Am 22. März 2011 wird Professor Schumacher über das Thema "Fehlervermeidung um jeden Preis - Kernenergie" referieren.
Ausgehend vom Grundverständnis der kontrollierten Kernspaltung behandelt diese öffentliche Vorlesung einerseits die Entstehung von instabilen radioaktiven Spaltprodukten und beschäftigt sich andererseits mit den technischen Prozessen im Reaktor. Bei den kerntechnischen Prozessen liegt der Schwerpunktauf dem Primärkühlkreis des Reaktors und der Stabilisierung der kritischen Kernspaltung durch Moderatoren und Absorber. Die Sicherheitskonzepte im Reaktor sind gekennzeichnet durch in der Regel mehrfach vorhandene Systeme, die beim Ausfall des Hauptsystems einspringen, wie etwa vier für eine Hauptkühlmittelpumpen mit entsprechenden Kühlkreisläufen. Dennoch ist unverkennbar, dass die in der Bundesrepublik betriebenen Reaktoren nur begrenzt umfassenden Anforderungen zur Sicherheit entsprechen, da diese in den 70-iger Jahren des letzten Jahrhunderts entwickelt wurden. Als Gegengewicht zur technisch begrenzten Sicherheit der Anlagen selbst,schaffen Qualität und Trainingsstand der Kraftwerksfahrer, einstudierte Handlungsabläufe und ein dichtes externes Überwachungs- und Kontrollsystemeinen kalkulierbar "sicheren" (keinesfalls fehlerfreien) Reaktorbetrieb. Kann man den Betrieb von Reaktoren unter kontrollierten Randbedingungenals "sicher" (keinesfalls als stör- oder fehlerfrei) bezeichnen, so ist die Frage der Sicherheit beim Betrieb von Zwischen- und Endlagern erfahrungsgemäß nicht zu beantworten. Prognosen über Jahrhunderte/Jahrtausende/.. hinweg, in denen sich die Gefahrenpotentiale der gelagerten Stoffe nur unmerklich verändern, sind wohl kaum als seriös einzustufen. Eine Lagerung unter Tage verschärft nach meiner Einschätzung die negativen Auswirkungen auf zukünftige Generationen.
Veranstaltungsbeginn und -ort: 11 Uhr im Hörsaal 314 am Standort Wilhelm-Bertelsmann-Str. 10