18.06.2026

Workshop zu KI-gestütztem ESG-Management im Gesundheitswesen: Masterstudierende analysieren Nachhaltigkeitsdaten mit künstlicher Intelligenz

Wie können Unternehmen Nachhaltigkeitsdaten systematisch auswerten? Welche Rolle spielen ESG-Kennzahlen für die Unternehmenssteuerung? Und wie kann künstliche Intelligenz dabei unterstützen, aus Nachhaltigkeitsinformationen konkrete Handlungsimpulse abzuleiten? Masterstudierende des Fachbereichs Wirtschaft haben an einem praxisnahen Case-Study-Workshop teilgenommen.

Bielefeld (hsbi). 20 Masterstudierende des Fachbereichs Wirtschaft der Hochschule Bielefeld (HSBI) haben an einem praxisnahen Case-Study-Workshop zu KI-gestütztem ESG-Management teilgenommen. Organisiert haben die Veranstaltung Dr. Christian Beer und Prof. i.V. Dr. Melanie Frieling, beide von der HSBI, die mit dem Workshop die langjährige Kooperation mit der CURACON GmbH Wirtschaftsprüfungsgesellschaft auch in diesem Jahr fortführen.

Zu Gast waren die Nachhaltigkeitsberater Dr. Sinja Küppers und Robert Martinetz, die den Studierenden Einblicke in aktuelle Entwicklungen an der Schnittstelle von Nachhaltigkeitsberichterstattung, ESG-Controlling und künstlicher Intelligenz gaben. Im Mittelpunkt stand die Gesundheits- und Sozialwirtschaft – eine Branche, die in besonderer Weise von Nachhaltigkeitsfragen betroffen ist. Krankenhäuser und Klinikverbünde stehen unter erheblichem Kostendruck, tragen eine hohe gesellschaftliche Verantwortung und sehen sich zugleich mit wachsenden Anforderungen an Transparenz, Nachhaltigkeitsberichterstattung und Steuerungsinformationen konfrontiert.

Nach einer Einführung in die Aufgabenstellung arbeiteten die Studierenden an einer praxisnahen Fallstudie. Grundlage waren veröffentlichte Nachhaltigkeitsberichte aus der Gesundheitsbranche. Aus diesen Berichten wurden ausgewählte ESG-Kennzahlen erhoben, strukturiert aufbereitet und anschließend mithilfe des CURACON ESG-Radars analysiert. Das digitale Tool ermöglichte den Studierenden, Kennzahlen im Branchenvergleich einzuordnen, Verbesserungspotenziale zu identifizieren und mögliche Maßnahmen zur Weiterentwicklung der Nachhaltigkeitsleistung abzuleiten.

Studierende konnten mit digitalen Tools komplexe Nachhaltigkeitsdaten auswerten

Besonders relevant war dabei die Verbindung zum klassischen Controlling. Die Studierenden konnten ausprobieren, wie digitale Anwendungen bei der Auswertung komplexer Nachhaltigkeitsdaten unterstützen können – und zugleich kritisch reflektieren, wo die Grenzen solcher Anwendungen liegen. Deutlich wurde: KI kann ein leistungsfähiges Instrument sein, um Daten effizienter zu analysieren und neue Perspektiven auf ESG-Themen zu eröffnen. „Ohne fachliches Urteilsvermögen, Branchenkenntnis und unternehmerische Vernunft bleibt sie jedoch ohne Aussagekraft und lediglich ‚Selbstzweck‘“, sagt Dr. Christian Beer.

Zum Abschluss präsentierten die Gruppen ihre Ergebnisse und diskutierten ihre Einschätzungen im Plenum. Dabei entstanden engagierte Diskussionen über Nachhaltigkeitssteuerung, Vergleichbarkeit von ESG-Kennzahlen, branchenspezifische Herausforderungen und den praktischen Nutzen KI-gestützter Tools. Der Workshop war geprägt von hoher Beteiligung, intensiver Gruppenarbeit und einem lebendigen Austausch zwischen Studierenden, Lehrenden und Praxispartnern.

Eingebettet war der Workshop in das Mastermodul „Jahresabschlussanalyse und Nachhaltigkeitsberichterstattung“, das finanz- und erfolgswirtschaftliche Analyseinstrumente um nichtfinanzielle und qualitative Messgrößen der Nachhaltigkeit erweitert. Für die Studierenden bot die Veranstaltung damit eine konkrete Möglichkeit, theoretische Inhalte des Moduls auf eine reale Branche und eine praxisnahe Fragestellung anzuwenden.