Catharina Schilp, Referentin der Teilprojektleitung des Innovation Lab im Projekt InCamS@BI, wurde jetzt mit dem ersten HSBI Startup Award des Center for Entrepreneurship in der Kategorie „Idee“ ausgezeichnet. Das Ziel des Awards ist es, Gründungskompetenz und unternehmerisches Denken an der HSBI und in der Region Ostwestfalen-Lippe zu fördern. Catharina Schilp beschäftigte sich schon während ihres Maschinenbaustudiums mit dem Thema Spritzgießen von Kunststoffen. Im neunten Nachgefragt Interview haben wir uns mit ihr über ihre Startup Idee, ihre Arbeit im InCamS-Team und ihre Vorliebe für Wettkämpfe mit harmonische Grundstimmung unterhalten.Für jedes Kunststoffteil wird aktuell ein neues Spritzgießwerkzeug hergestellt. Catharina Schilps Startup Idee könnte Ressourcen und Kosten in diesem Bereich sparen.
In der Interviewreihe „Nachgefragt bei InCamS@BI“ erklären Kolleginnen und Kollegen aus dem Team, wie das Transferprojekt InCamS@BI funktioniert und womit sie sich aktuell beschäftigen. Catharina Schilp erzählt uns dieses Mal, was ihre Aufgaben als Referentin der Teilprojektleitung des Innovation Lab sind und berichtet vom Startup-Award, mit dem sie kürzlich ausgezeichnet wurde.
Du hast der Jury und dem Publikum beim ersten HSBI Startup Award in vier Minuten deine Idee gepitcht. Kannst du uns auch hier kurz davon berichten und wie du darauf gekommen bist?
Der Startup Award des Center for Entrepreneurship der HSBI wurde in drei Kategorien vergeben. Handel, Idee und Startup.
Catharina Schilp: Die Idee hatte ich eigentlich schon seit zwei Jahren in meinem Kopf. Ich war damals wissenschaftliche Mitarbeiterin im Bereich Kunststofftechnik an der Universität Paderborn. Eine Kollegin schilderte mir die Herausforderung, dass sie für ein Projekt ein Spritzgießwerkzeug brauchte, es aber keine direkte Finanzierungsmöglichkeit gab. Mir kam die Idee, dass man ja vielleicht gebrauchte Spritzgießwerkzeuge wiederverwenden könnte. Ich habe das dann an vorhandenen Werkzeugen ausprobiert und tatsächlich hat es gut geklappt. Mit einigen Anpassungen konnten die benutzten Werkzeuge wieder für die Produktion anderer Kunststoffteile eingesetzt werden. Der Startup Award hat jetzt den Anlass gegeben, weiterzudenken. Meine Idee ist die Entwicklung einer Werkzeugbörse, speziell für Spritzgießwerkzeuge. Quasi eine Plattform, über die man gebrauchte Werkzeuge kaufen und leihen kann.
Deine Idee kann vermutlich viele Kosten und Ressourcen sparen. Woran kann es liegen, dass daran bisher noch nicht gedacht wurde?
Catharina Schilp: Ich glaube da wirkt das Motto „Never change a running system“. Aus meinem Umfeld habe ich dazu gehört, dass Unternehmen im Bereich Spritzguss schon immer neue Werkzeuge produziert haben und es einfach nicht hinterfragt wurde, ob es auch anders ginge. Viele Personen wissen gar nicht, dass für jedes Produkt immer ein neues Werkzeug hergestellt wird.
Catharina Schilp vor der Veranstaltung des Startup Awards im Innenhof der HSBI.
Nochmal zum Hintergrund, erzähl uns doch mal wie eine Anpassung der Werkzeuge technisch funktioniert.
Das Spritzgießwerkzeug "Mouldi" wurde Schilp für ihren Pitch vom Unternehmen Werkzeugbau Berger ausgeliehen.
Catharina Schilp: Beim Spritzgießen wird für jedes Kunststoffbauteil eine passgenaue Form benötigt, die das spätere Bauteil abbildet. Ähnlich wie bei einer Kuchenform. Diese Form befindet sich im Spritzgießwerkzeug, in dem die Kunststoffschmelze in die Form eingespritzt, abgekühlt und als fertiges Teil ausgeworfen wird. Meine Idee ist, dass ich die passgenaue Form austausche und den Rest erneut verwende.
Schon beim DemoDay 2024 von InCamS@BI ging es in deinem Pitch um das Thema Spritzgießen. Was begeistert dich daran?
