13.04.2011

Professor Patel vom Fachbereich IuM berichtet über die Formulierungswissenschaften

Im Rahmen des interdisziplinären Forschungskolloquiums am 18. April 2011 werden Professor Patel und seine Doktorandin Rieke Lohse über folgendes Thema referieren: „Wie eine Wohngemeinschaft transgene Pflanzen ersetzen soll".

Formulierung bezeichnet die Überführung eines Wirkstoffes in eine anwendbare Form wie beispielsweise Aspirintabletten, Insektizidgranula, Gartendünger, Waschmittelpulver, Deosprays, functional food oder Druckertinte. Dabei kann eine geeignete Formulierung die Eigenschaften des Endproduktes wesentlich beeinflussen und z.B. die Handhabbarkeit, die Lagerfähigkeit und die Wirksamkeit entscheidend verbessern oder eine kontrollierte Freisetzung in Abhängigkeit von den Materialeigenschaften und Umwelteinflüssen ermöglichen. Deshalb haben Formulierungsverfahren von der Öffentlichkeit unbeobachtet eine ähnliche Revolution in der Industrie ausgelöst wie die Gentechnik. Allein auf dem Gebiet der Verkapselung werden jährlich 2000 Patente angemeldet.

Der erste Teil des Vortrags beschäftigt sich mit aktueller Forschung des Fachbereichs IuM auf dem Gebiet der Formulierung von Zellen und Wirkstoffen für eine Vielzahl  von Anwendungen wie z.B. Konstruktion von künstlichen Samen und künstlichen Organen, Konservierung von trocknungsempfindlichen Mikroorganismen, erhöhte Wirksamkeit eines Pilzpräparates, Immobilisierung von Biokatalysatoren und kontrollierte Freisetzung von  Biodünger, Pflanzenölen und Lockstoffen. Dabei steht die Entwicklung der Formulierungsverfahren im Vordergrund, während die Anwendungen i.d.R. mit Kooperationspartnern aus Forschung und Industrie abgeforscht werden.

Im zweiten Teil des Vortrags soll ein konkretes Forschungsprojekt aus dem Bereich des biologischen Pflanzenschutzes näher erläutert werden. Dabei ist das vorrangige Ziel herkömmliche chemische Insektizide ohne den Einsatz gentechnischer Methoden auf biologische Weise zu ersetzen und so das Problem der Resistenzentwicklungen von Schadinsekten zu umgehen. Zur Entwicklung eines solchen Verfahrens bietet sich der insektenabtötende Nutzpilz Beauveria bassiana an. Dieser Pilz wird heute schon in kommerziellen Verfahren massenvermehrt und dann direkt auf den Boden und die Pflanzen appliziert. Aufgrund von biotischen und abiotischen Faktoren wie Sonneneinstrahlung und Trockenheit ist die Wirksamkeit dieser Behandlung beschränkt und stellt bis heute keine ausreichende Alternative zu herkömmlichen Pflanzenschutzmitteln dar. Durch die Verwendung eines Pilz-Isolats aus dem Inneren einer Pflanze wird dieses Ziel hingegen erreichbar. Der Nutzpilz ist in der Lage das Pflanzengewebe zu durchwachsen und so an den Pflanzen fressende Schadinsekten direkt abzutöten. Neben der optimalen Massenvermehrung dieses Pilz-Isolats steht die Entwicklung eines innovativen Formulierungsverfahrens im Vordergrund, so dass der Pilz die Pflanze optimal infiziert, durchwächst und vor dem Befall durch Schadinsekten analog zu transgenen Pflanzen schützt.

Näheres zur Veranstaltung:

Ort: Wilhelm-Bertelsmann-Straße 10, Raum 212
Termin: 18. April 2011 um 17:00 Uhr
Dauer: 45 Minuten