Bielefeld (hsbi). Das Forschungsprojekt MONOCAB verfolgt die Vision eines neuartigen, autonomen Einschienenfahrzeugs, das künftig stillgelegte Bahnstrecken im ländlichen Raum reaktivieren könnte. Ziel ist es, den Individualverkehr klimafreundlich zu ergänzen und bestehende Infrastruktur effizient weiter zu nutzen. Die elektrisch betriebenen und kreiselstabilisierten Fahrzeuge sollen dabei auf nur einer Schiene fahren und so einen bidirektionalen Verkehr auf ein und demselben Gleis ermöglichen. Bis zu sechs Personen finden in den kompakten Kabinen Platz, die je nach Bedarf „on demand“ eingesetzt werden können.
Das Projekt ist ein Verbund der Technischen Hochschule Ostwestfalen-Lippe (TH OWL), der Hochschule Bielefeld (HSBI) sowie des Fraunhofer IOSB-INA und wird von einem breiten Netzwerk aus Wissenschaft und Industrie unterstützt. Die HSBI übernimmt dabei insbesondere die Entwicklung des Fahrwerks und arbeitet aktuell an Rahmen und Kabine.
Projektmitarbeiter Richard Petkau analysiert Fahrverhalten und Belastungen mit Hilfe einer Simulationssoftware.
Ein bedeutender Beitrag zur Weiterentwicklung des Projekts kommt nun aus der Industrie: Die GHH-Bonatrans GmbH unterstützt das MONOCAB-Projekt mit der Finanzierung von sechs speziell gefertigten Doppelspurkranzrädern für drei neu zu bauende Versuchsfahrzeuge. Dabei handelt es sich um aufwendige Einzelanfertigungen, deren Herstellung mit einer nicht unerheblichen Investition verbunden ist. „Mit der Unterstützung durch GHH-Bonatrans gewinnen wir nicht nur hochwertige, individuell gefertigte Komponenten, sondern auch ein bedeutendes Signal eines renommierten Unternehmens der Bahnindustrie. Diese Form der Unterstützung bestätigt die Relevanz unserer Forschungsarbeit. Sie zeigt, dass das MONOCAB-Konzept in der Fachwelt auf großes Interesse stößt“, so die wertschätzenden Worte von Prof. Dr. Rolf Naumann, Dekan des Fachbereichs Ingenieurwissenschaften und Mathematik der HSBI und Leiter der Arbeitsgruppe Fahrwerk.
In der Simulation wird das Zusammenspiel von Doppelkranzrad, Federung und Radaufhängung sichtbar.
Eine besondere technische Herausforderung bei der Realisierung des Projekts liegt im Fahrwerk: Da jedes MONOCAB nur ein einzelnes Rad pro Fahrwerk besitzt, kommt zur sicheren Spurführung ein speziell entwickeltes Doppelspurkranzrad zum Einsatz. Dieses nimmt Querkräfte über Spurkränze auf beiden Seiten auf und gewährleistet so Stabilität, Selbstzentrierung und sichere Führung auf der Schiene. Die Radprofil kombiniert dabei Geometrien bewährter Eisenbahnräder mit einer gezielt angepassten Lauffläche, die auf die Schienenneigung von 1:40 abgestimmt ist.
Das Rad stellt damit die zentrale Schnittstelle zwischen Fahrzeug und Schiene dar und ist entscheidend für Fahrkomfort, Sicherheit und Kraftübertragung. Mit der aktuellen Unterstützung gewinnt das MONOCAB-Projekt zusätzliche Dynamik auf dem Weg zu einem sicheren, wirtschaftlichen und nachhaltigen Mobilitätssystem für den ländlichen Raum. (th)