Vom Laborpraktikum zur Studienperspektive – BTAs sammeln Praxiserfahrung an der HSBI
Im Rahmen ihrer Ausbildung zur Biologisch-technischen Assistentin (BTA) am Maria-Stemme-Berufskolleg hatten Touka Alabdulrahim und Nelly Oberlies die Gelegenheit, ihr achtwöchiges Pflichtpraktikum in den Laboren für Apparative Biotechnologie am Fachbereich Ingenieurwissenschaften und Mathematik der Hochschule Bielefeld (HSBI) zu absolvieren. Das Praktikum bot ihnen nicht nur wertvolle Einblicke in den wissenschaftlichen Laboralltag, sondern auch die Möglichkeit, ihr theoretisches Wissen praktisch zu erproben und zu vertiefen.Touka Alabdulrahim (l.) und Nelly Oberlies (2. v. l.) machten ihr Berufspraktikum am Standort Apparative Biotechnologie der HSBI. Zu ihren Aufgaben gehörte auch das Anlegen und Mikroskopieren von tierischen Zellkulturen. Das Berufspraktikum wurde von Dr. Anke Rattenholl (2. v. r.) und Hannah Blattner (r.) betreut. Hannah Blattner ist BTA am Standort und hat ihre Ausbildung selbst am Maria- Stemme-Berufskolleg absolviert.
Begleitung durch erfahrenes Laborpersonal
Biologisch-technische Assistent:innen unterstützen Wissenschaftler:innen bei der Durchführung und Analyse von Experimenten, sowohl im Labor als auch im Feld. Sie nehmen Proben, bereiten sie auf, bedienen Messinstrumente und gehen mit biologischen und chemischen Arbeitsstoffen um. Betreut wurden die beiden Praktikantinnen von der wissenschaftlichen Mitarbeiterin Dr. Anke Rattenholl und der Technischen Assistentin Hannah Blattner – selbst Absolventin des Maria-Stemme-Berufskollegs. Dr. Rattenholl betont die Vielfältigkeit der Tätigkeitsfelder von BTAs: „Nicht nur in der Pharmaindustrie oder dem Gesundheitswesen werden BTAs eingesetzt. Auch an Hochschulen werden sie dringend gebraucht und sind wichtige Stützen in Forschung und Lehre.“
Selbstständig forschen und modernste Labortechnik nutzen
Während ihres Berufspraktikums waren die Berufsschülerinnen in verschiedene Arbeitsbereiche eingebunden: von mikrobiologischen Analysen über Zellkultivierung und Proteinanalytik bis hin zur Mitwirkung bei der Vor- und Nachbereitung von Studierendenpraktika. In eigenen kleineren Projekten arbeiteten die beiden über mehrere Wochen hinweg mit verschiedenen Zelllinien. Sie dokumentierten, wie sich die Zellen entwickeln, ob und wie viele Zellprodukte sie bilden und wie viel Nährstoff sie dabei verbrauchen. Dabei lernten sie, Wachstumskurven zu analysieren und Zellverhalten zu deuten – ein spannender Einblick in echte Forschung.
Konkret haben die beiden Praktikantinnen mit gentechnisch veränderten Hamsterzellen gearbeitet. Diese können Antikörper produzieren, wenn die Wachstumsbedingungen richtig sind und genug Nährstoff, in diesem Fall Glukose, bereitgestellt werden. Die Zelllösung wird dann aufkonzentriert und in mehreren Schritten bereinigt. Zum Schluss liegen die gewünschten Antikörper vor, die in der Krebstherapie zum Einsatz kommen können. Auch der Umgang mit komplexer Analytik gehörte dazu: Mit der Hochleistungsflüssigkeitschromatographie (HPLC), einem Verfahren, das Stoffgemische hochpräzise auftrennt und analysiert. Diese Technik gehört zu den wichtigsten Methoden in der Biotechnologie und wird weltweit in Forschung und Industrie eingesetzt.
In den Vertiefungen der Mikrotiterplatte befinden sich die Zellproben. Diese werden Zellproben mit einem speziellen Reagenz versetzt, ein Stoff der durch eine chemische Reaktion Glukose (rot) oder andere Zellprodukte (blau) sichtbar macht. Die Farbintensität zeigt dabei die Konzentration des Zielstoffs an: Je stärker die Färbung, desto höher der Gehalt. Die Platte wird in einen Photometer gesetzt, der misst, wie viel Licht von den Proben absorbiert wird. Weniger durchgelassenes Licht bedeutet höhere Konzentration, da mehr Moleküle das Licht absorbieren.
Moderne Mikroskopie: Während das Mikroskop (vorn) die Probe untersucht, wird das Bild live auf dem Laptop (hinten) dargestellt.
Ausbildung trifft Hochschule – ein erster Blick ins Studium
Neben der praktischen Arbeit im Labor konnten die Berufsschülerinnen auch zwei Lehrveranstaltungen des Studiengangs Apparative Biotechnologie besuchen – mit dem Ziel, ihr Fachwissen in den Bereichen Zellkulturtechnik und Proteinreinigung zu erweitern. Am Maria-Stemme-Berufskolleg kann im Rahmen der BTA-Ausbildung die Fachhochschulreife erworben werden. Damit steht auch ein Studium an der HSBI offen. „Einige unserer Studierenden haben vor ihrem Studium eine BTA-Ausbildung abgeschlossen. Damit können sie sich im Bachelor-Studiengang Apparative Biotechnologie sogar einzelne Module anerkennen lassen“, erklärt Dr. Rattenholl.
Mit dem Mikroskop sieht man Zellen des Chinesischen Hamsters. Viele biotechnologisch hergestellte Medikamente (wie Insulin oder monoklonale Antikörper) werden in solchen Zellen Produziert.
Praktikum mit Perspektive
Nach acht Wochen an der Hochschule ziehen Touka Alabdulrahim und Nelly Oberlies ein positives Fazit. Besonders gefallen haben ihnen die eigenen Forschungsprojekte und der intensive Einblick in den Hochschulalltag. Beide schließen ihre Ausbildung im Sommer 2026 mit der Fachhochschulreife ab – und denken bereits darüber nach, ein Studium aufzunehmen: „Ich kann mir gut vorstellen erst ein wenig Berufserfahrung zu sammeln und dann noch ein Studium aufzusatteln“, erklärt Touka Alabdulrahim. Das Team der Apparativen Biotechnologie wünscht ihnen dafür alles Gute! (ar/jrf)