Praktische Abschlussarbeit im Labor für Robotik an der Hochschule Bielefeld
Stolz auf das Ergebnis: Die Praktikanten mit ihrer selbst programmierten Ballwurfmaschine im Robotiklabor der Hochschule Bielefeld.
Der KUKA-Industrieroboter im Robotiklabor der HSBI: Die Greifzange wurde von den Berufsschülern selbst konstruiert und gedruckt.
Ein Blick ins Materialinnere: Der aus TPU gefertigte 3D-gedruckte Ball zeigt seine flexible, filigrane Gitterstruktur im Infill.
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Im Rahmen ihrer Ausbildung zum Techniker mit der Fachrichtung Maschinenbau hatten drei Schüler des Richard-von-Weizsäcker-Berufskollegs in Paderborn die Gelegenheit, ihre praktische Abschlussarbeit im Labor für Robotik am Fachbereich Ingenieurwissenschaften und Mathematik der Hochschule Bielefeld (HSBI) zu absolvieren. Das achtwöchige Betriebspraktikum bot den Berufsschülern nicht nur wertvolle Einblicke in den Hochschulalltag, sondern auch die Möglichkeit, ihr Wissen praxisnah einzusetzen und in einem realen Projekt zu erproben.Ergebnis eines achtwöchigen Projekts: Die Gruppe vor ihrer selbst entwickelten Ballwurfanlage mit KUKA-Industrieroboter im Labor der HSBI.
Im Rahmen ihres Bildungsgangs als Techniker:innen Maschinenbau am Richard-von-Weizsäcker-Berufskolleg absolvierten die drei Schüler Marvin, Daniel und Simon ein achtwöchiges Betriebspraktikum, das zugleich als praktische Abschlussarbeit dient. Die Betreuung des Praktikums übernahmen Prof. Dr. Martin Hülse, Professor für Robotik und autonome Systeme, und Andreas Kirsch, wissenschaftlicher Mitarbeiter im Labor für Robotik. Das Format ist erfolgreich, so Andreas Kirsch, eine Fortführung mit dem Richard-von-Weizsäcker-Berufskolleg ist angestrebt.
Auftrag der Abschlussarbeit: Automatisierter Ballkreislauf
Die Anlage entstand durch intensives Testen und Optimieren berichtet Daniel: „Man dachte, alles läuft, und dann bleibt der Ball stecken. Dann bedeutet das oft stundenlange neue Druckzeit.“
Titel und Auftrag der Abschlussarbeit lauteten: „Entwicklung und Umsetzung eines automatisierten Ballkreislaufsystems mit einem Industrieroboter“. Konkret bedeutet das: Ein KUKA-Roboter soll selbstständig Bälle aus einem Lager aufnehmen und in einen anderen Anlagenteil befördern. KUKA-Roboter sind hochpräzise, programmierbare Industrieroboter, die wie mechanische Arme funktionieren und in der Produktion eingesetzt werden, um schwere, monotone oder gefährliche Aufgaben zu übernehmen. Die besondere Herausforderung für die Berufsschüler lag in der Wurfbewegung. Die Bälle sollten nicht einfach abgelegt, sondern geworfen werden, um einen funktionalen Demonstrator zu entwickeln, der die Möglichkeiten von Wurfanwendungen in der Industrie verdeutlicht. Das Potenzial solcher Anwendungen ist hoch. Durch gezieltes Werfen können Zykluszeiten reduziert werden, oder wie Daniel es ausdrückt: „Einmal geworfen erspart zwei Roboterfahrten“. Anwendungsbereiche sind beispielsweise das Entfernen von Ausschuss auf Förderbändern oder die Materialweitergabe, überall dort, wo es nicht auf eine präzise Ablage ankommt. Prof. Dr. Hülse weist in diesem Zusammenhang darauf hin, dass die Arbeit der Schüler nicht nur ihre Fähigkeiten zeigt, sondern auch das „Potenzial des Labors wiederspiegelt, kreative Projekte praxisnah umzusetzen.“
Eigenverantwortliches Arbeiten mit hoher Lernkurve
Im Robotiklabor der HSBI betreut Andreas Kirsch, wissenschaftlicher Mitarbeiter am Fachbereich IuM, die Praktikanten bei der Umsetzung ihres automatisierten Ballkreislaufsystems.
Die Drei konnten ihr schulisches Grundwissen, etwa in Konstruktion und 3D-Druck, direkt einsetzen. Sie konstruierten und druckten Greifbacken, Bälle und Lager selbst und rüsteten den KUKA-Roboter zusätzlich mit Sensorik aus dem Laborbestand aus. Die Umsetzung des Wurfs stellte die größte Herausforderung dar. Da die Oberfläche der Bälle den Wurf massiv beeinflussen, mussten viele Varianten an Bällen erprobt werden. Simon berichtet: „Es war teilweise stressig – man dachte, alles läuft, und dann bleibt der Ball stecken. Dann bedeutet das oft 15 Stunden neue Druckzeit.“ Auch die unterschiedlichen Materialeigenschaften von TPU und PLA wirkten sich auf den Druck und die mechanische Funktion aus. Prof. Dr. Hülse erklärt: „Ein Roboter arbeitet im Zehntelmillimeter-Bereich. Schon kleine Unterschiede an der Oberfläche wirken sich auf das Gesamtsystem aus.“ Alle drei Schüler betonten, dass ihnen die freie Zeiteinteilung an der HSBI besonders gefallen hat. Sie konnten selbständig arbeiten, wurden aber nicht allein gelassen – ein Vertrauensvorschuss, der Marvin positiv in Erinnerung bleibt: „Die Betreuungssituation an der HSBI ist sehr wertschätzend – man bekommt Vertrauen und kann eigene Entscheidungen treffen.“ Das Praktikum eröffnete zudem Perspektiven für ein mögliches Studium. Simon überlegt an der HSBI Elektrotechnik oder Wirtschaftsingenieurwesen zu studieren – passend zu seinen Interessen und zum Projekt. Das zeigt, dass Berufspraktika auch als Einstieg in ein Studium dienen können.
Theorie endlich praktisch anwenden
Für die Schüler war es besonders wertvoll, dass sie die Theorie aus der Schule endlich umsetzen konnten. Anders als bei vielen anderen Betriebspraktika und Abschlussarbeiten blieb das Wissen hier nicht nur theoretisch, sondern wurde in einem funktionierenden Demonstrator sichtbar. Simon hatte den Vorschlag, das Praktikum an der HSBI zu absolvieren, selbst eingebracht, und die Idee wurde von seiner Schule positiv bewertet. Besonders stolz sind die Schüler darauf, dass ihr Demonstrator auch am Tag der offenen Tür der HSBI gezeigt wird. Andreas Kirsch betont: „Es ist ein Projekt, das sich wirklich sehen lassen kann und andere begeistern wird.“ (th/jrf)
Info: Staatlich geprüfte Techniker:innen
Staatlich geprüfte Techniker:innen der Fachrichtung Maschinenbau sind qualifizierte Fachkräfte, die als Bindeglied zwischen Ingenieur:innen und Facharbeiter:innen fungieren. Sie vereinen technisches und betriebswirtschaftliches Wissen mit handwerklichem Können, sodass häufig sämtliche Abläufe in der Produktion bei ihnen zusammenlaufen. Zu ihren Aufgaben gehört unter anderem die Programmierung, Wartung und Reparatur von Maschinen.