Mikroplastik und kleine Innovationen mit großer Wirkung: Beim Demo Day 2025 präsentiert InCamS@BI seine stärksten Ideen auf dem Weg „Von der Idee zum Impact“
Das Team des Transferprojekts von Hochschule Bielefeld (HSBI) und Universität Bielefeld blickt gemeinsam mit mehr als 80 Gästen aus Unternehmen, Stadt und Wissenschaft auf das dritte Projektjahr zurück und nach vorn. Vier Pitches unterstreichen die thematische Bandbreite des Projektteams von Mikroplastikfilter bis bioabbaubaren Forstprodukten. Die Transferpreise für die innovativsten Ideen gehen am Ende eines unterhaltsamen Abends an David Schöning, Dr. Thomas Zimmermann und Dr. Stephan Kartelmeyer. Von der Idee zum Impact – Beim dritten Demo Day von InCamS@BI zeigten Technologiescouts des Projekts in Ideenpitches, wie Transfer gelingen kann. Dr. Stephan Kartelmeyers Beitrag wurde am Ende mit dem Publikumspreis ausgezeichnet.
Bielefeld (hsbi).„To make it clear, that‘s just one year“. Durch den Konferenzbereich der HSBI wummern Uptempo Beats. Köpfe nicken, Füße wippen im Takt. Mit der Hook seines spontan per Looper gebastelten Jahresrückblicks schaffte es Moderator Marvin Meinold nicht nur den Großteil des Publikums mitzunehmen, sondern setzte ganz nebenbei auch ein inoffizielles Motto für den dritten Demo Day: Auch 2025 kann das interdisziplinäre Team des Innovation Campus for Sustainable Solutions (InCamS@BI) Bilanz eines dichtgedrängten Jahres ziehen und feiert darüber hinaus das „Bergfest“ seiner fünfjährigen Projektlaufzeit. „Von der Idee zum Impact“ lautete der offizielle Titel des Demo Day. Gemeint war damit nicht nur der Weg einer Idee von der Skizze bis zur Umsetzung durch die beiden „Labs“ des Projekts, sondern die vielen angestoßenen Projekte und neuentwickelten Angebote.
TechChecks und Toolboxen ergänzen das InCamS@BI-Angebot
Beispielhaft stellten Prof. Dr. Christian Schröder und Prof. Dr. Sonja Schöning als Teilprojektleiter:innen in ihrer Einleitung mit den Expert Panels, dem Makeathon und den in diesem Jahr erstmals umgesetzten TechChecks drei Formate aus dem mittlerweile breiten InCamS@BI-Transferangebot vor. Potenzielle Partner:innen für diese Formate oder andere Kooperationen anzusprechen, war das Ziel der folgenden Pitchsession: In vier Kurzvorträgen á vier Minuten stellten Technologiescouts aus den Forschungsgruppen des Projekts ihre persönliche Expertise in Form ihrer innovativsten Idee des Jahres 2025 unter Beweis.
Mit einem kleinen Chip gegen einen Ozean voll Mikroplastik
Tim Robertino Baumann stellte seinen weiterentwickelten Prototyp eines Partikelfilters vor. Bei der Entwicklung inspirierte ihn das Filtrationssystems des Riesenmantarochens, mit dem dieser Plankton aus dem Wasser filtert.
Den Anfang machte Tim Baumann vom Team Analytik und Materialentwicklung. Unter dem Titel: „MicroBlue“ stellte der Biophysiker von der Uni Bielefeld seine Idee eines Mikroplastikfilters vor, den er in diesem Jahr durch Verbesserung der Materialstabilität zum Partikelfilter weiterentwickelt habe. Mit seinem nur wenige Zentimeter großen Filter, dessen Funktionsweise auf dem Filtrationssystem des Riesenmantas beruht, schlug Baumann einen Lösungsansatz für ein ökologisches Megaproblem vor: Der Mikroplastikbelastung von Gewässerökosystemen. Zur Veranschaulichung seines auf Lamellen und Wasserdruck basierenden Systems wählte Baumann das Bild des Filters als Türsteher: Wie dieser blocke der Filter die ungewünschten Gäste namens Mikroplastik ab, während das unbelastete Wasser an ihnen vorbeiströme.
