11.05.2016

Drei neue Lehrende stellen sich vor

Der Fachbereich Ingenieurwissenschaften und Mathematik hat am 09. Mai 2016 zu den Antrittsvorlesungen der neuberufenen Professoren Wolfram Schenck, Martin Kohlhase und Thomas Freund eingeladen.

Rund 45 Interessierte fanden sich ein, um den Vorträgen zu folgen. Dekan Prof. Dr. Lothar Budde begrüßte die Gäste und animierte zu einer offenen Diskussion mit den vortragenden Kollegen.

Den Beginn der Vortragsreihe übernahm Prof. Dr.-Ing. Wolfram Schenck mit dem Titel „Von-Neumann mal tausend – wie Grafikprozessoren das Hochleistungsrechnen revolutioniert haben“. Schenck ist seit dem 01. September 2015 Professor für Ingenieurinformatik. Er promovierte zu sensomotorischen Lernverfahren in der adaptiven Robotik an der Universität Bielefeld. Im Vorfeld der Lehrtätigkeit an der FH Bielefeld, war Schenck wissenschaftlicher Mitarbeiter am ehemaligen Max-Planck-Institut für psychologische Forschung München, der technischen Fakultät der Universität Bielefeld, sowie zuletzt im SimLab Neuroscience am Forschungszentrum Jülich.

Der Titel seines Vortrags verrät bereits, dass es um den Einsatz von Grafikprozessoren für allgemeine Berechnungen im technisch-wissenschaftlichen Bereich geht. Prof. Schenck stellte die Frage in den Raum, ob es damit eine Revolution im Bereich des HPC (High Performance Computing) gegeben hat. Durch ihre hochparallele Architektur zeigen die Grafikprozessoren bei passenden Algorithmen eine beeindruckende Leistungsfähigkeit, die weit über der von normalen Hauptprozessoren liegt. Schenck konnte dies durch eigene Messungen anhand mehrerer Problemstellungen aus der bioinspirierten Robotik belegen. „Für die Zukunft sind spannende Anwendungen von Grafikprozessoren im Kontext von Industrie 4.0 zu erwarten, was die Analyse großer Datenmengen betrifft.“ Mit diesen Worten schließt Schenk seinen Vortrag und beantwortet damit die eingangs formulierte Frage nach der stattgefundenen Revolution im HPC Bereich ganz klar mit „Ja“.

Der darauffolgende Vortrag zum Thema „Farming 4.0 und Regelungstechnik L.A.“ wurde von Prof. Dr.-Ing. Martin Kohlhase gehalten. Prof. Kohlhase ist seit dem 01. Februar 2016 als Professor für Automatisierungs- und Regeltechnik am Fachbereich IuM tätig.

Kohlhase forschte zwischen 2004 und 2008 zum Thema „Brennraumdruckbasiertes Motormanagement für Otto- und Dieselmotoren“. Die gewonnenen Ergebnisse und entwickelten Regelkonzepte führten ihn im Jahr 2011 schließlich zu seiner Promotion. Weiterhin war Kohlhase über acht Jahre verantwortlich für unterschiedliche Entwicklungsbereiche der CLAAS GmbH in Harsewinkel, bevor er seine Lehrtätigkeit im Fachbereich IuM antrat.

Einleitend brachte Prof. Kohlhase den Zuhörerinnen und Zuhörern die Entwicklungen bis zur heutigen Industrie 4.0 in Erinnerung. Durch das Aufwachsen auf dem Land und seine Tätigkeit bei CLAAS hat Martin Kohlhase eine Affinität zur Landwirtschaft und machte so aus Industrie 4.0/ Farming 4.0. Angefangen mit den Dampfdrehmaschinen über die selbstfahrenden Erntemaschinen bis hin zu Mähdreschern mit integrierten Bordcomputern seien wir auf dem Weg zu Farming 4.0 – der vernetzten Landwirtschaft. Beispiele für aktuell noch ausstehende Entwicklungsschritte seien: das automatische Lenken, Isobus-Systeme, Bilderkennung/Prozessoptimierung, autonomes Fahren und die Maschinenvernetzung. „Darüber hinaus brauchen wir ein Backend in Form einer Cloud, Apps für Mobile Devices, Security und eine gute Farm Management Software“, so Kohlhase. Mit den Worten „Farming 4.0 und Regelungstechnik bringen uns 4.0. run (=voran)“ schloss Martin Kohlhase seinen Vortrag.

