05.06.2014

„Fachwissen und Kommunikation im Beruf - Was brauche ich wirklich?“

Diese Frage stand im Mittelpunkt einer fachbereichsübergreifenden Vortragsreihe, die mit drei Vorträgen auch Station am Fachbereich IuM machte.

Die drei Referenten Peter Brünler (EnergieImpuls OWL), Dr. Rainer Wilmink (LVM-Vorstand) und Dr. Guido Stollt (Smart Mechatronics GmbH) nahmen unterschiedliche Perspektiven ein - in einem waren sich jedoch alle einig: Egal ob IngenieurIn oder MathematikerIn, im Berufsleben wird viel kommuniziert.

Ins Leben gerufen wurde die Vortragsreihe durch Mitarbeiter des Netzwerks Informations- und Schreibkompetenz des Projektes Optimierung von Studienverläufen, die für die Studierenden eine Brücke zwischen Studium und Beruf schlagen wollten. Sie baten Berufspraktiker, aus erster Hand zu erzählen, welches Fachwissen sie im Berufsalltag benötigen und welche Schlüsselkompetenzen sie tagtäglich einsetzen. Am Fachbereich IuM organisierte Kristina Rzehak die Reihe in Kooperation mit Brigitte Böwingloh (Praxisbüro) und Prof. Dr. Klaus Dürkopp.

Peter Brünler, der erste Referent (06.05.), machte die Studierenden auf typische Gefahren beim Kommunizieren im Berufsleben aufmerksam und gab viele praktische Tipps. Er sprach vor allem über die alltägliche Bürokommunikation - Telefonieren und E-Mails Schreiben - bei denen eine Reihe von "Kommunikationsstörungen" auftreten können. "Lieber nachfragen, wenn Missverständnisse drohen", riet Brünler, "gefährlich sind etwa Formeln wie: 'wir könnten mal', die aber eigentlich bedeuten: 'du musst!". Er betonte die Notwendigkeit, sich vor jeder Kommunikation genaue Gedanken darüber zu machen, was man eigentlich beim Adressaten erreichen möchte und wie realistisch das Ziel sei: "Wenn ich eine Frist für eine Antwort setze, muss ich natürlich auch Feiertage oder Ferienzeiten berücksichtigen." Fachwissen benötige er für seinen Beruf grundsätzlich, um überhaupt zu verstehen, worüber geredet werde.

Dr. Rainer Wilmink war vom Fachbereich Wirtschaft und vom Fachbereich IuM eingeladen worden (20.05.) und gab einen Einblick, wie das Kommunizieren innerhalb eines Unternehmens funktioniert und was dort beachtet werden muss. "In vielen Unternehmen wird über verschiedene Hierarchiestufen hinweg kommuniziert und das in beide Richtungen", so Wilmink. Die Führungsspitze gebe Entscheidungen und Strategien an die Mitarbeiter weiter, die wiederum 'nach oben' kommunizierten, vor der Weitergabe jedoch stets die Informationen zusammenfassten: "Es ist ziemlich anspruchsvoll, alle wichtigen Informationen immer mehr, aber trotzdem richtig zu verdichten", warnte Wilmink. Grundlage des Kommunizierens bilde immer die gründliche, wissenschaftliche Arbeit, die auf Fachwissen beruhe. Auch die Kommunikation nach außen hin sei für ein Unternehmen sehr wichtig und sollte idealtypischer Weise einheitlich verlaufen, so Wilmink. Als Führungskraft verbringe er rund 70% des Arbeitstages mit Kommunikationsaufgaben.

Im letzten Termin (26.05.) am Fachbereich sprach Dr. Guido Stollt, der neben dem Fachwissen und der Kommunikation auch der Dokumentation einen großen Stellenwert in seinem Vortrag einräumte: "In einigen Projekten ist man einen Tag mit der Entwicklung und drei bis vier Tage mit der Dokumentation beschäftigt", so Stollt. Eine weitere Herausforderung sei stets bei der Kommunikation zwischen den Fachgebieten zu meistern: "Alle Beteiligten bringen ihr spezifisches Fachwissen in ein Projekt ein, haben aber aufgrund ihres unterschiedlichen fachlichen Hintergrundes mitunter von ein und demselben Begriff sehr unterschiedliche Vorstellungen", erklärte Stollt. Hier seien oft Übersetzungsprozesse nötig, um die Kommunikation der Beteiligten zusammenzuführen. Bilder oder Moderationsprozesse können etwa dabei helfen, Verständnis über die Fachgebiete hinweg zu sichern.

Allen drei Referenten gelang es, den Studierenden die Komplexität der Kommunikationsvorgänge im Beruf deutlich zu machen -ob im Büroalltag, im Unternehmen oder zwischen Fachleuten verschiedener Gebiete. Dass das Fachwissen immer die Grundlage für den Beruf bilde, stellten sie ebenfalls heraus. Und schließlich waren sie sich auch in einem weiteren Faktor einig, der sie in ihrer Arbeit beeinflusse: die Zeit. Sie stelle eine wertvolle Ressource dar, deren Einsatz für die Arbeitsschritte gut überlegt sein sollte.

Die Vortragsreihe "Fachwissen und Kommunikation" läuft noch bis zum 10. Juni an anderen Fachbereichen weiter und soll im Wintersemester fortgesetzt werden. (kr)