Gegen Mikroplastik im Wald: Verbissschütze aus bioabbaubaren Kunststoffen
Mit dem Problem der Freisetzung von Mikroplastik im Wald beschäftigte sich der Pitch von Dr. Thomas Zimmermann (li.) und David Schöning, die einen Verbisschutz mit Zusatzstoffen vorstellten. Ihre ausgereifte Idee wurde von der Jury mit dem Transferpreis 2025 ausgezeichnet.
Mikroplastik bildete auch die thematische Brücke zum zweiten Pitch des Abends. Darin stellten David Schöning und Dr. Thomas Zimmermann aus der Forschungsgruppe Technologieentwicklung und dem Bielefelder Institut für Materialforschung (BIfAM) ihre Idee „Echter Weihnachtsbaum und trotzdem Mikroplastik“ vor: Eindrücklich zeigten sie auf, dass der Einsatz bioabbaubarer Kunststoffe in der Forst- und Agrarwirtschaft eine echte Verbesserung wäre. Denn bei der Aufzucht von Pflanzen und Bäumen kommen unterschiedliche Kunststoffprodukte zum Einsatz, die wie bspw. Hülsen zum Schutz vor Wildverbiss nach dem Ende ihrer Funktion meist in der Umwelt verblieben und zu Mikroplastik degradieren. Eine Variante, die die Eigenschaften herkömmlicher Produkte mit der Fähigkeit zur Abbaubarkeit unter natürlichen Bedingungen mit sich brächte, könnte hier die dauerhafte Mikroplastikemission verringern. Um den aktuell höheren Preis der schon vorhandenen Produkte zu rechtfertigen, könnte den Verbissschützen Zusatzstoffe wie Pflanzenschutz oder Dünger beigemischt werden und die Akzeptanz bioabbaubarer Alternativen durch diese Zusatzfunktionen insgesamt erhöht werden. Ein überzeugendes Konzept, bei dem am Ende nur die Frage nach einem passenden Wald blieb.
Beton und recycelter Ruß als Stromspeicher
Dr. Stephan Kartelmeyer aus der Forschungsgruppe Kunststofftechnik und Werkstoffprüfung stellte anschließend seine Idee eines Energiespeichers aus Beton vor. Unter dem Titel „Lasst den Strom in den Beton“ präsentierte er ein Beiprodukt aus der Zusammenarbeit des Projektteams mit einem Recycler von Autoreifen: Dabei wird die Fähigkeit von Beton, Energie zu speichern und zu einem späteren Zeitpunkt wieder abzugeben genutzt. So könnte bspw. überschüssige Energie aus Photovoltaikanlagen gespeichert- und bedarfsgerecht eingespeist werden. Ermöglicht würde diese Funktion als Kondensator durch die Zugabe von Ruß, durch den sich ein leitfähiges Netzwerk bilde. Da Ruß als Abfallprodukt beim Recycling von Reifen anfalle, ergebe sich hier außerdem die Möglichkeit, einen bisher nicht beachteten Kreislauf zu schließen. Bis zur Praxistauglichkeit des Verfahrens müssten aber noch viele Fragen geklärt werden, so Kartelmeyer.
„Immer schön cool bleiben“: Ein Kühlhalter für bessere Analyseergebnisse
Judith Bünte beschäftigte sich in ihrem Pitch mit einer Eigenentwicklung aus dem Bereich der Fokussierten-Ionenstrahl-Analyse: Sie stellte die Idee eines Kühlhalters vor, mit dessen Hilfe sich strahlungsempfindliche Werkstoffe wie Kunststoffe zuverlässiger analysieren ließen.
Als Eisliebhaberin outete sich Judith Bünte aus der Forschungsgruppe Analytik und Materialentwicklung in ihrem abschließenden Pitch. Die Nanophysikerin von der Universität Bielefeld präsentierte den Prototyp eines Kühlhalters für eine Fokus-Ionenstrahlanlage (FIB). Mit diesem Analysegerät werden Oberflächen mithilfe zweier Ionenstrahlen abgetastet und aus der reflektierenden Strahlung Analysen über die Beschaffenheit und Materialeigenschaften des Werkstoffs gewonnen. Doch so wie Eis im Sommer durch die Sonnenstrahlung schmelze, hinterließen auch die Strahlen des FIB auf den Präparaten empfindliche Schäden. Hier setzt Büntes Eigenentwicklung an: sie präsentierte unter dem Titel „Immer schön cool bleiben“ einen stickstoffgekühlten Anbau. Mit dessen Hilfe würden sich strahlenempfindliche Präparate auch während der Ionenbestrahlung kühl halten lassen und stabilere Analyseergebnisse erzielen.
