19.08.2025

Auszeichnung für praxisnahe Spitzenleistung: HSBI Student Simon Coors erhält VDI-Preis für Bachelorarbeit zur KI-gestützten Fehlererkennung

Wie sieht moderne Ingenieurskunst aus, wenn sie auf echte Produktionsprobleme trifft? Simon Coors, HSBI Absolvent des Studiengangs Digitale Logistik am Campus Gütersloh, hat die Antwort mit seiner Bachelorarbeit geliefert. Für seine herausragende ingenieurwissenschaftliche Leistung wurde er nun vom Verein Deutscher Ingenieure Ostwestfalen-Lippe (VDI OWL) ausgezeichnet. Die Ehrung fand  im Rahmen des VDI-Youngster-Treffens bei der eBZ GmbH in Bielefeld statt.

Im Fokus der Bachelorarbeit steht die Optimierung eines Prozessschritts im Automatiklager der Hubert Stüken GmbH & Co. KG. Es wurde ein wiederkehrendes Szenario identifiziert, bei dem verbliebene Deckel auf Waschbehältern den Ablauf am Dosierroboter beeinträchtigten und manuelle Eingriffe erforderlich machten. Die Arbeit leistet einen wichtigen Beitrag zur Entwicklung einer automatisierten Prüfinstanz und zur Erhöhung der Prozesssicherheit. Eine automatische Prüfinstanz existierte bislang nicht.

Simon Coors hat das Problem systematisch analysiert – und gelöst: Mithilfe künstlicher Intelligenz entwickelte er eine bilderkennungsbasierte Software, die die Deckel zuverlässig identifiziert und betroffene Behälter aus dem Prozess ausschleust, bevor es zur Blockade kommt.

Präzision in Sekunden: KI-gestützte Deckelerkennung in der Produktionslinie

Die technische Umsetzung basiert auf einem Convolutional Neural Network (CNN), konkret auf dem bewährten VGG16-Modell. Coors passte die Klassifikationsschichten individuell an und trainierte das System mit 4.700 Bildern. Durch Data Augmentation – etwa Bildrotationen oder Helligkeitsvariationen – erreichte er eine besonders robuste Erkennungsleistung. Das fertige Modell wurde in ein leichtgewichtiges TensorFlow Lite-Format überführt und auf einem handelsüblichen Raspberry Pi implementiert. Die Software erkennt kritische Deckel in unter zwei Sekunden – mit einer beeindruckenden Genauigkeit von 99,72 Prozent.

Die Lösung ist heute fester Bestandteil der Produktionslinie bei Stüken: Sie ist an der Lastaufnahmestelle des Waschbehälterlagers installiert und prüft jede eingehende Charge – ein handfester Beitrag zur Vermeidung von Stillständen und Kosten.

Mehr als nur Technik: Mut zu neuen Methoden

Industrieller Waschkorb für Tiefziehteile, seitlich aufgenommen, ohne Abdeckung, mit sichtbarem Innenraum der Anlage.
Seitenansicht eines offenen Waschkorbs für Tiefziehteile in der Produktionsanlage – ohne Deckel.

Die Jury des VDI OWL zeigte sich insbesondere von der Kombination aus fachlicher Tiefe, Innovationsfreude und praktischer Relevanz beeindruckt. Der Vorschlag zur Auszeichnung kam von Bertreuer Prof. Dr. Jörg Nottmeyer, Studiengansleiter Digitale Logistik, am Campus Gütersloh.

„Diese Auszeichnung bestärkt mich darin, dass praxisnahe Ingenieurslösungen echte Probleme lösen können“, sagt Coors. „Künstliche Intelligenz ist nicht nur ein Buzzword – sie hilft schon heute dabei, Produktionsprozesse zu verbessern und Kosten zu sparen.“ Studierenden rät er: „Habt Mut, neue Technologien auszuprobieren! Mit den richtigen Tools und etwas Durchhaltevermögen kann man wirklich innovative Lösungen entwickeln.“

Seine eigene Entwicklung zeigt, wohin ein solcher Mut führen kann: Nach einer Ausbildung zum Kraftfahrzeugmechatroniker entschied sich Simon Coors für das praxisintegrierte Studium der Digitalen Logistik am Campus Gütersloh. Inzwischen arbeitet er als SAP-Prozessentwickler bei der Hubert Stüken GmbH & Co. KG und setzt parallel einen Master in Business Consulting & Digital Management drauf.

Der VDI OWL ist ein Netzwerk für Ingenieur:innen in der Region

Die Auszeichnung wurde im Rahmen des „Youngster-Treffens“ des VDI OWL verliehen – einer Veranstaltung, die gezielt den Austausch zwischen Studierenden, Berufseinsteiger:innen und erfahrenen Ingenieur:innen fördert. Das Ziel: Menschen für Technik begeistern, Netzwerke aufbauen und gemeinsam Zukunft gestalten. Der VDI OWL zählt rund 3.000 Mitglieder in der Region und versteht sich als Denkfabrik, Talentschmiede und Wissensplattform zugleich.

Anerkennung für Innovation im Alltag

Für die HSBI ist die Auszeichnung ein starkes Zeichen für die Verbindung von Wissenschaft, Praxis und gesellschaftlichem Nutzen. „Gerade in der Logistik zeigt sich, wie digitale Technologien reale Effizienzgewinne schaffen können“, betont Prof. Nottmeyer.

Die Hochschule gratuliert Simon Coors herzlich zu dieser verdienten Ehrung und freut sich, wenn seine Geschichte andere Studierende inspiriert, mit Neugier, Durchhaltevermögen und Kreativität neue Wege zu gehen. Denn wie er selbst sagt: „Manchmal reicht ein Raspberry Pi und eine Webcam, um ein Problem zu lösen, das vorher viel Geld gekostet hat.“ (jrf)