Catharina Schilp: Ich habe schon im Studium gemerkt, dass mir Kunststofftechnik sehr liegt. Am Spritzgießen mag ich, dass man gestalten, bauen, designen und konstruieren kann und in kürzester Zeit ein fertiges Kunststoffteil hergestellt hat. Bei InCams@BI habe ich derzeit andere Aufgaben und daher vermisse ich es manchmal ein bisschen.
Was sind denn deine aktuellen Aufgaben im Projekt? Und was gefällt dir besonders?
Schilp entwickelt sehr gerne in motivierten Teams neue Ideen, wie hier beim Design Thinking Workshop von InCamS@BI.
Catharina Schilp: Also ich bin seit 2023 Teil des Projekts. Ich arbeite als Referentin der Teilprojektleitung des Innovation Labs. Zu meinen Aufgaben gehört es, die Forschungsgruppen bei der Durchführung und Planung von Projektideen zu begleiten. Außerdem unterstütze ich bei Veranstaltungen. Ich entwickele und validiere auch Prozesse im Projekt. Mir gefällt besonders die Zusammenarbeit mit einem motivierten Team an Themen wie Kunststofftechnik und Nachhaltigkeit. Wenn alle mit Engagement und Eigeninitiative dabei sind, bringt die Begeisterung richtig Dynamik in das Projekt. Dadurch macht mir Teamarbeit erst recht Spaß. Je nach Situation übernehme ich gerne die Koordination und Leitung, bin aber genauso gerne Teil des Teams und bringe meine fachlichen Kenntnisse aus der Kunststofftechnik ein, um gemeinsam die bestmöglichen Ergebnisse zu erzielen.
Zurück zum Startup Award: Wie waren denn die Reaktionen, die du jetzt nach dem Gewinn bekommen hast?
Begeistert von der Idee einer Werzeugbörse:
Catharina Schilp (l.) mit Marius Haacke, Geschäftsführer Werkzeugbau Berger (r.) und Simon Kröger, Mitarbeiter von Werkzeugbau Berger. In der Mitte steht "Mouldi", das Spritzgießwerkzeug.
Catharina Schilp: Die Reaktionen waren durchweg positiv. Ich wurde bei meinem Pitch vom Unternehmen Werkzeugbau Berger unterstützt. Sie waren schon im Voraus von meiner Idee begeistert und haben mir beispielsweise das Werkzeug namens Mouldi geliehen, das ich beim Pitch als Illustration genutzt habe. Aber seit dem Startup Award werden mir regelrecht die Türen eingerannt. Da geht es von Coachings in Sachen Gründung bis hin zu Kooperationen.
Dieses Jahr wurde der Startup Award zum ersten Mal vergeben. Hat dir das Format gefallen?
Catharina Schilp: Ja, es war wirklich super. Ich mag das Format von Pitches sowieso gerne. Es ist eine spannende Challenge, seine Ideen so auf den Punkt zu bringen. Gründen war erstmal nicht in meiner Vorstellung, mir ging es um die Herausforderung beim Award. Aber wie es jetzt weitergeht, werden wir noch sehen. Ich fand allgemein die Stimmung beim Startup Award klasse: es herrschte Wettkampfatmosphäre, aber mit einer harmonischen Grundstimmung unter den Teilnehmenden. Mir hat das Format viel Spaß gemacht.
Möchtest du anderen etwas mit auf den Weg geben, die überlegen im kommenden Jahr beim Startup Award teilzunehmen?
Catharina Schilp: Ich finde, dass Universitäten und Hochschulen einen optimalen Rahmen bieten, Dinge auszuprobieren und Ideen frei zu entwickeln. Im Unternehmen hat man selten diese Freiheit, dass Ideen auch mal nicht funktionieren dürfen. Diese Chance sollten wir nutzen. Der Startup Award bietet ein super Forum dafür, sich kreativ auszutoben und die Atmosphäre vor Ort war klasse. Eine weitere Teilnahme meinerseits ist auf jeden Fall nicht ausgeschlossen.
Vielen Dank für das Gespräch! (sas)
Beim HSBI Startup Award herrschte sehr gute Stimmung.
Zur Person: Catharina Schilp
Catharina Schilp ist Maschinenbau-Ingenieurin und hat sich auf Kunststofftechnik spezialisiert. Nach ihrem Masterstudium an der Universität Paderborn hat sie zunächst zwei Jahre in einem Spritzgießunternehmen als Konstrukteurin gearbeitet. Danach kehrte sie an die Universität Paderborn zurück und arbeitete dort fünf Jahre als wissenschaftliche Mitarbeiterin. Ihre Arbeit im Bereich Spritzgießen bildete die Grundlage ihrer Dissertation. Catharina Schilp hat zwei Kinder im Alter von anderthalb und fünf Jahren. Und dazu vielleicht bald noch ein Startup?