die Kundenwünsche zu reagieren. 

Im Anschluss an die Impulsvorträge konnten sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Veranstaltung je nach Interessensschwerpunkt für zwei der vier angebotenen Workshops entscheiden. Thematisiert wurde die veränderte Rolle der Unternehmensführung im digitalen Zeitalter, Kommunikation im Team mit Fokus auf der Digitalisierung, das Feld der psychischen Gefährdung und wie diese sichtbar gemacht werden kann, sowie die Gestaltung des Arbeitsumfeldes in der Zukunft. 

Die Ergebnisse aus den Workshops zeigten, dass die Dimension des Themas riesig und der Bedarf des Erfahrungsaustausches groß ist, so das von den Teilnehmerinnen und Teilnehmern formulierte Fazit des Tages. (th)