„Five Ts“ für gelingenden Transfer: Keynote von Dr. Isabel Rösler vom CHE
Fünf Ts machte Dr. Isabel Roessler vom CHE in ihrem Vortrag als prägende Faktoren für gelingenden Hochschultransfer aus. Beide an InCamS@BI beteiligten Hochschulen befänden sich auf einem guten Weg, hätten aber noch Luft nach oben.
Anhand der „Five Ts“ zeigte Dr. Isabel Roessler vom Centrum für Hochschulentwicklung (CHE) in ihrer detaillierten Keynote „Transfer und wie er gelingt“ die hohe Relevanz fester Transferstrukturen für Hochschulen und das Entstehen von Innovationsökosystemen: Transparency, Trust, Translation, Tools, Ties (feste Bindungen) führten in Kombination mit personeller Konstanz zu gelingendem Transfer. Anhand der Auswertung des Förderkatalogs des Bundes in den Jahren 2015 bis 2025 zeigte sie auf, dass die HSBI und die Universität Bielefeld sich mit 57 bzw. 181 geförderten Vorhaben bereits auf einem guten Weg befänden. Luft nach oben gebe es insbesondere bei den Kooperationen mit regionalen Wirtschaftsunternehmen, die häufig noch Kooperationen mit Hochschulen anderer Bundesländer wählten.
Transferpreise für Ideen zu bioabbaubaren Verbissschützen und Beton als Energiespeicher
Gruppenbild mit Siegern: die Transferpreise gingen per Juryvoting an Dr. Thomas Zimmermann und David Schöning. Den Publikumspreis sicherte sich Dr. Stephan Kartelmeyer.
Zum Abschluss des Demo Days wurde der beste Pitch des Abends gesucht. Der zum zweiten Mal vergebene Transferpreis wurde in diesem Jahr in einen Jurypreis für die beste Transferidee und einen Publikumspreis für die beste Performance aufgeteilt: Nach einem knappen Votum überreichte die aus Vorjahressieger Dr. Matthias Pieper (WAGO GmbH), Prof. Dr. Eva Schwenzfeier-Hellkamp (HSBI) und Natalie Fischer (Hebie GmbH & Co KG.) bestehende Jury ihren Preis an David Schöning und Dr. Thomas Zimmermann für ihre Idee des bioabbaubaren Verbissschutzes mit Zusatz. Der Publikumspreis ging mit 19 zu 17 Stimmen an Dr. Stephan Kartelmeyer, der sich knapp gegen Schöning und Zimmermann durchsetzen konnte. (mkl)
InCamS@BI – Innovation Campus for Sustainable Solutions
Im Projekt InCamS@BI, dem Innovation Campus for Sustainable Solutions an der Hochschule Bielefeld (HSBI) und der Universität Bielefeld, entwickelt ein interdisziplinäres Team innovative Ideen, die Antworten auf die Frage liefern sollen, wie Kunststoffe in die Circular Economy integriert werden können.
Expert:innen aus Kunststofftechnik, Ingenieurwesen, Physik, Chemie, Wirtschaftsrecht, Wirtschaftspsychologie und Innovationsmanagement erarbeiten Projektskizzen – gemeinsam mit und für Unternehmen und Gesellschaft. Um mit anderen Akteur:innen, insbesondere aus der Region Ostwestfalen-Lippe, in einen Austausch zu treten, gestaltet InCamS@BI neue Veranstaltungs- und Dialogformate. Mit seiner Arbeit möchte das Team dazu beitragen, den Ideen-, Wissens- und Technologietransfer der HSBI zu professionalisieren und nachhaltige Strukturen an der Hochschule zu etablieren. InCamS@BI ist ein Transferprojekt und wird von der Bund-Länder-Initiative „Innovative Hochschule“ von 2023 bis 2027 gefördert.
Für weiteres Bildmaterial können Sie sich gerne an presse@hsbi.de wenden.