Zu guter Letzt stellte sich Prof. Dr.-Ing. Thomas Freund dem Auditorium vor. Thomas Freund ist seit dem 01. Oktober 2015 am Studienort Gütersloh Professor für Automatisierungstechnik und Elektrotechnik. Er promovierte zu der „Entwicklung eines Rasterreflexionsgrad-Messgerätes“, einem speziellen optisch arbeitenden Messgerät zur dreidimensionalen Beurteilung von bondbaren Oberflächen. Vor seiner Berufung an die Fachhochschule Bielefeld sammelte er in einer über 20-jährigen Tätigkeit im Bereich der Projektierung und Inbetriebnahme von Sondermaschinen mit Schwerpunkt Automobilindustrie, Möbelindustrie und Kläranlagen seine für die Lehre entscheidenden Praxiserfahrungen.

Der Titel seines Vortrags lautete „Mechatronische Systeme: „Betreutes Basteln“ motiviert Studierende zu Höchstleistungen“. Überhaupt ist Motivation ein großes Thema für Prof. Freund. „Gameifizierung“ zum Beispiel, das bedeutet Menschen durch Spielmechanismen zu Höchstleistungen anzutreiben, dazu Kreativität, Teamgeist und nicht zuletzt eine Portion Spaß mit einfließen zu lassen – all das steigere sozusagen „spielend“ die Motivation der Studierenden.

Und dass das in der Praxis hervorragend funktioniert, demonstrierte Freund an einer praktischen Aufgabe, nämlich der Umsetzung eines komplexen mechatronischen Systems, das seine Studierenden in einem viermonatigen Projekt in Teams zu bewältigen hatten. Von der Planung über das Pflichtenheft, einer Produktbeschreibung und natürlich der Konstruktion samt Präsentation durfte nichts fehlen. Auch wenn die Aufgabe erst mal einfach klang, der wissenschaftliche und technische Anspruch war hoch, denn am Ende der Projektphase sollte jedes Team ein kleines, funktionstüchtiges Feuerwehrauto konstruieren, welches eigenständig das Feuer eines Teelichts erkennen kann, zum „Brand“ navigiert, ihn gezielt löscht und sich schließlich an seine Ausgangsposition zurück begibt. Für die Ausführung durfte ein Budget von 200 Euro nicht überschritten werden. Das machte die Teams erfinderisch. Aus der Aufgabenstellung ist ein regelrechter Wettbewerb entstanden. Die Studierenden erfragten beispielsweise Unterstützung in der mechanischen Werkstatt des Fachbereichs, oder bauten auch eine Lasermaus sowie eine WII Konsole auseinander, um die genaue Funktion zu untersuchen und diese schlussendlich nutzen zu können. Der Kreativität waren dabei keine Grenzen gesetzt.

Thomas Freund zeigte sich begeistert über das Gewinnermodell und das hochmotivierte Team dahinter: „Den Studierenden ist wirklich was zuzutrauen!“ Zum Abschluss seines Vortrages führte er dem gespannten Publikum das Modell des Gewinnerteams vor, welches tatsächlich das Feuer des mitgebrachten Teelichts löschte.

Dekan Prof. Budde bedankte sich bei seinen Kollegen mit einem kleinen Präsent und und schloss die Veranstaltung mit den folgenden Worten: „Ist es nicht ein toller Job, den wir hier haben, in dem wir junge Menschen für ihre beruflichen Werdegang ausbilden und motivieren?“.

Zum Ausklang konnten bei Kaffee und Kuchen die Gespräche intensiviert und die neuen Mitglieder des Fachbereichs IuM im direkten Austausch besser kennengelernt werden. (th)