30.05.2017

Konferenz „Digitalisierung in der beruflichen Bildung“

Kooperation der Universität Nowgorod und der FH Bielefeld trägt erste Früchte.

Am Sonntag, 21.05.2017 besiegelten Prof.in Dr. Ingeborg Schramm-Wölk, Präsidentin der FH Bielefeld und Prof. Dr. Viktor Weber, Rektor der Staatlichen Universität Nowgorod, mit ihren Unterschriften die Kooperation der beiden Hochschulen. Bereits am Samstag, 20.05.2017 lud Prof. Dr.-Ing. Thorsten Jungmann zur Konferenz „Digitalisierung in der beruflichen Bildung“ auf dem Campus Bielefeld ein. Die Konferenz ist der Auftakt zum internationalen wissenschaftlichen Austausch.

An der Konferenz nahmen neben rund 40 Teilnehmerinnen und Teilnehmern aus Berufskollegs und Hochschulen, zdi-Zentren und Verbänden sowie dem W. Bertelsmann Verlag auch Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Partnerhochschule aus Nowgorod teil.

Im Mittelpunkt standen folgende Fragen: Welche digitalen Medien können die Lehre in technischen Fächern positiv beeinflussen oder bereichern? Welche Wege führen zur sinnvollen Implementierung dieser Medien in der Bildung? Wie können digitale Medien die Berufsorientierung hin zu technischen Berufen fördern? Diese Fragen standen im Zentrum der Konferenz.

Prof. Dr.-Ing. Lothar Budde, Dekan des Fachbereichs Ingenieurwissenschaften und Mathematik (IuM), unterstrich in seiner Begrüßung die Bedeutung der Digitalisierung. Es seien jedoch noch zu wenige Konzepte für deren sinnvollen Einsatz in der Lehre vorhanden.

Mit einem im Februar dieses Jahres gemeinsam gestellten EU-Antrag haben die Universität Nowgorod und die FH Bielefeld dieses Thema bereits aktiv aufgegriffen, berichtete Prof. Dr. Michail Pewsner, Prorektor für Internationales der Staatlichen Universität Nowgorod, in seinem Grußwort. Der EU-Antrag, der von der FH Bielefeld koordiniert wurde, ziele auf die Modernisierung der Aus- und Weiterbildung der Lehrenden in MINT-Fächern zur Individualisierung der Lernprozesse und der Berufsorientierung in den Schulen durch den Einsatz physischer und digitaler Modelle.

Prof. Dr.-Ing. Thorsten Jungmann, Lehrender am Fachbereich IuM der FH Bielefeld, Koordinator des EU-Antrags und Projektleiter der Hochschul-Kooperation mit Nowgorod, führte durch die Veranstaltung. In seinem Impulsvortrag „Bildung 4.0 – Chancen und Risiken der Digitalisierung in der Bildung“ beleuchtete er die Chancen und Risiken der Digitalisierung. Sein Fazit: „Um die Chancen der Digitalisierung für die Bildung zu nutzen, bedarf es zum einen wissenschaftlicher Nachweise über deren Wirksamkeit. Zum anderen müssen überzeugende Strategien für deren wirksame Integration in die Lehre entwickelt und erprobt werden.“

Im Vortrag "Drechseln 4.0 – Maschinelle Holzbearbeitung am digitalen Modell", der ins Deutsche übersetzt wurde, gab Prof. Dr. Pjotr Petrjakow von der Universität Nowgorod Einblicke in die Technikerausbildung in Russland. Ein digitales Lehrbuch zur maschinellen Holzbearbeitung am Modell fand großen Anklang im Auditorium.

Prof. Dr.-Ing. Horst Langer und Doktorand Dominik Steinhäußer stellten in ihrem Vortrag „Ingenieurkunst 4.0 – Auf den Spuren des Künstleringenieurs Leonardo da Vinci“ das Leonardo-Projekt der FH Bielefeld vor. In dem Projekt konstruieren und produzieren Studierende auf der Grundlage der digitalisierten Codices, in denen die Ideen und Erfindungen Leonardo da Vincis festgehalten sind, originalgetreue Modelle. Die so entstandene Sammlung umfasst mittlerweile gut 100 Modelle. Sie ist weit über die Grenzen Bielefelds bekannt und wird national wie international von Museen und anderen Ausstellern nachgefragt.

Wie schon Schülerinnen und Schüler für Technik begeistert werden können – sowohl mit als auch ohne Digitalisierung – stellte Prof. Dr. Lars Fromme in seinem Vortrag „Berufsorientierung 4.0 – Junge Menschen für Technik begeistern“ am Beispiel des zdi-Schülerinnen- und Schülerlabors experiMINT der FH Bielefeld vor. Ziel des entlang der Bildungskette orientierten Angebots sei es, mit spannenden Experimenten so früh wie möglich die Begeisterung für Naturwissenschaften zu wecken. Dies solle dazu beitragen, dem Fach- und Lehrkräftemangel in technischen Fächern entgegenzuwirken.

Dr. Tobias Haertel und Dominik May von der Technischen Universität Dortmund erläuterten den Mehrwert digitaler Medien für die Attraktivität von Lehr-Lernprozessen in ihrem Vortrag „Lernen 4.0 – Lernen in virtuellen Welten“. Sie betonten, dass der Einsatz innovativer Didaktik und daraus resultierende Flexibilisierung immer auch einher gehen müsse mit dem Bedarf didaktischer Vorüberlegungen und deren aktiver Bearbeitung und Überprüfung.

Am Nachmittag hatten die Konferenz-Teilnehmerinnen und –Teilnehmer in zwei Workshops Gelegenheit, die zuvor demonstrierten Modelle und Technologien auszuprobieren. Im „Lernen 4.0“-Workshop entschärften sie z.B. unter Nutzung einer Virtual Reality Brille eine Bombe. Im zdi-Schülerinnen- und Schülerlabor zeigte Manuel Mai die Möglichkeiten der „Berufsorientierung 4.0“ vom Tablet-gesteuerten LEGO Mindstorm-Roboter bis hin zum Rapid Prototyping mittels 3D-Druck.

In seinem Schlusswort betonte Prof. Dr. Jungmann, dass die Konferenz den Auftakt für einen stetigen Dialog über die Digitalisierung in der Bildung mit regionalen wie auch überregionalen Akteuren bildet.


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