27.05.2014

Tag der Lehre 2014

Am 14. Mai 2014 fand der Tag der Lehre 'studieren ‐ erleben' an der Fachhochschule Bielefeld statt. Eingeladen hatte der Fachbereich IuM. Rund 80 Lehrende wie Studierende aus den Fachhochschulen und Universitäten der Umgebung nahmen teil.

Mit Herrn Prof. Dr. Rolf Schulmeister konnte ein herausragender Referent gewonnen werden, welcher mit seinem Vortrag "Ohne Fleiß kein? - Was entscheidet über den Studienerfolg?" die Veranstaltung eröffnete und den Vortragsraum bis auf den letzten Platz füllte.

Nach Ansicht Schulmeisters ist insbesondere das richtige Lernverhalten für den Studienerfolg entscheidend. Dabei beruft er sich auf eine eigens durchgeführte Studie, in der Studierende aus 27 Studiengängen über fünf Monate hinweg ein Zeitkonto geführt haben. Sein selbst für ihn anfangs überraschendes Ergebnis war, dass der durchschnittliche Aufwand fürs Studium sich bei den beteiligten Studierenden auf 23 Stunden belief. Aus dieser ZEITLast-Studie ging auch hervor, dass die investierte Zeit im Mittel betrachtet gerade keinen Einfluss auf Noten und Studienerfolg hat. Vielmehr stellte die daran anknüpfende Forschung heraus, dass die Lernmotivation und die Lernstrategie verbunden mit einem bestimmten Ziel vor Augen eine ausschlaggebende Rolle für den Studienerfolg spielten. "Wichtige Erkenntnisse um die Heterogenität von Lerngruppen durch geeignete didaktische Methoden unterstützen zu können", so Schulmeister.

Nach der sich anschließenden Diskussion ging es Schlag auf Schlag weiter: Das vom Fachbereich IuM gesponsorte Catering lockte zur Mittagspause genauso wie die Tischgespräche. So wurden das "Kooperative Lernen", die Methode "Lernen durch Lehren" sowie ganz allgemein Unterstützungsangebote für Studierende zum Thema gemacht. Neben einem fachbereichs‐ und hochschulübergreifend Austausch gab es die Möglichkeit zum Netzwerken, bevor es in die Workshops ging. Gut 75 Lehrende und Studierende nahmen das nachmittägliche Angebot wahr und fanden sich in den drei Arbeitsgruppen ein.

Ob für ein Semester, ein Praktikum oder eine Zeit im Beruf - beim Workshop "Tapetenwechsel? Studium, Praktikum und Arbeiten im Ausland" konnten die Studierenden live und aus erster Hand erfahren, welche Möglichkeiten es für einen Auslandsaufenthalt gibt. Entsprechend groß war der Ansturm und neben dem Akademischen Auslandsamt standen Outgoer, Lehrende und eine Vertreterin von "Ingenieure ohne Grenzen" den zahlreichen Fragen der Studierenden Rede und Antwort. Wie ein roter Faden zogen sich die Stichwörter "interkulturelle Kompetenz" und "Sprachkompetenz" durch die Diskussion zu den drei Teilbereichen Studium, Praktikum und Beruf. Und alle anwesenden Lehrenden konnten aufgrund eigener Auslandserfahrungen einhellig bestätigen, dass internationale Teams eine immer größere Rolle in Unternehmen und damit im Berufsleben spielen. "Es handelt sich gerade für angehende Ingenieurinnen und Ingenieure um ein fortlaufend aktuelles Thema", bestätigte die Mitveranstalterin Kristina Rzehak vom Netzwerk Informations‐ und Schreibkompetenz des Projektes "Optimierung von Studienverläufen".

Weitere Infos …

zum Auslandssemester:
http://www.fh‐bielefeld.de/internationales/studium-im-ausland/erasmus

zum Auslandspraktikum:
http://www.fh‐bielefeld.de/internationales/erasmus-praktika

zu 'Ingenieure ohne Grenzen e.V.' (Achtung: externer Link!):
http://www.ingenieure-ohne-grenzen.org/

 

Prof. Loviscach stellte in seinem Workshop die provokante Frage nach dem Sinn und Zweck der Mathematik im Ingenieurstudium. Angeregt durch seinen kurzen Impulsvortrag diskutierten die Teilnehmenden, wie sie sich die Zukunft der Mathematik an Hochschulen vorstellen könnten. Logisches und analytisches Denken, die Fähigkeit komplexe Aufgabenstellungen zu bearbeiten sowie die Sprache der Naturwissenschaften zu vermitteln, wurde als wünschenswertes Ziel angesehen. "Mathematik sollte zukünftig stärker fach‐ und praxisbezogen gelehrt werden, das heißt, die Verknüpfung zu Fächern wie Physik, Thermodynamik oder Technische Mechanik sollte mehr im Vordergrund stehen", war der Konsens innerhalb der Gruppe.

Thema des Workshops von Prof. Schulmeister waren die Möglichkeiten von E-Learning und Präsenzlehre. Schulmeister präsentierte Untersuchungen, die hohe Abbrecherquoten bei reinen E-Learning-Kursen maßen. "Erfolgreicher sind gemäß meinen Untersuchungen Blended Learning-Konzepte, insbesondere wenn Auftakt‐ und Abschluss als Präsenzveranstaltungen organisiert sind", so Schulmeister. Als zentrales Kriterium hob er die Passung von Medium, Thema und Lernzielen hervor. "MOOCs zergliedern Vorlesungen in Häppchen", so Schulmeister. "Vermittelt wird vor allem Faktenwissen - nicht aber Handlungsroutinen, Übung, Erfahrungen, Strategien, Hermeneutik, Bewusstheit des eigenen Tuns, Haltungen oder Einstellungen."

Wer darüber hinaus auf konkrete Ideen für Blended Learning‐Konzepte gehofft hatte, wurde nicht fündig. Stattdessen diskutierte die Gruppe im weiteren Verlauf, ob und inwiefern E‐Learning für die regional stark verwurzelten Studierenden der FH Bielefeld überhaupt sinnvoll eingesetzt werden könne. Auf die Frage einer Teilnehmerin, wie sie ILIAS für Blended Learning einsetzen könne, antwortete Schulmeister: "Gar nicht." Auf die weitere Nachfrage, ob er empfehle, gar keine ELearning-oder Blended-Learning-Elemente zu entwickeln, erwiderte Schulmeister: "Probieren Sie es aus. Doch den Hype und die Thesen von der Demokratisierung der Bildung und Aussterben der Präsenzlehre sehe ich - auch bei fortgeschrittener "ambient technology" - kritisch."

Zum Ende der Veranstaltung präsentierten die Gruppen gegenseitig ihre Ergebnisse und nutzten gleichzeitig die Chance, offene Fragen zu stellen oder ein kurzes Feedback zu geben. Und mit neuen Impulsen und vielen Ideen für die Zukunft gingen gegen 16:00 Uhr Tag die letzten Türen zu. - Bis zum nächsten Mal! (wm)