08.07.2011

Interview zur Eröffnung des Klimaparks Rietberg

Gespräch mit André Kuper, dem Bürgermeister der Stadt Rieberg, zur Eröffnung des Klimaparks am 09. Juli 2011.

Interview mit Bürgermeister André Kuper

Wann ist die Idee zu solch einem Klimapark entstanden?
André Kuper: Im Sommer 2008 hatte die damalige NRW-Landesregierung einen Wettbewerb für „Klimaschutzkommunen“ ausgeschrieben. Während meines Urlaubs in Eppan in Südtirol hatte ich im Zusammenhang mit der Überlegung einer Bewerbung Rietbergs plötzlich die Vision eines solchen Klimaparkprojektes. Der Klimapark als Bestandteil unseres 40ha großen Gartenschauparks, Nachfolgegelände der NRW-LGS 2008, bietet eine einmalige Chance. Den seither rund 250.000 Besuchern pro Jahr können wir auf unterhaltsame und prägnante Weise komprimierte Informationen zum Klimawandel und erlebbare Praxisbeispiele als Chance für individuelle Möglichkeiten des Klimaschutzes geben.

Wie verlief der weitere Prozess bis zum ersten Spatenstich im Herbst 2010?
André Kuper: Im Herbst 2008 habe ich die ausgefeilte Projektidee zur Entscheidung dem Stadtrat vorgelegt, alle Fraktionen äußerten sich positiv und verabschiedeten den einstimmigen Beschluss zur Realisierung. Als nächstes habe ich die verwaltungsinterne Projektgruppe u.a. mit dem Klimaschutzbeauftragten Rüdiger Ropinski und Gartenschauprokurist Alfons Hollenhorst installiert, die ab dort die Umsetzung der Idee gemeinsam mit unseren Partnern durchführte. Im Jahr 2009 folgte den gesetzlichen Vorgaben Rechnung tragend die europaweite Ausschreibung eines Ideenwettbewerbes. Parallel liefen zahlreiche Gespräche mit potentiellen Fördergebern, welche allesamt die Idee gut fanden, allerdings keine Fördermittel zur Verfügung stellen konnten. Damit war schnell deutlich, dass wir als Stadt und Gartenschaupark mit unseren Projektpartnern finanziell allein in der Verantwortung stehen würden. Gemeinsam mit meinem städtischen Klimaschutzbeauftragten und unseren weiteren Verwaltungsmitarbeitern sowie den potentiellen Gesprächspartnern galt es Mosaikstein für Mosaikstein zu entwickeln und zusammenzufügen. Es gibt kein vergleichbares Projekt und deshalb mussten wir alles neu aufbauen und konnten auf keinerlei diesbezügliche Erfahrungen zurückgreifen. Hinzu kam steigendes Interesse weiterer Partner wie etwa der wissenschaftliche Einstieg der Fachhochschule Bielefeld und anderes mehr. So hatten wir keine stagnierende Planung sondern stetige Fortschreibung und damit auch immer wieder neue Feinabstimmungen zu tätigen. Und auch seit dem ersten Spatenstich ergab und ergibt sich immer wieder Neues und Spannendes.

Der Klimapark Rietberg ist also mit der Eröffnung nicht endgültig auf Jahre hinaus eine starre Sache?
André Kuper: Aber nein, keineswegs, unsere Projektpartner arbeiten mit den Studenten bereits heute an den Lösungen von morgen. Und schon jetzt haben wir weitere neue Interessenten, neue Vorhaben und neue Bauten mit Blick auf zukünftige Aktivitäten. Man kann sagen, mit unserem Park ist das wie mit dem Klimaschutz und –wandel allgemein. Alles unterliegt der Veränderung, der Weiterentwicklung. Es versteht sich von selbst, dass wir neuen Entwicklungen Rechnung tragen und Aspekte beispielsweise aus dem Bereich regenerativer Energien, die noch nicht komplett in den Park integriert sind weiter ausbauen. Wir haben noch räumliche Reserven und blicken damit motiviert und engagiert in die Zukunft. Aktuell bereitet die FH Bielefeld den Bau einer kleinen Außenstelle für die Arbeiten der Studenten vor Ort vor.

In welcher Höhe liegen die Investitionskosten für den Klimapark?
André Kuper: Die Kosten liegen bei insgesamt etwa 2 Millionen Euro. Wir haben als Stadt das Grundstück und die Infrastruktur des Geländes mit Ver- und Entsorgungsanlagen gestellt. Dadurch wurden in den vergangenen drei Jahren Kosten von rund 180.000 Euro verursacht. Unsere Projektpartner investieren über 1,5 Millionen Euro in Gebäude und Technik. Die Gartenschaupark GmbH als künftiger Träger der Anlage baute den Informationspavillon in der Mitte mit einem Volumen von etwa 150.000 Euro. Die Unterhaltung des Klimaparks übernimmt die Gartenschaupark GmbH, dort sind auch Absprachen zu treffen für Gruppenbesuche oder Unterricht im Klimaklassenzimmer.

Warum stemmen Sie in einer doch relativ kleinen Kommune ein solch aufwendiges Projekt?
André Kuper: Klimaschutz geht alle an: Handel, Handwerk, Industrie, den einzelnen Menschen und auch die Kommunen. Wir in Rietberg wollen Bewusstsein schaffen, Chancen und Möglichkeiten aufzeigen. Wir eröffnen ein Informations- und Technologiezentrum für Jedermann. Einen Ort für die Wissenschaft aber auch für die spielerische Vermittlung wertvollen Wissens rund um regenerative Energien und ihre Möglichkeiten. Auch wir als Stadt und ich als Bürgermeister richten unseren Blick zudem natürlich schon weiter nach vorn mit dem Etappenziel einer „energieautonomen und nachhaltigen Stadt Rietberg 2030“. Klimaschutz erfordert das Engagement aller Menschen überall, um die Erde auch den nachfolgenden Generationen in einem bewohnbaren Zustand zu hinterlassen. Jeder muss dazu seinen Beitrag leisten.


Andre Kuper


André Kuper, Bürgermeister der Stadt Rietberg